Kleinkunst: Hämmerle alias Bernd Kohlhepp als Lichtgestalt des schwäbischen Kabaretts in der Alten Seminarturnhalle
Von Sabine Stadler
Der König aus Bempflingen, in Gestalt von Hämmerle, ließ den König des Rock 'n' Roll in der Alten Seminarturnhalle auferstehen. Der schwäbische Elvis rockte mit Coverversionen und Fedora-Hut in schönstem Dialekt die Bühne.
Nagold. Wenn das schwäbische Allroundtalent mit Rock 'n' Roll im Blut, Bernd Kohlhepp, gemeinsam mit seinem Begleiter Hämmerle unterwegs ist, droht meist ein Großangriff auf sämtliche Lachmuskeln.
Aber nicht nur das alleine macht die Lichtgestalt des schwäbischen Kabaretts so liebenswert. Er singt und tanzt sich binnen Minuten in die Herzen der Zuschauer mit erstaunlichen musikalischen Gesangseinlagen und Wortkaskaden in feinstem schwäbischen Dialekt.
Die mehr als 150 Gäste in der Alten Seminarturnhalle erlebten im Wechsel einen in farbiger Glanzweste gewandeten und mit Hut ausgestatteten Bempflinger Hämmerle, der seinem Begleiter Kohlhepp zu keiner Zeit den Rang streitig machte und bei den schwäbischen Coverversionen von uralten und unvergesslichen Elvis-Songs den Rock’n Roll in völlig neuem Glanz zeigte.
Aber nicht das alleine macht den sympathischen Comedy-Star aus: eine seiner großen Leidenschaften sind die Dialoge mit den Zuschauern, vor allem mit denen in der ersten Reihe, in deren Leben etwas schief gelaufen sein muss, sonst säßen sie nicht dort, so seine Auffassung. Und egal ob Margret, Helmut, oder Heike, sie alle waren Spielfiguren rund um Hämmerle und Kohlhepp und mussten einiges an keinesfalls bösartigen Seitenhieben einstecken, die das restliche Publikum begeisterten und zu Lachsalven herausforderten.
Er plauderte mit theatralischen Gesten und oft schmachtendem Blick zu genialer Mimik munter drauf los. Seine bekannten Figuren, wie Frau Kannengießer mit ihrem Hund oder Frau Schwerdtfeger, von der alle nur Rostbraten wollen, durften natürlich nicht fehlen, ebenso wie die betrunkenen Manne und Hotte, von denen nur einer zu sehen war.
In der mehr als zweistündigen Show, in der Kohlhepp voller Energie ständig in andere Rollen schlüpfte und am Ende keiner mehr so recht wusste, wer jetzt eigentlich wen spielte, wurde aus dem Elvis Presley Song "Always on my mind" ein "Gesagt und net gemoint" oder aber "In the Ghetto" verwandelte sich in das schwäbische "Nix im Lotto".
Seine Tanzkünste im Rock 'n' Roll gemeinsam mit einem Bügelbrett, das er wie einen Derwisch um seinen Körper kreisen ließ, wurden ebenso beklatscht wie eine Twisteinlage auf das Lied "Teddybär – wo isch er?". Passend zu dieser Szene verschenkte er an eine Zuschauerin ein zu einem Teddybär geknotetes, kariertes Geschirrhandtuch. Selbst das Handyklingeln einer Zuschauerin aus der ersten Reihe brachte den wortgewaltigen Schwaben nicht aus dem Konzept. Mit Situationskomik und Improvisationskunst verwandelte er die Situation in einen Teil der Show.
Zwischendurch verirrte er sich im goldenen Glitzeranzug, Hut und Sonnenbrille sowie einem getanzten Moonwalk in die Welt von Michael Jackson, um später in einem eigens von Frau Schwerdtfeger genähten Elvis-Kostüm aufzutauchen, für das ein Zirkuspferd vorm Schlachter gerettet werden musste.
Ein Lied für die Mitspieler aus der ersten Reihe
Kohlhepp sang am Ende seines Auftritts ein Lied, in dem alle ihm namentlich bekannten "Mitspieler" aus der ersten Reihe auftauchten und verschenkte zum Dank an sein größtes Opfer unter den Zuschauern sein Buch "Die schwäbische Weltgeschichte" an Helmut.
Er kam gänzlich ohne Weltpolitik und soziale Probleme und auch in Elvis-Manier ohne Zugabe durch die Show. Das Seminarturnhallen-Publikum war völlig begeistert, applaudierte langanhaltend und verließ erst nachdem Kohlhepp mit dem "Zu Ende" übersetzten Song "Surrender" deutlich gemacht hatte, dass jetzt wirklich Show-Ende ist, mit lächelnden Minen den Saal.