Eine bewegende Zeit und eines der Lieblingsbilder des "Ausstellungsmachers" Ulrich Mählert: Rechts demonstrieren sie für den Fortbestand der DDR, links fährt ihnen der Herr mit der Forderung nach Einheit in die Parade. Foto: Zabota Foto: Schwarzwälder Bote

Erinnerung:  Eine  Ausstellung  zu  den   Ereignissen vor 30 Jahren in der Volkshochschule

Es braute sich etwas zusammen im Sommer 1989. Daran erinnert sich Ulrich Mählert gut. Mählert hat als Wissenschaftlicher Referent bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eine Ausstellung konzipiert, die noch bis zum Jahresende in der Volkshochschule Oberes Nagoldtal zu sehen ist.

Nagold. Die Ereignisse des Jahres 1989 waren für viele Menschen in Deutschland ein Wendepunkt, so auch für die Leiterin der Volkshochschule Angela Anding, die aus Jena stammt. "Ich bin froh und glücklich, dass dieses Ereignis eingetreten ist – sonst wäre ich heute gar nicht hier.". Anding begrüßte rund 30 Gäste – zur Vernissage, zum Semesterauftakt der VHS mit dem Schwerpunktthema "30 Jahre Mauerfall", zur bundesweiten Aktion "Lange Nacht der VHS" und schließlich zum Jubiläum "100 Jahre Volkshochschulen in Deutschland".

Am 9. November 1989

9. November 1989: "Ich werde den Tag nie vergessen und ich bin sicher, dass es den meisten von uns ebenso geht", sagte Oberbürgermeister Jürgen Großmann in seinem Grußwort. Darüber hinaus bezeichnete er die Volkshochschulen als bedeutsam für die berufliche Fort- und Weiterbildung in der Region.

Am 9. November 1989, Youtube gab es noch gar nicht, und dennoch ist dort die wohl denkwürdigste Pressekonferenz der deutschen Geschichte zu sehen, in der das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski auf eine Reporterfrage stotternd antwortete, die Reisefreiheit für DDR-Bürger gelte "sofort, unverzüglich". Da brachen alle Dämme, beziehungsweise die Mauer. "DDR öffnet Mauer" vermeldeten daraufhin die westdeutschen Medien.

Medien spielen große Rolle

"Medien haben bei der Wiedervereinigung eine große Rolle gespielt", sagt Ulrich Mählert, der aus Neckarsulm stammt und sich seit mehr als 30 Jahren mit der Geschichte der DDR befasst. Er konnte sich den Seitenhieb nicht verkneifen, dass damals die "Lügenpresse" nicht im Westen angesiedelt war, sondern, dass man im Gegenteil, gerade aus den Westmedien erfuhr, was sich in der DDR tatsächlich abspielte. Insbesondere die brisanten Ereignisse 1989: Die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen, das symbolische Durchschneiden des Eisernen Vorhangs zwischen Österreich und Ungarn, Gorbatschow natürlich und die heimlichen Filmaufnahmen der Demonstrationen in Leipzig, die in den Westen geschmuggelt wurden und die, nachdem sie auch in der DDR zu sehen waren, der gesamten Protestbewegung Kraft verliehen hatten.

Was den Menschen wichtig ist, das war auch 30 Jahre später in Nagold bei der Diskussion zu spüren, ist der friedliche Charakter der gesamten Protestbewegung. Doch auch die Sicherheitskräfte verhielten sich still oder waren einfach nur perplex. DDR-Experte Mählert erinnerte daran, dass der ostdeutsche Staat über vollkommen intakte Strukturen verfügte – Verwaltung, Polizei, Militär – alles da. Gerade hatte man mit großem Pomp "40 Jahre DDR" gefeiert. Vor diesem Hintergrund betonte Mählert, müsse man den Prozess der Selbstdemokratisierung der DDR bis zu den Volkskammerwahlen am 18. März 1990 besonders würdigen.

Erschütterte Zeitzeugin

1989 lebte Margot Metzner in Suhl (Thüringen) und war als Lehrerin an der Offiziershochschule der Grenztruppen tätig. Heute lebt sie in Rottenburg und ist Dozentin an der Volkshochschule in Nagold. Sie trat als Zeitzeugin auf. Man glaubt ihr gerne, wie sie damals erschüttert war, als alles was intakt und festgefügt schien, plötzlich kaputt ging.

Mehr über die Stimmung und das Geschehen von 1989 liefert die Ausstellung. Sie präsentiert auf 20 großen Plakaten in zwei Stockwerken über 100 zeithistorische Fotos und Dokumente. QR-Codes verlinken zu 18 Videointerviews mit Akteurinnen und Akteuren der friedlichen Revolution.

Die Ausstellung zum Thema "30 Jahre Mauerfall" ist zu den üblichen Öffnungszeiten der Volkshochschule Nagold in der Bahnhofstraße 41 zu sehen: Montag, Dienstag, Donnerstag, 9 bis 12.30 Uhr, 14 bis 17.30 Uhr, Mittwoch und Freitag nur vormittags.

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