Foto: Thomas Fritsch

Tor in die Vergangenheit: Ganz Nagold ein Wochenende lang fest in der Hand der Kelten. Mit Video

Nagold - Die Blüte der Keltenzeit liegt zwar 2500 Jahre zurück, aber alle zwei Jahre steht die Kultur dieser antiken Volksgruppe in Nagold wieder auf: Keltenfest – das ist lebendige Geschichte und Riesengaudi zugleich.

Um 12.30 Uhr, mit germanischer Pünktlichkeit setzt unter Trommelwirbeln und von männlichen Urlauten begleitet am Rathaus ein bunter Zug jener Clans in Bewegung, die in den kommenden beiden Tagen sich bei den "Highland Games" messen werden. Anja Bulmer, neben Dorothee Must Urgestein im Organisationsteam, das heuer vom neuen Sachgebietsleiter Kultur Philipp Baudouin, Julia Zeiler und Maren Häußler angeführt wird, treibt die Kämpfer im traditionellen Karogewand an, seufzend: "Bis man die im Griff hat."

Jenseits der Nagold stehen derweil Bürgermeister Hagen Breitling und Brauereichef Eberhard Haizmann schon mit dem Bierfass bereit, mit dessen Anstich das Keltenfest eröffnet werden soll.

Und so ziehen die rund 200 Aktiven der acht Clans ein in den Stadtpark Kleb wie in eine Arena – mitten durch ein hölzernes Tor, das den Zutritt in eine andere, längst vergangene Welt gewährt, als Männer ihrer überbordenden Kräfte noch mit Urschreien ein Ventil geben durften.

Hagen Breitling schwingt schon mal den Hammer: "Der Häuptling muss halt immer erst noch reden." Der Schultes schaut zum Himmel, ignoriert die dräuenden dunklen Wolken, die erst in der folgenden Nacht ihre nasse Fracht über dem Festgelände abladen werden, und konstatiert "hervorragendes Keltenwetter"

Nagold, sagt Breitling, sei stolz auf seine Vergangenheit: "Und die Gruppen zeigen, dass sie den Stolz leben und erlebbar machen." Und wenn schon kein kühlendes Nass in der Sommerhitze von oben kommen sollte, sorgt der Bürgermeister selbst für eine kräftige Dusche – allerdings mit Gerstensaft.

Zwei Schläge auf den Zapfen – und das Missgeschick nimmt seinen Lauf: Der magische Trunk, der den Clans vorab zur Stärkung gereicht werden sollte, spritzt in einer Fontäne über den Platz. Das Volk johlt vor Vergnügen. Aber irgendwie bekommt Breitling das Spundloch doch noch verschlossen und setzt die Maßkrüge an: "So muss das aussehen!"

Für den Familienclan Hartmann/Golz aus Freudenstadt geht es bei den nunmehr beginnenden Highland Games um nichts anderes als um die Titelverteidigung. Die Lokalmatadoren, allen voran die drei Clans, die schon seit dem ersten Keltenfest vor 14 Jahren dabei sind – die Solarmannen aus Mindersbach, die Gewichtheber des VfL und die am stärksten vertretene Alte Seminarturnhalle – versuchen’s zu verhindern. Neben den Kampfhähnen vom OHG tritt auch wieder das Youz Workcamp an. Die Narrenzunft Wart mischt erneut als "Teufels Bruat" mit, erstmals dabei sind die Black Forest Foxes aus Freudenstadt.

Von allen Aktiven wird an den kommenden zwei Tagen nicht nur Muskelkraft, sondern auch Geschicklichkeit verlangt. Vor allem beim "Battle on the Water", der Jahr für Jahr spektakulären Wasserschlacht, bei der die Clans auf der Nagold mit Stocherkähnen aufeinander zusteuern, während zwei Frontmänner versuchen, den Gegner ins Wasser zu bugsieren. Der Clan der Seminarturnhalle obsiegt nicht nur in diesem Finale, sondern liegt nach dem ersten Turniertag gleichauf mit den Solarmannen. Der Sonntag muss die Entscheidung bringen.

Schon am Samstag kamen mehr als 3000 zahlende Besucher in den Stadtpark, bilanziert ein zufriedener Organisationschef Baudouin. Am Sonntag rechnet er sogar mit noch mehr Keltenfans. Die Gäste schätzen dabei auch das historische und kulturelle Rahmenprogramm, das von lebendiger Darstellung der Geschichte am Fuße des Krautbühls, Nagolds ältestem Denkmal, bis zum Rock- und Folk-Konzert reicht.

Und schließlich macht am Nachmittag auch noch eine gute Nachricht die Runde: Das abendliche Konzert des Kammerorchesters, das dieses Fest traditionell beschließt und bei den letzten drei Veranstaltungen wegen wetterlicher Unbilden ins Trockene verlegt werden musste, kann endlich mal wieder auf der Hohennagold stattfinden.

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