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Nagold Jugendarbeit vor kompletter Neuausrichtung

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Der Youz-Vorstand hat auch weiterhin viel zu tun. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder Bote

Die Jugendarbeit in Nagold verändert sich – steht an der Schwelle gar zu einer ganz neuen Ära. "Zumindest muss etwas passieren" – aus zwei Gründen: der Trägerverein der hiesigen Jugendarbeit, der Youz Nagold, arbeitet defizitär; und der Bedarf an Schülerbetreuung explodiert.

Nagold. Womit die Jahreshauptversammlung des Youz Nagold insgesamt einen Verlauf nahm, der für die Beteiligten so vorab wohl nicht abzusehen war. Turnusgemäß nahmen Vorsitzende Andrea Mörk und Geschäftsführer Gerd Hufschmidt anstelle eigener Rechenschaftsberichte die Tätigkeitsberichte der Verantwortlichen von Kinderkiste, Schulsozialarbeit, Bürgerhaus Oberer Steinberg, des Jugendhauses und der Integrationsprojekte entgegen; auch die Schülerbetreuung an den drei vom Youz betreuten Schulen (OHG, Zeller- und Burgschule) wurde aus der Perspektive der jeweiligen Schulleiter den Vereinsmitgliedern und Gästen vorgestellt.

Doch aus allen Redebeiträgen zeichnete sich im Laufe der Sitzung mehr und mehr ab: So zufrieden man mittlerweile mit der Ausgestaltung der Schulsozialarbeit ist, so deutlich werden immer stärker bestehende Defizite in der Schülerbetreuung, und hier vor allem in der Ganztangs-Betreuung (GT), sichtbar. Beispielsweise berichtete Paul Miller, Noch-Rektor der Burgschule, wie schwer es einerseits angesichts des extrem leer gefegten Arbeitsmarktes sei, geeignetes Personal für die Schülerbetreuung außerhalb des Regelunterrichts zu finden.

"Diese Kinder und Jugendlichen brauchen feste Bezugspersonen"

Noch nicht einmal für seine eigene Nachfolge als Rektor der Burgschule habe es auch nur eine Bewerbung gegeben – weshalb es nach seiner anstehenden Verabschiedung in den Ruhestand nur eine kommissarische Schulleitung geben wird. Auch zeichne es sich ab – zumindest für den Bedarf an der Burgschule mit ihren zum Teil "besonderen" Schülern –, dass man für eben diese Schüler "mehr Verlässlichkeit" beim verfügbaren Betreuungspersonal brauche. "Diese Kinder und Jugendlichen brauchen feste Bezugspersonen", kein ständig wechselndes und austauschbares Personal. Millers Schlussfolgerung und Forderung daraus: "Wir brauchen ein übergeordnetes Gesamtkonzept gerade auch für die GT-Betreuungsangebote." Die eine strategische Planung und Ausrichtung der GT gewährleiste. Sowie "die Bereitschaft, mehr Geld in die Hand zu nehmen", um qualifizierten Bewerbern bessere Berufs- und Stellenangebote machen zu können. "Und diese dann auch längerfristig an diese Arbeitsplätze zu binden."

Auch Ulrich Hamann, stellvertretender Schulleiter am OHG, forderte in seinem Statement eine "qualitative Aufwertung" der Schülerbetreuung in Nagold. Zwar gebe es aktuell am OHG "nur 20 Kinder in den Klassenstufen 5 bis 7 in der GT" (bei 450 Kindern insgesamt in diesen Jahrgängen), aber eine erste Umfrage bei den Eltern, die im kommenden Schuljahr ihre Kinder aufs OHG schicken würden, habe allein in diesem Jahr Bedarf an 36 weiteren Plätze gezeigt. "Da müssen wir einmal schauen, wie sich das entwickelt." Auf jeden Fall plädiere aber auch er dafür, ein "klares Betreuungs-Konzept" gerade fürs GT zu entwickeln, das "eine große Professionalität" brauche.

Und auch an der Zellerschule zeichnet sich ein ähnliches Bild, wie deren Rektor Ulrich Schubert erläuterte. Derzeit sei dort die Teilnehmerzahl an der Ganztagesbetreuung "auf 45 Kinder gedeckelt". Allerdings wünschten sich gemäß einer Umfrage zum Beispiel "Dreiviertel der Eltern etwa eine Freitags-Betreuung". Wobei Schubert aber auch davon berichten konnte, dass an seiner Schule eine anonyme Befragung eine sehr hohe Zufriedenheit bei den Eltern mit der Qualität der Schulsozialarbeit und auch der Schülerbetreuung gezeigt habe.

Qualität, die aber, so Andrea Mörk als Vorsitzende des Youz Nagold, mehr und mehr in Gefahr sei. Ursprünglich habe man in der Betreuungsarbeit "ganz klein angefangen", aber zunehmend werde dieser Bereich "immer größer". Insgesamt werde die GT mittlerweile etwa von Eindrittel aller Eltern in Nagold nachgefragt – was eben tatsächlich das ganzheitliche, übergeordnete strategische Konzept für die Schülerbetreuung brauche, "um die weiter dramatisch wachsenden Aufgaben auch in Zukunft stemmen zu können."

Erschwerend dabei, wie Youz-Geschäftsführer Gerd Hufschmidt in seinem Bericht zur Haushaltslage des Youz darstellte, dass die gemeinnützige Jugendarbeit in Nagold im vergangenem Jahr bei einem Gesamtvolumen von rund 700 000 Euro ein Defizit von knapp 23 500 Euro eingefahren habe (das aber durch Rücklagen aus früheren Zeiten gedeckt sei). Auch fürs laufende Jahr rechnet Hufschmidt mit einem Defizit im Haushalt, weshalb auch er für eine komplette Neuplanung der Jugend- und Betreuungsarbeit in Nagold in den kommenden Jahren plädierte, um dabei auch gleichzeitig Einnahmen und Ausgaben wieder in eine gesunde Balance zu bringen.

Nagolds Finanzbürgermeister Hagen Breitling nahm den Ball zwar auf und versprach zumindest "konstruktive Gespräche darüber, wo eine solche Reise zukünftig hingehen könnte". Ob aber, wie in der Sitzung mehrfach offen angedacht, es auch ein "Nagolder Modell" als neuen Weg für die Schülerbetreuung insgesamt geben könnte, da war Breitling eher skeptisch. Tatsächlich hätten viele Kommunen ganz ähnliche Probleme in diesem Bereich, "und niemand – auch das Kultusministerium nicht – hat irgendwelche Ideen", wie eine solche strategische Planung in der Schülerbetreuung aussehen könnte.

"Da sind wir hier in Nagold schon sehr besonders aufgestellt"

Allerdings waren sich Hufschmidt, Mörk und Breitling in einem Nachgespräch zur Hauptversammlung einig, dass Nagold anders als andere Kommunen durch die Organisation der Schülerbetreuung durch einen freien Trägerverein – eben dem Youz Nagold – sehr viel flexibler und auch kreativer und innovativer aufgestellt sei und damit schneller neue Ideen in die Praxis bringen könnte. Und für kommenden Herbst sei auch bereits ein erster großer runder Tisch aller beteiligten Stellen von Stadt, Schulen und Youz anberaumt, um Ideen für eine solche mögliche Neuausrichtung der Schüler- und Jugendarbeit zu sammeln.

Turnusgemäß standen auch Neuwahlen auf der Tagesordnung der Hauptversammlung des Youz Nagold: Einstimmig in ihrem Amt bestätigt wurden Andrea Mörk als Vorsitzende sowie Katja Grzib, Max Weik (in Abwesenheit), Daniel Rauser und Slobodan Petkovic als Beisitzer. Als neue Beisitzer wurden ebenfalls einstimmig gewählt: Uwe Teumer und Andre Wehrstein.

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