"Getragen von einer größeren Kraft": Eisenhart von Loeper. Foto: sb

Treppengegner Eisenhart von Loeper will zündenden Funken nach Stuttgart weitergeben.

Nagold - Schlichter Heiner Geißler meinte mit Blick auf Stuttgart 21, dass da rechtlich nichts mehr drin sei. Eisenhart von Loeper, der die Nagolder Treppenpläne mit seiner von ihm initiierten Bürgerinitiative zu Fall brachte, ist da ganz anderer Meinung: "Da ist viel drin." Jetzt will er den zündenden Funken nach Stuttgart weiter geben.

Wenn es in der Landeshauptstadt demnächst zu einem Bürgerentscheid kommen sollte, dann hat der Nagolder Rechtsanwalt und Vertrauensmann der Treppengegner wesentlichen Anteil daran. Kaum war die Schlacht um das Nagolder Reizthema geschlagen, die mit einem fulminanten Sieg der Treppengegner beim Bürgerentscheid endete, rief ein BUND-Landesfunktionär bei dem 69-Jährigen an, um zu gratulieren: "Ich bin ganz neidisch auf Nagold." Worauf von Loeper meinte: "Sprechen wir darüber, ob das nicht auch in Stuttgart geht."

Wenige Tage später saß der Nagolder Anwalt, der in Stuttgart aufgewachsen ist, im Kreise einer Gruppe, die sich "Juristen zu Stuttgart 21" nennt und sich als neutrale Instanz versteht.

Schon im Jahr 2007 hatten S 21-Gegner eine Unterschriftensammlung initiiert, um das Milliardenprojekt zu stoppen. Das Verwaltungsgericht indes sagte Nein zum geforderten Bürgerentscheid. Die S 21-Gegner waren diesbezüglich konsterniert – bis Eisenhart von Loeper kam, der auf seine "tolle Erfahrung in Nagold" und auf die Parallelen beider Fälle hinwies.

Der entscheidende Knackpunkt ist nach seinem Dafürhalten ein Paragraf im Grundgesetz, wonach der Bund die Ausgaben tragen muss, die die Länder in seinem Auftrag ausführen. Dieser Verfassungsparagraf, meint Loeper, der sich auch in seinem Kampf gegen Stuttgart 21 "von einer größeren Kraft getragen" fühlt, sei das schwerste Geschütz, um diese harte Nuss S 21 zu knacken.

"Das ist für mich Musik des Herzens"

Der Impuls aus Nagold zeigte Wirkung. Aktivisten der S 21-Gegner sammeln bereits Unterschriften für ein Bürgerbegehren. 20  000 Unterschriften – das ist die Hürde, die man nehmen muss. "Eine Kleinigkeit", meint von Loeper angesichts der tausendköpfigen Demonstrationen in Stuttgart, an denen er bereits mehrfach teilgenommen hat. Im Namen seiner Juristen-Gruppe hat er jüngst auch eine Rede vor 8500 Demonstranten gehalten.

"Das tust du nicht für dich", hat er sich bei seinem Einsatz gegen die Nagolder Treppe stets gesagt: "Das tust du für ein höheres Ganzes." Dieses Gefühl habe er jetzt, bei Stuttgart 21, auch. Die Bürgerbewegung mitzugestalten, ist für ihn gleichsam Verpflichtung: "Das ist für mich Musik des Herzens."

Morgen, bei der Demo, wird er natürlich wieder mit dabei sein. Aber sein Blick schweift schon in die Zukunft. Mit dem Elan aus Nagold will er Stuttgart 21 verhindern helfen, um sich dann Höherem zuzuwenden. Auch auf europäischer Ebene, meint er, sollte das Bürgerbegehren stärker verankert werden und lächelt vielsagend: "Ich werde mich damit etwas genauer beschäftigen."

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