Rolf Hinderer wird am ersten Weinachtsfeiertag 90 Jahre alt. Foto: Jänsch Foto: Schwarzwälder Bote

Persönlichkeit: Nagolder Unternehmer und Förderer Rolf Hinderer wird 90 Jahre alt

Lange Zeit war der Nagolder Unternehmer und Förderer Rolf Hinderer in der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend. Doch zu seinem runden Geburtstag wagt er sich nun aus der Deckung – wenn auch nur zaghaft.

 

Nagold. "Ich habe alles abgelehnt, wollte mein Leben leben, mitwirken, und mich einbringen – aber im Stillen." Zu seinem Jubiläum habe Rolf Hinderer nun so viele Anfragen bekommen, dass er sich dazu entschlossen hat, ein einziges Interview zu geben. "Damit hat es sich dann aber auch wieder", stellt der Unternehmer lächelnd klar. Am ersten Weihnachtstag wird der gebürtige Pforzheimer 90 Jahre alt.

Rolf Hinderers Kindheit und Jugend waren geprägt vom Krieg. Sein Vater, ein Reserveoffizier, wurde direkt mit Kriegsbeginn einberufen. Weil seine Mutter den kleinen Familienbetrieb weiterführen musste, sei Hinderer als Kind und Jugendlicher daher "weitgehend auf sich alleine gestellt" gewesen. "Ich habe das ausgekostet bis zum Letzten, war ein kleiner Rabauke", erinnert er sich gerne zurück. Doch kurz vor Ende des Krieges endete die Unbekümmertheit – Hinderer wurde als 16-Jähriger ebenfalls zum Militär eingezogen und musste wenig später den schmerzhaften Tod seiner Mutter verkraften, die beim Luftangriff auf Pforzheim ums Leben kam.

"Ich kenne die Armut und empfinde eine soziale Verpflichtung"

Und dennoch empfindet der 89-Jährige heute, wenn er auf sein Leben und Wirken zurückblickt, eine "unglaubliche Dankbarkeit". "Das Leben hat mir nichts geschenkt – aber es hat mir viel gegeben," resümiert er aus heutiger Sicht. Aus dem kleinen Rabauken von damals ist ein reflektierter, aufmerksamer Mann mit Weitsicht geworden: "Ich habe eine tolle Familie und habe uns trotz schwierigster Startbedingungen etwas aufbauen können." Und das obwohl das bisschen Startkapital, das ihm seine Eltern mit auf den Weg gegeben hatten, nach der Währungsunion 1948 fast nichts mehr wert war.

Dennoch hat er sich durchgebissen, hat nach Kriegsende Notabitur gemacht und in Calw eine Mechaniker-Lehre begonnen, wo er sich mit Hermann Hesse einen Schraubstock teilte. Hesse allerdings warf nach einem Jahr die Flinte ins Korn, Hinderer schloss im darauffolgenden Jahr mit Belobigung ab. Kurz darauf zog es den Mechaniker nach Nagold, wo er 1954 seine erste Firma gründete. Die Rolf Hinderer GmbH, die Spezialhosen herstellte, war in den folgenden Jahren so erfolgreich, dass Hinderer bis zum Jahr 1980 noch drei weitere Firmen in der Modebranche gründete. 1979 allerdings entschied sich der Unternehmer dazu, seine bis dahin hoch rentierliche Hosenfabrik zu verkaufen. "Meine beiden Söhne wollten die Firma nicht übernehmen. Zudem habe ich für die Branche in Deutschland keine Zukunft mehr gesehen – wir haben schon damals in günstigeren Ländern produzieren lassen." Anschließend wechselte der findige Geschäftsmann in die Immobilienbranche, wo er bis heute, gemeinsam mit einem seiner beiden Söhne, die Geschicke seiner Immobilienfirma leitet. Auf die Frage, warum er sich das noch immer antut, antwortet Hinderer bescheiden: "Ich kenne die Armut, bin begeisterter Unternehmer und empfinde eine soziale Verpflichtung." Wie selbstverständlich fährt der 89-Jährige daher jeden Morgen mit seinem Smart ins Büro. "Es macht mir Spaß mit der kleinen Kiste zu fahren – damit komme ich in jede Parklücke", freut sich der Jubilar.

Man könnte meinen, der Nagolder habe vor lauter Geschäftigkeit kaum noch Zeit für andere Dinge gehabt, doch das täuscht: Hinderer ist Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied des Tennisclubs Nagold, Gründungsmitglied der Rotary Clubs in Freudenstadt, sowie Nagold-Herrenberg und Gründungsmitglied der Urschelstiftung. 1994 hat er der Musikschule Nagold, deren Förderer er bis heute ist, das Musikschulgebäude geschenkt. "Ich habe in Nagold eine Heimat gefunden, nach dem Krieg. Daher habe ich den Wunsch gehabt, dieser Stadt, die ich über alles liebe und verehre, eine größere Zuwendung zu machen", erklärt Hinderer.

Auch jetzt nimmt sich der Geschäftsmann zwischen seinen Terminen noch Zeit für seine Interessen: er spielt regelmäßig Golf, liest, und verfolgt das Tagesgeschehen in aller Welt. Die Feiertage über seinen 90. Geburtstag wird Hinderer mit der gesamten Familie auf einer Hütte in den Kitzbüheler Alpen verbringen.

Zu diesem Anlass wünscht sich der Nagolder Jubilar, dass die "Menschheit zur Vernunft kommt" und die Welt ein friedlicherer Ort wird: "Und ich wünsche mir, dass ich die restliche Zeit, die mir noch vergönnt ist, bei bestmöglicher Gesundheit verbringen kann."