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Nagold Methodisten seit 150 Jahren in Nagold

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Im Jahr 1981 bezog die evangelisch-methodistische Gemeinde die "Friedenskirche" in der Freudenstädter Straße. Foto: E-M Gemeinde Foto: Schwarzwälder Bote

Der evangelisch-methodistische Kirchenbezirk Nagold feiert sein 150-jähriges Bestehen mit einem Jazzkonzert und einem Festgottesdienst.

Nagold. Eineinhalb Jahrhunderte nach seinen ersten Anfängen zählt der evangelisch-methodistische Kirchenbezirk Nagold rund 350 Kirchenglieder, -angehörige und -freunde. Betreut werden sie von Pastor Matthias Walter, der von den Ruheständlern Heinz Moritz und Kurt Wegenast unterstützt wird. Walter, erst vor Kurzem als Nachfolger von Jonathan Whitlock nach Nagold versetzt, kann sich zudem auf die Mitarbeit einer ganzen Reihe von Gemeindemitgliedern verlassen. "Wenn hier jemand eine Aufgabe übernimmt, dann läuft das auch", sagt der Pastor. Das habe er anderswo auch anders erlebt.

Ursula Moritz, Frau des ehemaligen Nagolder Pastors Heinz Moritz, schätzt vor allem "das Familiäre" an der evangelisch-methodistischen Gemeinde: "Man kennt sich, und es fällt auf, wenn man jemand länger nicht sieht." In der Landeskirche gehe es da doch anonymer zu. "Letztlich sind es die Menschen, die die Gemeinde ausmachen."

Erich Renz, der mehr als die Hälfte der 150-jährigen Geschichte des Gemeindebezirks miterlebt hat, fühlt sich als Methodist als Teil einer weltweiten Gemeinschaft. Das sei ihm bewusst geworden, als er beruflich längere Zeit in England zu tun hatte: "Ich bin sonntags in einen methodistischen Gottesdienst gegangen, wurde direkt angesprochen und schließlich zum Essen eingeladen."

Bereits an Himmelfahrt sind die Nagolder Methodisten in ihr Jubiläumsjahr gestartet. Zu Fuß, mit Fahrrädern und Autos hatten sich rund 50 Angehörige auf den Weg nach Haiterbach gemacht und dort vor einem ehemaligen Versammlungshaus ihrer Gemeinde einige Lieder gesungen und geschichtliche Stationen des Kirchenbezirks Revue passieren lassen. Im Beihinger Heimatmuseum hatten sie den Tag schließlich ausklingen lassen.

Der Ausflug war als Erinnerung an die Fußwege gedacht, die die Prediger des damals noch jungen Kirchenbezirks auf sich genommen hatten, um die Außenstationen geistlich zu versorgen. In dem heutigen Privathaus in Haiterbach hatte Pfarrer Eberle aus Freudenstadt am 30. Dezember 1868 einen Gottesdienst gehalten, bevor er zu Fuß weiter nach Walddorf eilte, um dort Gleiches zu tun.

Als die evangelisch-methodistische Bewegung den nördlichen Schwarzwald erreichte, hatte sie einen langen Umweg genommen. Vom anglikanischen Pfarrer John Wesley (1703 – 1791) im 18. Jahrhundert in England gegründet, gelangte sie zunächst in die Neue Welt, bevor Amerika-Heimkehrer die neue Art, ihren Glauben zu leben, schließlich nach Süddeutschland brachten. Über Freudenstadt und Herrenberg kam sie schließlich auch nach Nagold. Der Prediger J. Zipper leitete 1868 die erste Versammlung in einem Nagolder Privathaus.

Diese und folgende Veranstaltungen waren gut besucht – nicht zuletzt, weil die Botschaft von der Gewissheit der Sündenvergebung damals neu war. Der Zulauf war so groß, dass Nagold 1876 zum Gemeindebezirk wurde, zu dem auch Haiterbach, Walddorf, Altensteig und Ebhausen gehörten. 1877 erwarb die Gemeinde ein Haus, in dem sie einen Versammlungsraum einrichtete, 1898 weihte sie die "Kapelle" in der Kirchstraße ein – dort, wo heute der Kubus steht. Mehr als acht Jahrzehnte lang war dieses Gebäude Heimat der Nagolder Methodisten und Zentrum des Kirchenbezirks.

Die Gemeinde wuchs und gedieh, und auch wenn beide Weltkriege tiefe Spuren hinterließen, folgte doch jedes Mal eine Phase des Aufschwungs. So notierte der 1919 nach Nagold versetzte Pastor Jakob Elfner: "Meine Erwartungen sind weit übertroffen worden. Überall weht ein guter Geist, und besonders in Nagold ist tiefes, lebendiges geistliches Leben."

In den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts sorgten Evangelisationsveranstaltungen für weitere Impulse. Überlegungen, die Kapelle in der Kirchstraße zu renovieren und zu erweitern führten schließlich zu einem Neubau: Am 18. Oktober 1981 wurde der Grundstein für die "Friedenskirche" in der Freudenstädter Straße nahe dem Keltenhügel gelegt. Spenden und eine Menge Eigenleistung von Gemeindeangehörigen hatten die Finanzierung gesichert. Am 29. August 1982 weihte Bischof Hermann Sticher das großzügig dimensionierte Gemeindezentrum ein.

Die Gemeinde feiert ihr 150-jähriges Bestehen im November. Bischof Harald Rückert hält am Sonntag, 18. November, den Festgottesdienst. Am Vorabend steht ein Jubiläums-Konzert mit der Nagolderin Rieke Katz und der High’n Mighty Big Band auf dem Programm. Und bereits am Sonntag zuvor soll der Gottesdienst dem großflächigen Gemälde von Walter Schimpf gewidmet sein, das der Friedenskirche als Altarwand dient.

Die evangelisch-methodistische Kirche nennt sich evangelisch, weil sie dem Evangelium verpflichtet ist – der Botschaft, dass Gott den Menschen in Jesus Christus ganz nahe gekommen ist. Evangelisch sind alle, die glauben und verkünden, dass Gott die Menschen ohne Vorbedingung annimmt. Zu dieser evangelischen Kirchenfamilie gehört die EmK.

Methodistisch heißt sie, weil sie zur methodistischen Bewegung gehören. Sie wurde durch die Brüder John und Charles Wesley im 18. Jahrhundert angestoßen und hat sich über die ganze Welt ausgebreitet. "Methodisten" war zunächst eher spöttisch gemeint und kennzeichnete den ernsthaften und "durchstrukturierten" Lebenswandel der Gründerbewegung. Inzwischen wurde das Wort zum "Markenzeichen" einer Kirchenfamilie, zu der sich weltweit etwa 50 Millionen Menschen zählen.

Obwohl sie eine eigenständige Kirche ist, zeichnet sich die EmK nicht durch Sonderlehren aus und grenzt sich bewusst nicht von anderen Kirchen ab. Ihr Profil speist sich aus der Erkenntnis Wesleys, dass Liebe das Wesen und der Inhalt des Christentums sei. Die Einladung, Gottes Liebe für sich persönlich anzunehmen, der Versuch, diese Liebe konkret im Alltag zu leben und die Gestaltung einer verbindlichen Gemeinschaft von Christen und Gemeinden gehören zu den prägenden Zügen dieses Profils.

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