Erziehung: Einrichtung am Platanenkubus im Riedbrunnen bietet 70 Betreuungsplätze / Stadt Nagold will nachlegen
Von Alexander Reimer
Die Kita am Platanenkubus öffnet an diesem Montag. 70 Betreuungsplätze wird es dort geben. Damit will die Stadt Nagold der steigenden Nachfrage nach Kita-Plätzen gerecht werden. Weitere Einrichtungen sollen noch folgen.
Nagold. Bis in der neuen Kita volles Haus herrscht, wird es aber noch etwas dauern. Vorerst wird nur eine Notbetreuung angeboten. Nur zwei Kinder sind ab Montag im Haus. "Wir starten ganz gemütlich", sagt Kita-Leiterin Simona Merkle. Die 25-Jährige stehe symbolisch für die Aufgeschlossenheit der Stadt, jungen Menschen Chancen zu geben und sie in Führungspositionen einzusetzen. "Wer was zwischen den Ohren hat, ist bei uns willkommen", sagt Oberbürgermeister Jürgen Großmann.
In der unteren Etage wird es für Kinder ab drei Jahren 50 Kita-Plätze geben. Für Kinder unter drei Jahren gibt es in der oberen Etage 20 Plätze. Die Altersgruppen sind voneinander getrennt. Doch innerhalb der Altersgruppen wird nach einem offenen Konzept betreut, erklärt Merkle. Die Kinder sind nicht in festen Gruppen eingeteilt, sondern können sich auf ihrer Etage frei bewegen. Sie können also selbst entscheiden, ob sie sich im "Bewegungsraum" austoben wollen oder sich im Raum nebenan doch lieber mit Spielzeug beschäftigen. Beide Altersgruppen haben zudem einen Außenbereich.
Man sei schon ziemlich gut ausgebucht. 50 Plätze sind bereits bis zum Sommer vergeben, erklärt Antonietta Capasso vom Amt für Bildung und Betreuung. Diese Phase diene zur Einarbeitung. Im Herbst werde die Kita dann alle 70 Plätze anbieten können und somit innerhalb eines Jahres voll ausgebucht sein. Momentan arbeiten sechs Erzieherinnen in der Kita. Später soll bei Bedarf auf zehn bis zwölf aufgestockt werden.
"Nagold wächst", sagt OB Großmann dazu. "Das ist eine rasante Entwicklung, die wir begrüßen." Das Wachstum führe zu einer besseren Infrastruktur. Ohne Kunden gebe es entsprechend weniger Einzelhandel und Gastronomie, nennt er als Beispiel.
Doch die Stadt müsse entsprechend auf dieses Wachstum reagieren und der steigenden Nachfrage nach Kita-Plätzen gerecht werden. Großmann nennt es "eine Pflichtaufgabe der Stadt". 2008 gab es 31 Kitaplätze für Kinder unter drei Jahren. Fünf davon waren Ganztagesplätze. 2020 waren es bereits insgesamt 160 Betreuungsplätze. Davon waren wiederum 60 Ganztagesplätze. Bei den Kindern über drei Jahren ist die Anzahl an Betreuungsplätzen bei etwa 800 konstant geblieben. Die Anzahl der Kinder, die sich in Ganztagesbetreuung befinden hat sich allerdings von 30 auf 150 erhöht.
"Die Eröffnung der Kita tut uns gut. Wir sind am Limit", sagt Jürgen Großmann. Weitere, nicht nur städtische Kindertagesstätten sollen daher noch folgen. Derzeit in Planung sind Erweiterungen in Hochdorf, Vollmaringen, Emmingen und im Finkenweg.
Durch die zunehmende Nachfrage sind die Kosten für die Finanzierung der Kitas in den vergangen Jahren ebenfalls gestiegen. Während sie im Jahr 2008 noch rund zwei Millionen Euro gekostet haben, waren es 2019 etwa neun Millionen. Der Anteil der durch Elternbeiträge gedeckt wird, ist dabei in Nagold von zwölf auf sieben Prozent zurückgegangen. Mit rund 60 Prozent leistet die Stadt den größten Beitrag. Der Rest kommt vom Land. Im Vergleich zu anderen Städten in der Region seien die Elternbeiträge in Nagold niedriger.
Der Bau der Kita am Platanenkubus kostet vier Millionen Euro
Der Gemeinderat werde daher im Laufe des Jahres über eine Erhöhung der Elternbeiträge beraten. Großmann versichert allerdings: "Wegen Geld muss keiner sein Kind daheim lassen." Sozialhilfe oder eine Vergünstigung durch den Nagoldpass sollen hier zur Not greifen.
Der Bau der Kita am Platanenkubus kostete vier Millionen Euro. Für die Außenanlagen kommen etwa 300 000 Euro hinzu. Vom Bund gab es Fördergelder in Höhe von 480 000 Euro. Das Gebäude sei laut OB Jürgen Großmann "schick und modern". Innen wie außen ist Holz der dominierende Baustoff. Das sei nicht nur nachhaltig, sondern schaffe auch eine "beruhigende Atmosphäre", meint der OB im Pressegespräch.
Eine Geothermie-Wärmepumpe und eine 52,6-Kilowatt-Photovoltaikanlage auf dem Dach tragen auch dazu bei, "Klimaschutz konkret umzusetzen".
Die Innenarchitektur folgt ebenfalls einem offenen Konzept. Breite Flure, auf denen gespielt werden kann und große Fenster, die dafür sorgen, dass die Kinder mit der Außenwelt verbunden bleiben. Noch ist unklar, wann volles Haus in der Kita herrschen wird. Großmann hofft darauf, dass es im Februar mit der Betreuung losgehen kann. Die Kita am Platanenkubus sei dafür jedenfalls schon vorbereitet.