Marsel Peci hält sich und seine Familie in Albanien mit einem Job als Fleischkurier mehr schlecht als recht über Wasser. Foto: Peci

Marsel Peci will zurück in die Region – doch er hängt in der Heimat fest. Deutsche Botschaft zu langsam.

Oberreichenbach-Würzbach/ Nagold - Er hatte eine Arbeitserlaubnis und einen Ausbildungsplatz in Aussicht. Trotzdem wurde der damals 20-jährige Albaner Marsel Peci vor zwei Jahren von Calw aus nach Albanien abgeschoben. Dass diese Abschiebung unrechtmäßig war, hat inzwischen das Verwaltungsgericht Karlsruhe bestätigt. Eine Rückkehr in den Kreis Calw wünscht nicht nur er sich. Doch die gestaltet sich schwierig.

Es ist der Juli des Jahres 2015, als der Albaner Marsel Peci – gemeinsam mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern – auf dem Landweg nach Deutschland kommt und Asyl beantragt. Er kommt in der Asylbewerberunterkunft im Calwer Teilort Wimberg unter. Dort kommt er in Kontakt mit den Pfadfindern und mit dem Handwerksbetrieb Holzbau Reichle im Oberreichenbacher Teilort Würzbach. Es ist ein Baumhausprojekt, das sie alle zusammenbringt. Peci bringt sich mit ein, hinterlässt beim Handwerksbetrieb mächtig Eindruck. Man bietet ihm ein Praktikum und anschließend eine Anstellung an. Sogar ein Ausbildungsplatz steht schon bald für ihn in Aussicht.

Geschwister und Eltern halten Trennung nicht lange aus

Doch dann läuft Vieles schief. Am Ende steht die Nacht des 4. Mai 2016. Peci wird vor den Augen seiner Familie aus der Unterkunft gebracht – und nach Albanien abgeschoben. Ein Ereignis, das Spuren bei der Familie von Marsel Peci hinterlässt. Eltern und Geschwister halten die Trennung von Sohn und Bruder nicht lange aus – und kehren eines Tages nach Albanien zurück.

Marsel Peci selbst will nicht aufgeben, will alleine und ohne seine Familie nach Deutschland, in den Kreis Calw zurückkehren. Und er kann auf Unterstützer vor Ort bauen. Zum Beispiel auf Tobias Weißenmayer aus Calw, den er einst bei dem Baumhausprojekt kennengelernt hat. Der setzt sich mittlerweile auch im Namen des Handwerksbetriebs Reichle aus Würzbach für eine Rückkehr des jungen Albaners ein: "Die Firma will ihn unbedingt als Azubi und Mitarbeiter", erzählt Weißenmayer. "Sie würden ihm sogar eine eigene Wohnung stellen."

Bauen kann er auch auf den Nagolder Rechtsanwalt Rainer Schmid, der nach der Abschiebung von Peci das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verklagt – letztlich mit Erfolg. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe erklärte die Abschiebung des jungen Albaners für unrechtmäßig. Grund: Peci hat den Ablehnungsbescheid für seinen Asylantrag offensichtlich nicht persönlich erhalten oder wie es das Gericht formulierte "mangels wirksamer Zustellung" sei der ablehnende Bescheid nicht wirksam. Zurückzuführen sei das auf etliche Unkorrektheiten des zuständigen Postbediensteten – oder auch auf das Fehlen eines Leiters der Flüchtlingsunterkunft, wie Unterstützer Tobias Weißenmayer bemängelt. Bei dem hätte der Postbedienstete den Bescheid auch korrekt abgeben können.

Mit dem Karlsruher Urteil in der Tasche wäre es dem jungen Albaner eigentlich möglich und erlaubt, nach Deutschland zurückzukehren. Doch Peci hängt in Albanien fest, hält sich als Fleischkurier über Wasser, liefert nach eigenen Angaben täglich eine Tonne Fleisch aus, für zehn Euro pro Tag. Seinen Lohn teile er mit der ganzen Familie, da es dort kein anderes Einkommen gebe, so Peci in einem Schreiben an Tobias Weißenmayer. Durch die Ausbildung in Deutschland wolle er ein Einkommen erzielen, mit dem er seine Familie so unterstützen kann, dass seine Schwester die Schule finanzieren könnte.

"Alle Beteiligten hätten schon wieder ein ganzes Jahr verloren"

Einen Termin für die Ausstellung der nötigen Papiere für die Ausreise nach Deutschland hat er bei der Botschaft längst beantragt, der Antrag wurde auch bestätigt. Doch seitdem passiert nichts. Die deutsche Vertretung vor Ort rührt sich einfach nicht..

Und jetzt drängt die Zeit. Denn am 1. September beginnt das neue Ausbildungsjahr. "Und wenn er bis dahin nicht in Deutschland ist, hat Peci keinen Job und die Firma Reichle schon wieder keinen Auszubildenden", ärgert sich Tobias Weißenmayer. "Dann hätten alle Beteiligten schon wieder ein Jahr verloren."

Auch wenn der Termin unmittelbar vor der Tür steht, die Hoffnung haben Weißenmayer und Schmid nicht aufgegeben, dass Marcel Peci tatsächlich bald nach Deutschland kommen kann.

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