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Nagold Kitas in Stadt sind rappelvoll

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Im Kindergarten Mittlerer Steinberg werden für ganz Nagold in den Sommerferien wieder Betreuungsplätze angeboten. Foto: Fritsch

Nagold - Öffentliche Sitzung des Kultur-, Umwelt- und Sozialausschusses (Kusa) des Nagolder Gemeinderats – einziger Tagesordnungspunkt: der "Situationsbericht der Kindertageseinrichtungen 2019". Platz für eine Diskussion über kostenlose Kita-Plätze? "Heute nicht", so der OB.

Wobei Stadtoberhaupt Jürgen Großmann aus seiner eigenen Position zum Thema keinen großen Hehl macht: Verschenkte Kita-Plätze wären für ihn "ein fatales Signal" – weil die Kosten für die Stadt im Bildungs- und Betreuungsbereich in den nächsten Jahren an vielen Stellen davon galoppieren würden, und man dann über jeden zusätzlichen Euro auf Einnahmeseite mehr als glücklich sein würde. Zeit für Geschenke sei daher nicht.

Zuvor hatte Birgit Maier als Sachgebietsleiterin Kindertagesstätten der Stadt Nagold in ihrem Rechenschaftsbericht unter anderem genau diese Kostenseite einmal näher beleuchtet. Mit 9,724 Millionen Euro Gesamtkosten für die Kinderbetreuung in Nagold rechnet die Stadt im laufenden Jahr; Anteil Personalkosten: 5,126 Millionen Euro. Davon hat die Stadt einen Kostenanteil von 6,344 Millionen Euro allein aus ihren Einnahmen zu stemmen – mit klarer Tendenz nach oben (gerade nach den jüngsten Tarifabschlüssen für den öffentlichen Dienst). Zum Vergleich: Im Jahr 2015 lag der Kostenanteil der Stadt noch bei "nur" 4,279 Millionen Euro, seitdem hat er also um fast 50 Prozent zugelegt.

Decken kann die Stadt die Betreuungskosten bisher ausschließlich aus drei Quellen – Beispiel Betreuung der U3-Kinder ("unter drei Jahren"): Neben einem Kostenanteil der Stadt, finanziert aus eigenen Steuereinnahmen, von 1,467 Millionen Euro, addieren sich 1,037 Millionen aus dem kommunalen Finanzausgleich dazu sowie knapp über 238 000 Euro aus den Elterngebühren. Bei den Ü3-Kindern liegt dieser Elternanteil bei den Betreuungskosten bei knapp 368 000 Euro, allerdings sind hier auch die Gesamtkosten mit über sechs Millionen Euro erheblich höher als bei den U3-Kindern.

Was deutlich wurde aus dem Bericht von Birgit Maier: Fast alle Ü3-Kitas in Aufsicht der Stadt arbeiten am absolut oberen Rand ihrer Kapazitätsgrenzen, allein in Schietingen und Mindersbach gäbe es noch wirklich freie Plätze – weshalb OB Großmann, so seine Antwort auf eine entsprechende Nachfrage aus den Reihen der Räte, "die nötige Flexibilität der Eltern" erwarte, ihre Kinder gegebenenfalls auch in andere Ortsteile zu bringen, wenn die eigene Kita im Quartier bereits voll besetzt ist. Bei den U3-Kindern ist die Situation etwas entspannter – hier sind die Einrichtungen in der Kernstadt zwar ebenfalls vollbelegt, aber – bis auf Hochdorf – sind Kita-Plätze in den Ortsteilen noch ausreichend vorhanden.

Allerdings: "Insgesamt steigen die Geburtenzahlen bei uns stark an", so Maier weiter – und das "macht mir Sorgen!" Wobei OB Großmann diesem Hinweis sofort soufflierend beisprang, weil eben dieser Babyboom aus Sicht der Stadt "Freude, Freude und noch mal Freude" mache – aber dann "irgendwann auch Arbeit", die man leisten werde. Denn: "Diese Entwicklung, die wir jetzt haben, die wollen wir!" Was aber bedeutet: Die Kosten werden für die Kinderbetreuung weiter steigen, die Zahl der Kita-Plätze muss ausgebaut werden. Und auch die Anstrengungen, weiter ausreichend und gut qualifiziertes Personal zu finden, müssen intensiviert werden.

Wobei sich andeutet, dass man eventuell trotz des bereits angelaufenen Kita-Neubaus im Riedbrunnen bereits vor dessen Fertigstellung (geplant zum Kita-Jahr 2020/21) weitere Plätze brauchen könnte – und dafür dann improvisieren muss. Einen solchen "Plan B für schnelle Lösungen" gebe es, so Großmann. Wobei man dazu aber noch nichts "Konkretes" seitens der Stadt sagen möchte, um hier "nichts zu zerreden". Aber "wenn wir durch die Decke schießen" bei der Nachfrage von Kita-Plätzen – immerhin gibt es für die Eltern einen Rechtsanspruch darauf – könne die Stadt "sehr kurzfristig" reagieren. Gleiches deutete Großmann auch für den "kurzfristigen Bedarf" beim Personal an: Man sei dabei, Kollegen "aus anderen Bereichen" der städtischen Beschäftigung durch Umschulung für den Einsatz in Kitas auszubilden. "Menetekel" sei hier das negative Vorbild Herrenberg, wo städtische Kitas bereits ihre Angebotszeiten massiv einschränken mussten, weil nicht ausreichend Personal vorgehalten werden konnte.

Nicht geklappt habe ein Vorhaben der Stadt, neben der vorhandenen Kita am Oberen Steinberg ein zusätzliches Ü3-Angebot im dortigen Bürgerhaus zu installieren, da dessen Räumlichkeiten doch anderweitig gebraucht würden. "Aber wir haben auch dieses Quartier fest im Visier", gerade wegen der Nähe zum Industriegebiet Wolfsberg mit seinen vielen Arbeitsplätzen. Weshalb die Verwaltung dem Gemeinderat hier demnächst einen Vorschlag zu einer alternativen Umsetzung vorlegen werde. Denn beim Kita-Angebot gelte die grundsätzliche Regel: "Kurze Beine, kurze Wege." Auch wenn sich das im Moment noch nicht in allen Stadtteilen so realisieren lasse.

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