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Nagold Nach Hochhaus-Brand auf dem Lemberg: Besteht weiter Lebensgefahr?

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Beim Brand in dem Hochhaus auf dem Lemberg waren am 17. Juli zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort. Foto: Schillaci

Nagold - Am 17. Juli brannte es auf dem Nagolder Lemberg: Ein Verteilerkasten im Keller des Hochhauses Carl-Zeiss-Straße 14 hatte Feuer gefangen. Bewohner berichten nun: Es war nicht das erste Mal, dass es solch einen Brand gab. Sie bemängeln den Brandschutz im Gebäude. Mehr lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Elisabeth Ehret wohnt im dritten Stock der Carl-Zeiss-Straße 14. Am Brandtag nahm sie leichten Rauchgeruch wahr, "aber nicht bedrohlich". Es sei schon mal vorgekommen, das jemand sein Essen auf dem Herd vergessen hatte. Sie ging nach unten – "erst da habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr atmen konnte", dass nur noch Rauch im Treppenhaus war.

Feuer legt Stromversorgung lahm

Elisabeth Ehret ist mit anderen Bewohnern im Wohnzimmer von Jenny Rausch (achter Stock) zusammengekommen, um ihren großen Unmut zu Protokoll zu geben. Das Feuer im Keller hatte die Stromversorgung in dem Gebäude teilweise komplett lahmgelegt, zwei Wochen dauerte es, bis die Hausverwaltung endlich einen Elektriker fand, der den Schaden zumindest notdürftig reparierte. Bis dahin galt für eine ganze Reihe der Bewohner: kein Fahrstuhl, kein Starkstrom für den Backofen, kein Warmwasser, in einigen Wohnungen – wie bei Murat Cankaya im Ostflügel des Hauses – gar kein Strom.

"Dass die uns noch nicht mal ein Notstromaggregat hingestellt haben!?", ereifert sich Jenny Rausch – die schon seit 48 Jahren in dem Haus wohnt; und bereits sehr lange in einem Dauer-Clinch mit der Hausverwaltung liegt. Letztes Jahr fiel die Heizung altersschwach aus – mitten im Winter –, musste komplett erneuert werden. "Da bekamen wir auch umgehend ein externes Heizmobil vors Haus gestellt, um das Gebäude zu versorgen." Rausch holt einen dicken Aktenordner hervor – Korrespondenz, Gerichtsakten – die von einem Langzeit-Konflikt über so viele Themen mit der Hausverwaltung künden.

Gravierendster Punkt auf der langen Liste: ausgerechnet der Brandschutz im Gebäude Carl-Zeiss-Straße 14. Ende der 1990er-Jahre war festgestellt worden, dass das Hochhaus aus den frühen 1970er-Jahren "komplett ohne den geringsten Brandschutz" seinerzeit errichtet und baulich abgenommen worden war. Eine Brandschutzschau (Rausch weiß das Datum noch ganz genau: am 22. November 2000) hatte das schließlich auch offiziell belegt. Und gerügt, dass es nie eine eigentlich zwingend vorgeschriebene Brandabnahme gegeben hatte. Weder Feuermelder, Sicherheitsbeleuchtung in den Treppenhäusern, noch eine Entrauchungsanlage gab es. Auch keine feuerfesten Wohnungstüren.

Brandschutztüren halten den toxischen Rauch ab

Teils gerichtlich, setzten die Eigentümer und Bewohner der Wohnungen gegenüber der Hausverwaltung die notwendigen Nachrüstungen durch. Zum Glück – denn die Brandschutztüren an den Wohnungseingängen verhinderten beim Brand jetzt, dass der von der Feuerwehr als "giftig und toxisch" bezeichnete dichte Rauch vom Treppenhaus aus auch in die Wohnungen ziehen konnte. Ein Beleg dafür noch jetzt: Im Treppenhaus der Carl-Zeiss-Straße 14 riecht es auch heute, Wochen nach dem Feuer, intensiv und unangenehm nach Rauch – trotz intensiver Belüftung. In den Wohnungen nicht.

Rauchabzug versagt komplett

Allerdings: Dass es im Treppenhaus bis heute nach Rauch riecht, dokumentiert, dass der seinerzeit (2006) für viele hunderttausend Euro eingebaute Rauchabzug im Hochhaus komplett versagt hat. Kein Wunder, so Jenny Rausch – und zeigt ihre Akten. Die Brandschutzschau damals hatte der Hausverwaltung ins Stammbuch geschrieben, dass die Lüftungsanlage eine eigene, von der Versorgung des sonstigen Gebäudes unabhängige Stromversorgung bekommen sollte – um genau solche Verrauchungen wie jetzt durch den in Brand geratenen Verteilerkasten zu vermeiden. "Das wurde aber nicht gemacht", weshalb mit dem brennenden Verteilerkasten eben auch der Rauchabzug komplett ausfiel.

Überhaupt scheint die Stromversorgung in der Carl-Zeiss-Straße 14 eine "Achillesferse" des Baus zu sein: Bereits vor zwei Jahren, berichtet Elisabeth Ehret, sei es schon einmal zu einem Schmor- und Kabelbrand im Keller gekommen. Betroffen damals war ein Kabel, das von ihrem Stromzähler zu ihrer Wohnung führte – damit "mein Privatproblem", wie ihr die Hausverwaltung damals sagte. Wochenlang suchte sie einen Elektriker, der den Schaden behebt – ohne Erfolg. Jeder Elektromeister in Nagold und Umgebung habe abgewinkt, wenn er hörte, um welches Gebäude es sich handelte – selbst jener, der seinerzeit die Stromversorgung bei Errichtung des Hauses installiert hatte. Erst in Holzgerlingen wurde sie fündig, und fand einen Meisterbetrieb, der die notwendige Reparatur ausführte.

Das mulmige Gefühl, das aber bleibt: Erst ein schmorendes Kabel, dann ein brennender Verteilerkasten – das sieht nach einer Eskalationskette aus. Was droht unter Umständen als nächstes? Wenn nicht endlich die Stromversorgung in der Carl-Zeiss-Straße 14 komplett vernünftig saniert wird; und auch der Brandschutz alle vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt? Dazu der immer noch mangelhafte Brandschutz. Bei der Erzählung der Bewohner wird klar: Hier im Haus herrscht mutmaßlich latent Lebensgefahr; möglicherweise war der Brand vom 17. Juli eine letzte eindringliche Warnung vor der drohenden, richtig großen Katastrophe.

Info: Das Feuer vom 17. Juli

Laut einem Sprecher der Kriminalinspektion Eins in Calw wurde das Feuer am 17. Juli in der Carl-Zeiss-Straße 14 in Nagold "durch unbekannte Ursache" im elektrischen Verteilerkasten des Hauses ausgelöst. Auch der zugezogene Brandgutachter konnte (bisher) den eigentlichen Auslöser des Brandes nicht feststellen, da das Feuer alle Hinweise darauf vernichtet habe. Das große Glück war, so die Bewohner, dass der Brand zur Mittagszeit gegen 13.20 Uhr ausbrach – weil er dadurch schnell bemerkt worden sei. Verletzt wurde niemand. Viele Bewohner waren – zum Beispiel auch alle Kinder – gar nicht zuhause. Elisa Mrosek war eine der ersten, die Alarm schlugen. Sie sei mit dem Hund unterwegs gewesen, wollte kurz in den Keller – als die Fahrstuhltür aufging und sie den dichten Rauch bemerkte. "Das war ein Schock", in dem sie im ersten Moment sogar die Notrufnummer der Feuerwehr vergaß. Aber die Einsatzkräfte waren schnell vor Ort, die Bewohner sind nur voll des Lobes für das professionelle und umsichtige Agieren der Wehrleute. Es gab keine Panik, alles lief geordnet "und sicher" (Zitat Jenny Rausch) ab. Lob auch für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Nagold, die nach dem Feuer halfen, die Bewohner der unbewohnbar gewordenen Wohnungen zum Beispiel in Hotels unterzubringen. Und die sich auch danach persönlich erkundigten, wie es ihnen ginge. "Von der Hausverwaltung kam da so gut wie keine Unterstützung; und wenn doch, dann zu spät."

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