An der Villa gibt es einige Jugendstil-Details zu entdecken. Foto: Heiko Hofmann

Nagolds Stadtwerke sollen in eine Jugendstilvilla umziehen. Von einem „überschaubaren Sanierungsbedarf“ ist die Rede. Dennoch stehen Brutto-Kosten von 3,2 Millionen Euro im Raum.

Der Baubeschluss für das Projekt ist jüngst in der Sitzung des Gemeinderats gefallen. Seit den 1970ern gehört der Stadt Nagold das imposante Gebäude an der Haiterbacher Straße. Erklärter Wille ist nun, dass die Stadtwerke das ehemalige Notariatsgebäude nutzen sollen .

 

Dabei ziehen die Stadtwerke in ein Nagolder kulturhistorisches Schmuckstück. 1910 ist die Villa entstanden – im damals modernen Jugendstil. Und von dem gibt es noch immer viele Details zu entdecken und zu erhalten – sowohl in der Villa als auch von außen.

Doch bevor der Eigenbetrieb sein neues Domizil beziehen kann, steht eine grundlegende Sanierung des denkmalgeschützten städtischen Gebäudes an. Das einstige Notariat wird auf allen Stockwerken zum Betriebsgebäude für die Stadtwerke umgebaut.

Jugendstil-Detail an der Eingangssituation. Foto: Heiko Hofmann

Dabei geht die Konzeption laut Sitzungsunterlage davon aus, möglichst viel von der bestehenden Raumstruktur zu erhalten. Wo möglich, werden bestehende Elemente erhalten und aufgearbeitet– zum Beispiel die Treppe, bei Parkettböden, die historische Verglasung und auch die Holzausstattung im Inneren der Villa.

Zu den Kosten heißt es in dem Konzept: „Die Baukosten werden durch reduzierte Maßnahmen in der Gebäudestruktur, Erhalt von Bausubstanz und einfacher Gebäudetechnik niedrig gehalten.“

Mit „Augenmaß und Rücksicht auf die Denkmaleigenschaft“

An anderer Stelle heißt es in der Sitzungsvorlage, der Sanierungs- und Modernisierungsbedarf sei größtenteils überschaubar. Zwar braucht die Dachkonstruktion mitsamt den Gauben eine Sanierung, doch energetische Maßnahmen würden mit „Augenmaß und Rücksicht auf die Denkmaleigenschaft“ vorgenommen. Auch die Grundrisse sollen für die neue Nutzung nur minimal angepasst werden.

Die Rückansicht der Villa an der Haiterbacher Straße. Foto: Heiko Hofmann

Reduziert, einfach, überschaubar, mit Augenmaß – damit kein falscher Eindruck entsteht: Ein Schnäppchen wird die Sanierung nicht. Von 3,17 Millionen Euro ist in der Baukostenaufstellung der beauftragen Planer „buerohauser“ die Rede (brutto). Darin noch nicht enthalten: „grob“ geschätzte 180 000 Euro für Rückbau- und Abbrucharbeiten.

Erst 2027 kann das einstige Notariat bezogen werden

Nach dem Baubeschluss im Gemeinderat, rechnen die Planer noch in diesem Monat mit der Baugenehmigung, dann folgen die Ausschreibungen, und das erste Paket an Arbeiten könnte schließlich im Mai des nächsten Jahres vergeben werden.

Im Sommer 2026 könnte dann wirklich mit dem Rückbau und dem Ausräumen begonnen werden. Die Sanierungs- und Umbauarbeiten würden sich dann voraussichtlich bis in den März 2027 ziehen.

Das Gebäude

Nagolds Notariat
Folgende Information hat das Planungsbüro „buerohauser“ über die Villa zusammengetragen: Das Gebäude wurde 1910 als Wohnhaus für Sanitätsrat Dr. Fricker im damals modernen Jugendstil erbaut. Dr. med. Wilhelm van Gelder erscheint 1936 als Eigentümer in den Akten. Ab 1976 ist das bisherige Wohnhaus im Eigentum der Stadt Nagold. In der Folge wurde es zum Notariat umgebaut.