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Nagold Hochwasserschutz entschärft Situation

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Der Uferweg an der Waldach wurde geflutet. Foto: Hauser

Nagold - Hochwasserschutz ist nur dann in aller Munde, wenn sich Flüsse mal außerhalb ihres Laufs verbreitern. So ist das auch in Nagold – mit einer Ausnahme. Peter Haselmaier beschäftigt sich tagein, tagaus mit Hochwasser und seinen Folgen, hauptberuflich.

Es waren Bilder am Wochenende, die Erinnerungen wach werden ließen an diverse große Hochwasser in Nagold: Überschwemmte Fußwege, dicke Äste in Nagold und Waldach sowie reißende Wassermassen.

Doch Peter Haselmaier, verantwortlich für Nagolds Gewässer, beschwichtigt: "Der Pegelstand war einen ganzen Meter tiefer als bei der großen Flut 1993. Das war jetzt nicht kritisch."

Dass es nun glimpflicher abging, lag zum einen an diversen baulichen Maßnahmen und zum anderen an einem Hochwasseralarmplan, der im Fall der Fälle greift. "Der Ausbau der Nagold und der Waldach ist so gestaltet, dass im Stadtgebiet nichts passieren dürfte und das Wasser abfließt", erläutert Haselmaier, dass der Querschnitt eines Gewässers durchaus entscheidend ist bei der Hochwasserprävention. Denn dann verteilen sich die ankommenden Wassermassen deutlich besser – und zwar im Flussbett und nicht auf angrenzenden Freiflächen.

Man sei in Nagold gut gerüstet. In sämtliche Maßnahmen würden zudem Pegelberechnungen einfließen, um möglichst viele Szenarien abzudecken. Und deshalb hat man einfach mal alles so gestaltet, dass die beiden Flüsse Nagold und Waldach auch ein Jahrhunderthochwasser abführen könnten.

Hinzu kommt die Nagoldtalsperre, die viel Wasser wegnimmt, laut Haselmaier für Nagold aber keine Auswirkungen habe. 15 Kubikmeter pro Sekunde werden dort maximal abgelassen. Das wirke sich auf Altensteig und Teile Rohrdorfs aus, erläutert der Wasserchef, doch in Nagold sei das Flussbett eben breit genug gebaut – worüber er im Übrigen recht froh sei.

Sollte es dann doch zu einer Gefährdungslage kommen, hat die Stadt auch noch einen mehrstufigen Alarmplan im Köcher. Das imposante Druckwerk hat Ordnungsamtsleiter Achim Gräschus dabei. Er war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gemeinsam mit Stadtbrandmeister Paul Amand unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Nachdem der Pegel auf 2,50 Meter gestiegen war, haben wir zunächst die Wehrbetreiber informiert, da bekommen wir auch die erste Meldung. Ab 3,50 Meter war die Feuerwehr in Bereitschaft", erklärt Gräschus den Ablauf. Um 2 Uhr nachts war es dann soweit: Mit 3,61 Metern hatte die Nagold ihren Höchststand erreicht. Gemessen wurde dieser auf Höhe des Campingplatzes. Zum Vergleich: Beim Jahrhunderthochwasser von 1993 war ein Pegel von 4,63 Metern gemessen worden.

Einige Autos mussten umgeparkt werden

Mit der Pegelhöhe steigen auch die Schutzmaßnahmen, die die Stadt ergreift. Ab 4,20 Metern beispielsweise werden von örtlichen Bauunternehmen Bagger an die Brücken beordert, um sich verfangende Äste oder anderes Material sofort aus dem Flusslauf ziehen zu können. Spätestens dann wird auch ein Vollalarm ausgelöst, also neben der Feuerwehr auch der Bauhof und die Polizei in Bereitschaft versetzt. Soweit kam es diesmal glücklicherweise nicht. Allerdings, so berichtet Gräschus, wurden einzelne Anwohner aufgefordert, ihre Autos vom Uferbereich wegzufahren.

Doch Verbesserungspotenzial gebe es immer, betont Haselmaier. Beispielsweise an der Ankerbrücke, wo Nagold und Waldach zusammenlaufen. Dort erinnern zwei Marken an die Hochwasser von 1990 und 1993. Es wird über ein zusätzliches Rohr neben dem Flusslauf nachgedacht, um so die Fluten besser steuern zu können. Denn nach jedem Hochwasser werden auf Grundlage der aktuellen Daten sämtliche Berechnungen und Maßnahmen geprüft. Dann wird verbessert, damit man in Nagold auch zukünftig für Jahrhunderthochwasser gewappnet ist.

Für die Finanzierung von Hochwasserschutzmaßnahmen an landeseigenen Gewässern standen 2017 Landesmittel in Höhe von rund 46 Millionen Euro zur Verfügung, für kommunale Gewässer rund 32 Millionen. In Nagold wurden im Rahmen der Landesgartenschau die Flüsse Nagold und Waldach ausgebaut und renaturiert. Die Baukosten beliefen sich auf 2,1 Millionen Euro. Das Land schoss 1,1 Millionen zu.

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