Flaschen, Gläser, Dosen, Zigarettenkippen: Vermüllung und Vandalismus gehören auch zu den Folgen von Alkoholkonsum. Foto: Fritsch

Missbrauch von Alkohol Thema in der Stadtpolitik. Gemeinderat Nagold will einen runden Tisch gründen. 

Nagold - Am Anfang steht der Ratsbeschluss: Nagold steigt aktiv in die lokale Alkoholpolitik ein. Einstimmig fällte der Gemeinderat diese Grundsatzentscheidung. Wegsehen ist nicht mehr.

Und so gibt es bald also noch einen runden Tisch in der Stadt. Der lokalen Alkoholpolitik soll er sich annehmen. Die Federführung liegt bei der Stadt. Eine Vielzahl von Akteuren sollen mit am runden Tisch sitzen. Wer genau? Darüber will man sich nun nach dem Ratsbeschluss Gedanken machen.

Klar ist aber auch: Der runde Tisch zur lokalen Alkoholpolitik soll mehr sein als ein Debattierclub. Konkrete Maßnahmen will man anstoßen und verfolgen. Und: Der runde Tisch zur Alkoholpolitik ist ein langfristig angedachtes Projekt. Dabei hat Nagold das Glück, bereits mit einem andren runden Tisch sehr gute Erfahrungen gesammelt zu haben. Im Gemeinderat stellte Bürgeramtsleiter Norbert Kiefer die Arbeit des runden Tischs zur Gewaltprävention vor. Zur Erinnerung: 2006 hat sich die Runde gegründet, um Gewalteskalationen unter jungen Menschen, vor allem bei größeren Festen, entgegenzuwirken. Durchaus mit Erfolg: Dass sich viele Veranstalter mittlerweile an die selbst auferlegten Regeln halten, hat für eine deutliche Entspannung gesorgt.

Klar ist auch: Bei den beiden Themen Gewalt und Alkohol ist die Schnittmenge der gemeinsamen Interessen und der Akteure groß. Rund um den bestehenden runden Tisch will man nun auch eine Aktionsgruppe zur Alkoholproblematik aufbauen – um ein paar weitere Akteure bereichert, wie zum Beispiel das Nagolder Stadtmarketing und im Optimalfall auch Nagolds Wirte, beziehungsweise der City-Verein.

Hans-Peter Teufel gehört zu den Aktivposten rund um solche Themen in der Stadt. Der Leiter des Nagolder Polizeireviers verdeutlichte in der Ratssitzung das Anliegen: "Wir wenden uns bei der lokalen Alkoholpolitik gegen das Übersehen, die Tabuisierung, die Verharmlosung und den Missbrauch von Alkohol." Teufel verwies auf den engen Zusammenhang von Straftaten und Alkoholkonsum: Bei den aufgeklärten Fällen der Gewaltkriminalität werden etwa 40 Prozent der Taten unter Alkoholeinfluss begangen. Bei Ordnungsstörungen wie zum Beispiel auch Vandalismus liegt der Anteil bei 50 Prozent, bei Gewalt im sozialen Nahbereich, also zum Beispiel innerhalb der Familie, sogar noch höher. Teufel war es dennoch wichtig zu erklären: "Nagold ist natürlich kein Brennpunkt und benötigt keine Alkoholverbotszone, aber wir müssen erkennen, benennen und uns vornehmen, die Situation bei Veranstaltungen, bei Festen und allgemein im öffentlichen Raum zu verbessern."

Unterstützung bekommt die Stadt Nagold in ihrem Vorhaben unter anderem vom Landesverband für Prävention und Rehabilitation. Dessen Vertreterin Sabine Lang erläuterte Sinn und Zweck der lokalen Alkoholpolitik. Unter anderem gehe es darum, eine lokale Strategie zu entwickeln. Die verschiedenen Ebenen gelte es zu verknüpfen. Den Einstieg in die lokale Alkoholpolitik bezeichnete Sabine Lang auch als "ein Statement der Gemeinde". Eine Vielzahl von Akteuren gehörten mit ins Boot genommen – darunter auch Schulen, Betriebe und Vereine.

"Ganz klar, wir sind dabei." Unterstützung sagte dem runden Tisch auch der Nagolder Jugendgemeinderat zu. Dessen erster Vorsitzender Lukas Grzib machte allerdings deutlich, dass die Thematik nicht nur Jugendliche betreffe. "Das betrifft natürlich jeden." Am Beispiel vom OHG, wo man sich entschlossen habe bei allen Veranstaltungen keinen Alkohol mehr auszuschenken, also zum Beispiel auch beim Schulball, verdeutlichte er: "Für Schüler ist das dann vielleicht nicht mehr so attraktiv. Doch man übernimmt damit Verantwortung und zeigt das auch in der Öffentlichkeit." Man gebe das Signal: "Hier weht jetzt ein anderer Wind."