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Nagold Hospizarbeit interessiert in Fernost

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Monika Wehrstein, Vorsitzende der Hospizgruppe Nagold, und der koreanische Schauspieler Wook Jeong, der die Idee hatte, einen Fernsehfilm über die Hospizgruppe zu drehen. Fotos: Zabota Foto: Schwarzwälder Bote

In Nagold sorgt die ambulante Hospizgruppe um Monika Wehrstein seit fast 30 Jahren dafür, dass Menschen in Würde ihre letzte Reise antreten. Davon erfahren nun – dank der Reportage eines Fernsehteams – auch die Menschen in Südkorea.

Nagold. In Deutschland überhaupt sind Hospize schon recht verbreitet. Es gibt über 200 stationäre Hospize und 1500 ambulante Hospizdienste wie die Gruppe in Nagold, die Sterbenden auch zuhause oder im Krankenhaus beisteht. Anders in Südkorea. Das Land in Fernost blickt auf eine rasante Industrialisierung zurück, die die Gesellschaft stark verändert hat. Alte Menschen haben in den Kleinfamilien oft keinen Platz mehr, Plätze in Seniorenheimen sind rar und teuer, Altersarmut, Suizide und Einsamkeit sind an der Tagesordnung.

Einer, der das selbst erlebt hat, ist der 81-jährige Wook Jeong, ein in dem asiatischen Land populärer Schauspieler. Er erkrankte an Krebs, wurde geheilt und hat sich, dem Tode nahe, mit dem Sterben beschäftigt. Sein Entschluss: Etwas zu unternehmen, damit die letzte Reise angenehm wird und die Leute nicht, wie eben in seiner Heimat, in ihren letzten Stunden alleine sind. Nun genießt Deutschland in Korea hohes Ansehen, auch in sozialen Belangen. So hatte Jeong die Idee, herauszufinden, wie in anderen alternden Gesellschaften, wozu ja auch Deutschland zählt, der Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen aussieht.

Journalistin Chisuk Kim spürt die Nagolder Hospizgruppe auf

Wook Jeong ist zudem ein Verehrer von Hermann Hesse und wollte sich, wenn schon in Deutschland, unter anderem das Hermann-Hesse-Museum in Calw ansehen.

Soviel zur Standortwahl. Nun gewann er den Filmproduzenten und Teamleiter Soo-Jin Yang, der wiederum die Journalistin Chisuk Kim mit der Recherche betraute. Kim spricht sehr gut Deutsch und spürte bei ihrer Recherche die Hospizgruppe in Nagold auf, die älteste in Baden-Württemberg.

Die Journalistin trat in Kontakt mit Monika Wehrstein, der Vorsitzenden, die es zunächst gar nicht fassen konnte, dass sich ein Filmteam aus Fernost für die Arbeit der Gruppe interessiert. Also reiste ein fünfköpfiges Team, bestehend aus dem Schauspieler, dem Produzenten, der Journalistin, der Autorin des Drehbuchs und dem Kameramann in den Schwarzwald. Sie wollten dabei sein, wie die ehrenamtlichen 16 Begleiterinnen und zwei Begleiter mit sterbenden Menschen bis zum Tod unterwegs sind.

Drehort war das Seniorenzentrum Martha Maria. Die Leiterin, Elena Schweizer, und die Geschäftsführung in Nürnberg gaben ihre Zustimmung und ebenso die Angehörigen der Frau, die das Hospizteam begleitete. Die Sterbende blieb dennoch anonym, der Kameramann filmte nur so, dass man nicht erkennen konnte, um wen es sich handelt. Was den Zuschauern in erster Linie gezeigt werden soll, ist die Gesprächsatmosphäre und dass jemand da ist, der der Scheidenden die Hand hält.

Eine Vorbereitung auf das Sterben findet schlicht nicht statt

Nach dem Dreh erläuterte Soo-Jin Yang, der Teamleiter, die Lage in Südkorea. Es gebe in dem Land zwei große Probleme: zum einen die enorm steigende Zahl der Rentner, zum anderen die Vorbereitung auf das Sterben, das schlicht nicht stattfindet.

Hospize gibt es nicht. Früher starben die meisten alten Menschen in der Familie, heute im Krankenhaus. "Schön ist das nicht", sagt Yang, ja, er benutzt im auf Englisch geführten Gespräch mit dem Reporter wirklich die Formulierung "schön Sterben" – "Well Dying". Monika Wehrstein bleibt lieber bei ihrer Formulierung "in Würde sterben". Wie auch immer – die Koreaner waren beeindruckt, wie warmherzig die Begleitung durch die Nagolder Hospizgruppe sein kann. Sie haben Monika Wehrstein nach Korea eingeladen. Die nahm die Einladung an, weil sie sich als Pionierin auf dem Weg zur Sterbebegleitung sieht. Wie im Grunde vor 30 Jahren auch hierzulande.

Der Film kommt bereits Ende November in einem der Hauptsender des Landes. Das Filmteam reiste noch am selben Abend weiter in die Pfalz, um sich einen Friedwald anzusehen. Auch das gibt es noch nicht in Korea.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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