Hagen Harwardt von der Stadt Nagold (links) und Dieter Laquai organisierten die Börse in der Stadthalle. Foto: Priestersbach

Hochbetrieb in der Stadthalle. Seit fast drei Jahrzehnten wechseln ausrangierte Dinge den Besitzer.

Nagold - "Ausrangiert, aber für den Müll zu schade", lautete am Samstag das Motto der Gebrauchtwarenbörse in der Nagolder Stadthalle. Seit fast drei Jahrzehnten wechseln hier im Herbst zahlreiche Gebrauchsgegenstände aller Art ihren Besitzer – eine echte Aktion im Sinne der Nachhaltigkeit.

 

Erneut hatte die Stadt Nagold gemeinsam mit der Abfallwirtschaft des Landkreises und dem Arbeitskreis Umwelt und Verkehr im Bürgerforum die Gebrauchtwarenbörse in Nagold auf die Beine gestellt – die 28. ihrer Art in diesem Jahr. Unterstützt wurden die Organisatoren dabei vom Stadtseniorenrat, den Oldies for Future oder den Nagolder Naturfreunden, wobei die Helfer alle Hände voll zu tun hatten bei der Annahme und dem Sortieren der angelieferten Gebrauchtwaren.

So bildete sich auch bei der Anlieferung am Seiteneingang der Stadthalle immer mal wieder eine Schlange, denn zahlreiche Leute brachten ihre gebrauchten Gegenstände. So lieferte der Hochdorfer Ortsvorsteher Bruno Schmid unter anderem eine Saftpresse, eine Kaffeekanne oder ein russisches Spiel ab – "mit dem wir nichts anfangen konnten". Doch andererseits waren die Sachen zu schade zum Wegschmeißen, und Bruno Schmid betonte: "Andere können es vielleicht brauchen."

"Es wird aber auch immer mehr Kruschd"

Eberhard Schwarz vom Stadtseniorenrat fand es "unglaublich, was da alles dabei ist". So wunderte er sich vor allem über die zahlreichen Elektrogeräte, die zu 95 Prozent funktionsfähig waren. Vom Radiowecker über eine Rührmaschine bis hin zu einer elektrischen Schreibmaschine war alles dabei. "Es ist schon erstaunlich, wie viele Neugeräte abgeliefert werden", staunte Eberhard Schwarz.

"Es wird aber auch immer mehr Kruschd", wusste Mitorganisator Dieter Laquai, dass viele Leute bei dieser Gelegenheit ihre Keller oder Dachböden entrümpeln. So wiesen die Helfer beispielsweise nicht nur eine offensichtlich gebrauchte Klobrille zurück. Von der Gesamtmenge her hatte Dieter Laquai den Eindruck, dass es wie in den Vorjahren lief, doch waren es dieses Mal alleine vier Tische mit Hausrat gefüllt, während Bücher und Schallplatten rückläufig waren. Und er wusste aus Erfahrung, dass bei der Kleidung normalerweise das Meiste liegenbleibt.

Bereits über eine Stunde vor der Hallenöffnung warteten zahlreiche Interessenten vor der Nagolder Stadthalle. "Der Andrang ist riesig, aber das zeigt eben auch, dass der Bedarf da ist", machte Hagen Harwardt vom städtischen Bauamt deutlich, der in diesem Jahr seine Premiere als Organisator feierte.

Andrang in der Stadthalle

Abgegeben werden konnten wie immer gut erhaltene und brauchbare Sachen, wobei die bereits vom frühen Morgen an abgelieferte Ware geprüft wurde. Angenommen wurden beispielsweise Haushaltsartikel, Spiel- und Sportartikel, funktionierende kleinere Elektrogeräte, gut erhaltene Kleidungsgegenstände, Bücher und Schallplatten, die dann kostenlos abgegeben wurden.

Zudem zeigte der Andrang in der Stadthalle, dass diese Börse für Gebrauchtes nicht nur bei ausgesprochenen Schnäppchenjägern sehr beliebt ist, sondern dass auf diese Weise auch ein Beitrag dazu geleistet werden kann, den Müllberg nicht noch weiter anwachsen zu lassen. "Die Sachen werden gebraucht und mit der Börse wird die Umwelt entlastet", erklärte Dieter Laquai.

Wie Helge Jesse von der Abfallwirtschaft des Landkreises anmerkte, sei die Gebrauchtwarenbörse "ein perfektes Bespiel für Abfallvermeidung – und deshalb unterstützen wir die Aktion gerne". Er fand es faszinierend, was da alles den Besitzer wechselte. Und was anschließend übrig blieb, wurde von den Mitarbeitern der Abfallwirtschaft fachgerecht entsorgt.