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Finanzierung für zweite Kraft in der Vorbereitungsklasse ist nicht gesichert. Verhaltensauffälligkeiten durch Traumatas.

Nagold - Der Plan: Pressetermin mit dem Landtagsabgeordneten Thomas Blenke in der Vorbereitungsklasse für Kinder ohne Deutschkenntnisse an der Nagolder Lembergschule. Blenke musste zwar kurzfristig absagen, schickte jedoch Klaus Mack als Stellverterter.

Dass der kurzfristig verhinderte CDU-Poltiker Blenke seinen Stellvertreter als Landtagskandidat schickte, und den Termin nicht einfach hat ausfallen lassen, liegt vor allem an der Dringlichkeit des Themas. Der Lembergschule drückt ein wenig der Schuh. Und sie erhofft sich Hilfe von der Landespolitik. Denn diese "Vorbereitungsklasse für Kinder ohne Deutschkenntnisse" ist eigentlich ein Erfolgsmodell – nicht nur aktuell für die besonderen Herausforderungen durch die Flüchtlingskinder, wie Schulleiterin Irene Kolodey erläutert. Schon bei der Integration der Gastarbeiterkinder der ersten Generation und später bei den Spätaussiedlern habe man gute Erfolge mit der Idee feiern können, Kinder durch gezielte Sprachförderung auf den späteren Alltag im normalen Klassenverband vorzubereiten. "Aber was wir jetzt erleben, ist in der Dimension etwas ganz Neues." Eine Multiplikation der Herausforderungen.

"Was wir jetzt er leben, ist in der Dimen­sion etwas ganz Neues."

Geleistet wird diese Arbeit vor allem von Gudrun Luz, die als Lehrkraft dafür gut 15 Wochenstunden aus dem normalen Lehrkräftekontingent der Lembergschule nutzen kann. Ihr zur Seite steht Jasmin Braun als gelernte Erzieherin, deren zusätzliche Stunden für dieses Angebot aktuell von einem "Joint-Venture" aus Diakonie (mit Geldern aus einem besonderen Programm der Landesbank), dem Lions-Club Hirsau, dem Verein "Groß hilft Klein" und der Urschel-Stiftung finanziert werden. Und genau da liegt die "relative Ungewissheit" dieses Angebots: denn im Moment ist die Stelle von Jasmin Braun nur befristet bis zum 31. Juli 2016 sicher finanziert. Wie es danach weitergeht, ist derzeit offen. Und auch Blenke-Vertreter Klaus Mack musste eingestehen, dass die Arbeit, die Jasmin Braun in der pädagogischen Erstbetreuung der neu ankommenden Kinder in Nagold übernimmt, eigentlich eine "hoheitliche Aufgabe" der öffentlichen Hand sein müsste.

Denn was Jasmin Braun und Gudrun Luz da jeden Tag leisten, ist knallharte Basis-Arbeit: Manchmal fehlten den Kindern die grundsätzlichsten sozialen Kompetenzen, die hiesige Kinder zum Beispiel aus den Erfahrungen im Kindergarten mit an die Grundschulen brächten. Manchmal, wie ganz aktuell bei vier kleinen Mädchen, die diese Woche aus Afghanistan in Nagold eingetroffen seien, herrschten keine Vorkenntnisse für das lateinische Alphabet.

Die erste Annäherung und Verständigung funktionierten "mit Händen und Füssen"; machmal sei auch ein Dolmetscher verfügbar. Aber es gebe die "herausragenden Beispiele", so Schulleiterin Kolodey, dass Kinder aus komplett fremden Kulturkreisen in nur drei bis sechs Monaten Dank der Betreuung in der Vorbereitungsklasse soweit in ihre Fähigkeiten aufholten, dass sie in eine normale Klasse aufgenommen werden könnten. "Jedes Mal eine wirklich enorme Leistung", wie Kolodey lobt.

Kinder kommen nach circa sechs Monaten in normale Klasse

Ein ganz eigenes Thema sei jetzt bei den neu ankommenden Flüchtlingen die gelegentlich sichtbaren Traumatas der Kinder, die sich etwa in Verhaltensauffälligkeiten zeigten.

Um mit diesen im Alltag umgehen zu können, habe es sich bewährt, dass die Kinder der Vorbereitungsklasse stets von mindestens zwei Lehr- beziehungsweise Betreuungskräften gleichzeitig beaufsichtigt würden. Um in Fällen von Konflikten zwischen den Schülern diese "betreut voneinander trennen" zu können.