Christoph Schwenk (links) und Knut Nestrowitz demonstrieren den Einsatz eines AED. Foto: DRK Foto: Schwarzwälder Bote

Erste Hilfe: Automatische Externe Defibrillatoren (AED) können Leben retten / Die Standorte in Nagold

Bei einem Kreislaufstillstand zählt jede Sekunde. Wenn das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt wird, kann das schon nach wenigen Minuten zu irreparablen Schäden führen. In Nagold gibt es an mehreren Standorten Automatische Externe Defibrillatoren (AED), die in diesen entscheidenden Minuten eingesetzt werden können.

Nagold. Für viele eine Horror-Vorstellung: Man kommt zu einem Unfall hinzu oder findet eine leblose Person. Wie war das noch mal beim Erste-Hilfe-Kurs? Und was hat es mit diesen Defibrillatoren (AED) auf sich?

"Viele wissen nicht, dass es so etwas wie einen AED überhaupt gibt", berichtet Uwe Helber, Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie in Nagold. "Es ist sehr wichtig die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren und die Geräte zugänglich zu machen", meint Helber. Schließlich können die medizinischen Geräte durch gezielte Elektroschocks Leben retten. Außerdem erleichtern sie den Ersthelfern die Arbeit. Denn einmal angeschaltet, können sie sie durch alle weiteren Schritte führen.

Anders als die meisten Menschen, haben Christoph Schwenk und Knut Nestrowitz, beide stellvertretende Vorsitzende des DRK Ortsvereins Nagold/Wildberg, Erfahrung im Einsatz von Defibrillatoren. Der Ortsverein hat neun AED für den Rettungsdienst und etliche Übungsgeräte für die Ausbildung von Ersthelfern.

"Eine Person mit Kreislaufstillstand stirbt, wenn man nichts tut"

"Leider erleben wir es sehr oft, dass wir an einen Einsatzort zu einer Person mit Kreislaufstillstand kommen und sich niemand gerührt hat", berichtet Schwenk. Dabei sei das der schlimmste Fehler, den man machen könne. "Eine Person mit Kreislaufstillstand stirbt, wenn man nichts tut", stellt er klar. Selbst wenn der Rettungsdienst innerhalb von zehn Minuten vor Ort sei, sei es schon zu spät. "Wenn das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt wird, nehmen pro Minute etwa zehn Prozent des Gehirns Schaden." Um das zu verhindern, müssen Ersthelfer so schnell wie möglich mit einer Herzdruckmassage beginnen – bestenfalls in Kombination mit Atemspenden. "Bei der Beatmung von Mund zu Mund oder Mund zu Nase ist der Ekelfaktor oft sehr hoch", weiß Schwenk. Dann solle man versuchen, durch möglichst ununterbrochene Herzdruckmassage den Blutkreislauf aufrecht zu erhalten.

Falls vorhanden kann dann zusätzlich ein AED eingesetzt werden. Dieser kann bei einem Herzstillstand oder bei Kammerflimmern helfen, den Herzrhythmus wieder herzustellen. "Der Einsatz eines AED erhöht die Erfolgschancen einer Wiederbelebung", erklärt Helber. "Durch einen elektrischen Schock kann das Gerät Herzrhythmusstörungen beenden oder einem still stehenden Herzen den Impuls geben, wieder zu schlagen", so Helber. Es gebe natürlich auch hierbei keine 100-prozentige Erfolgsgarantie. Aber je früher der AED zum Einsatz komme, desto besser stehen die Überlebenschancen. Daher sei es wichtig, die Standorte von Defibrillatoren in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, meint Helber.

Als Ersthelfer müsse man außerdem keine Angst davor haben, versehentlich einen unnötigen Stromschock durch den Körper eines Patienten zu jagen, betonen die Experten. Denn: Der AED analysiert den Herzrhythmus und meldet dem Ersthelfer, ob ein Schock notwendig ist. Wenn ja, muss der Helfer den Schock mit einem Knopfdruck auslösen. In der Stadt Nagold gibt es nach Recherchen des Schwarzwälder Boten mindestens 15 Defibrillatoren. Zehn davon befinden sich im Besitz der Stadt und sind in Gemeindehallen und im Rathaus zu finden. Ihre Unterhaltung kostet die Stadt jährlich insgesamt 1000 Euro. Weitere AED gibt es in der Central-Apotheke in der Freudenstädter Straße, in der Hauptstelle der Volksbank in der Haiterbacher Straße, in der Alten Seminarturnhalle, bei der Urschel-Stiftung im Bürgerzentrum und bei den Orthopäden Nagold in der Leonhardstraße.

Im Außenbereich kommt es zu Vandalismus

Fast alle dieser Defibrillatoren sind unbenutzt. Lediglich Wolfgang Schäfer vom Förderverein Alte Seminarturnhalle teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit: "Wir hatten ihn einmal während einer Show mit Lisa Fitz im Einsatz."

Bei der Stadt Nagold ist Georg Russ, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Brandschutzbeauftragter, für die Defibrillatoren zuständig. Laut ihm, ist es nicht ideal, dass die städtischen AED nur zu den Öffnungszeiten des jeweiligen Gebäudes zugänglich sind. "Früher hatten wir das AED außen am Rathaus angebracht. Da kam es aber zu Vandalismus", so Russ. Obwohl man gesetzlich nicht zur Bereitstellung der Geräte verpflichtet ist, sei man daher auf der Suche nach anderen, jederzeit frei zugänglichen, Standorten.

Das DRK empfiehlt, regelmäßig seine Erste Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. In Nagold werden mehrmals im Monat Erste Hilfe-Kurse angeboten. Etwa vom DRK Ortsverein Wildberg/Nagold oder von den Johannitern. Termine sind auf der jeweiligen Homepage, www.nagold.drk.de oder www.johanniter.de/kurse zu finden. Auch die Anmeldung ist über die Homepages möglich.

Bei bewusstlosen Personen besteht immer die Gefahr eines Kreislaufstillstandes. Deshalb muss schnellstmöglich gehandelt werden. Gibt es in der Nähe ein AED, sollte dieser geholt werden. Dann kann der Ersthelfer einfach den Sprachanweisungen des Geräts folgen. Falls nicht, muss durch sanftes Rütteln und Ansprache geprüft werden, ob die Person tatsächlich bewusstlos ist. Ist dies der Fall wird um Hilfe gerufen und überprüft, ob eine normale Atmung vorhanden ist. Wenn nicht, muss ein Notruf an die 112 abgesetzt werden. Dann sollte der Ersthelfer schnellstmöglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Dazu müssen abwechselnd 30 Herzdruckmassagen und zwei Atemspenden in Mund oder Nase erfolgen. Dieser Vorgang wird wiederholt bis der Notarzt eintrifft oder ein AED zur Verfügung steht. Ein AED wird durch Öffnen eines Deckels oder durch Knopfdruck eingeschaltet. Dann beginnt es automatisch mit Sprachanweisungen. In einem weiteren Schritt muss jeweils eine Klebeelektrode unter dem Schlüsselbein im oberen rechten Bereich der Brust und eine unter dem Brustmuskel auf der linken Seite am unteren Ende des Herzens leicht seitlich angebracht werden. Das Gerät analysiert dann den Herzrhythmus. Anschließend sagt es an, ob ein Schock empfohlen ist. Der wird gegebenenfalls per Knopfdruck ausgelöst. Danach wird die Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Atemspende fortgesetzt.