Wohnungsbau: Nagold wird das stärkste Bevölkerungswachstum im Nordschwarzwald prognostiziert
Die Einwohnerzahl im Nordschwarzwald wächst – sagt das Prognos-Institut. Am stärksten wird bis 2040 die Einwohnerzahl im "Mittelbereich" Nagold zulegen – also die Stadt Nagold mit ihrem Einzugsgebiet bis Altensteig, Haiterbach oder Wildberg.
Nagold. Laut den Statistikern werde der Mittelbereich Nagold mit 5,7 Prozent (plus 3360 Einwohner auf knapp 93 000) absolut das stärkste Bevölkerungswachstum aller Regionen im Nordschwarzwald erleben. Der Wohnungsbau wird das nicht komplett kompensieren können. Gerade in Nagold selbst, wo sich wiederum das stärkste Wachstum im Umkreis konzentriert. Weil die Umsetzung neuer Wohnbauprojekte beziehungsweise die Erschließung neuer Bauflächen in der Regel zu lange dauert.
Zum Beispiel das avisierte Neubaugebiet "Oberer Steinberg II", als Entwicklungsfläche auch "Stadtfeld" genannt. Eine der großen Reserven Nagolds unter anderem für den künftigen Mehrgeschoss-Wohnungsbau der Stadt. Bisher werden die dafür notwendigen Grundstücke überwiegend landwirtschaftlich genutzt, befinden sich in Privateigentum, zudem bisher im sogenannten "Außenbereich" der Stadt. "Dafür haben wir noch keine unmittelbare Lösung", erläutert Oberbürgermeister Jürgen Großmann im Pressegespräch. "Die höchste Hürde sind die Grundstückseigentümer", die ihre wertvollen Flächen natürlich nicht so ohne weiteres hergeben wollen. Am wahrscheinlichsten sei daher eine "abschnittsweise" Entwicklung des Baugebiets.
."Wir brauchen auch die Aktivierung von Flächenreserven"
Denn irgendwie müsse das Dilemma ja aufgelöst werden: Immer mehr Menschen wollen in Nagold leben – wegen der hohen Lebensqualität, der guten Arbeitsplätze, der einmaligen Infrastruktur sowohl im Handel, als auch im Bereich medizinischer Versorgung. Oder wegen der optimalen Bildungs- und Betreuungslandschaft: Nagold hat zum Beispiel mit knapp 18 Prozent aktuell den höchsten Anteil unter 18-Jähriger im gesamten Nordschwarzwald. Doch die Menschen, Familien, die herkommen wollen, brauchen auch ausreichend Wohnraum. Leerstände müssen dafür aktiviert werden, Baulücken geschlossen, mögliche Geschosshöhen optimal ausgeschöpft werden.
Aber all das wird nicht reichen. "Wir brauchen auch die Aktivierung von Flächenreserven", sagt Ralf Fuhrländer, Leiter des Nagolder Stadtplanungsamtes. Was die Stadt bisher – das war ein Prinzip – immer erst dann begonnen hat, wenn sie die zu entwickelnden Flächen auch sicher im eigenen Besitz hatte.
"Da haben wir aber unsere Haltung mittlerweile verändert", so OB Großmann. Weil sich eben nicht alle Grundstücksverhandlungen immer im Sinne der Stadt abschließend lassen. Künftig werde man daher "nicht zwingend" nur Grundstücke im städtischen Besitz baureif entwickeln, sondern eben auch solche in Privatbesitz. Wobei Großmann klar macht: "Wir suchen auch da immer kooperative Lösungen mit den Eigentümern." Was man bisher auch "fast immer" geschafft habe. Was impliziert: In einzelnen Fällen wurden und werden Grundstücke von der Stadt auch über die Köpfe der Eigentümer hinweg baureif erschlossen – was für die Eigentümer im Zweifel erhebliche Kostenbelastungen als Beitrag zu den Erschließungskosten bedeuten könnte – allerdings als Gegenleistung für die erhebliche Wertsteigerung ihrer (Bau-)Grundstücke durch die baureife Erschließung.
Stolz ist man im Nagolder Rathaus auf das, was in der Stadt im Wohnungsbau bereits erreicht wurde: zwischen 2011 und 2018 wurden hier 446 neue Wohnungen in Mehrfamilienhäusern fertiggestellt – das ist ein Plus von 10,4 Prozent; einsamer Rekord im gesamten Nordschwarzwald, wo im Schnitt der Wohnungsbestand im genannten Zeitraum nur um 3,3 Prozent zulegte. Eine überdurchschnittliche Entwicklung in Nagold auch bei neu errichteten Einfamilienhäusern – hier waren es zwischen 2011 und 2018 exakt 163 neue Wohnbauten, was einem Plus von 5,6 Prozent entspricht. Vergleichswert Nordschwarzwald: plus fünf Prozent. Trotzdem, so laut OB Großmann eine weitere Erkenntnis aus der Prognos-Studie, sei die Eigentumsquote beim Wohnen in Region und Stadt "zu niedrig".
"Die Aussichten bieten wirklich glänzende Perspektiven"
Weshalb ein Fokus bei der Wohnbauentwicklung in Nagold auch bewusst auf das Angebot von Baugrundstücken für den Bau von Einfamilienhäusern gelegt werde. Avisierte Baugebiete hier sind etwa "Hochdorf Ost II" oder "Vollmaringen Röte III und IV". Diese würden im Auftrag der Stadt von der Kommunalen Entwicklungsgesellschaft baureif erschlossen werden. "Das beginnt jetzt", so der OB. Allerdings gelte aus Sicht der Stadt auch, dass "nicht jede Fläche", die nach den Grundsätzen des städtischen Wohnungsbaus entwicklungsfähig wäre, "auch wirklich bebaut werden sollte", so Planungsamtsleiter Fuhrländer. Denn der Erhalt der hohen Lebensqualität in der Stadt sei ja auch eine der Kernaufgaben der Stadtplanung.
Insgesamt bewerten Fuhrländer und sein Chef, OB Großmann, das Entwicklungs-Potenzial Nagolds aber mehr als positiv: "Die Aussichten bieten wirklich glänzende Perspektiven", zumal mit der im Moment greifbaren Realisation des "Metropolexpress+", mit dem sich "die Entwicklung der Stadt und des gesamten Mittelbereichs noch einmal beschleunigen" werde. Auch wenn das bedeute, dass "auf Sicht die Nachfrage" nach Wohnraum in Nagold noch einmal "größer als das Angebot" sein werde.