Auf vielen Fotos hielt Jörn Burger seine Eindrücke fest. In der Hauptstadt sind die Folgen des Bebens noch sichtbar. Foto: Burger

Drei Monate lang arbeitete der Hochdorfer Jörn Burger bei Hilfsprojekten auf Haiti.  

Nagold-Hochdorf - Bereits am Grenzübergang von der Dominikanischen Republik nach Haiti merkt er: Hier beginnt eine andere Welt. Von Juli bis September lebte und arbeitete Jörn Burger in einem der ärmsten Länder der Welt.

Hunderte Menschen stehen am Grenzpunkt. Es wird Essen verteilt. Langsam bahnen sich die Autos durch die Menge. Zwei Männer mit Pistolen tauchen auf, verlangen Geld für die Einreise nach Haiti. Einreisestempel für den Pass gibt es nicht. "Wir hatten keine Ahnung, ob das offizielle Grenzbeamte sind oder irgendwelche Kriminellen. Eine Uniform trugen sie jedenfalls nicht", berichtet Jörn Burger. In diesem Augenblick betrat der junge Mann eine andere Welt – Haiti.

Nach Schulabschluss und Freiwilligem Sozialen Jahr, entschied sich Burger, drei Monate lang eine Jüngerschule, eine Art Bibelschule, auf Hawai zu besuchen. Sein Schwerpunkt: Fotografie. Durch Susi Childers, einer aus Nagold stammenden Fotografin, die sich nun auf Hawai für die christliche Organisation "Jugend mit einer Mission" engagiert, war der Kontakt zustande gekommen. Nach drei Monaten Schule konnten sich die Teilnehmer für einen Einsatzort für die drei Praxismonate entscheiden. Burger ging nach Haiti, einem Land, das bereits lange vor dem Erdbeben gebeutelt war – und danach erst recht.

Eine Mahlzeit gibt es pro Tag

Es gibt viele Geschichten, die Burger nie vergessen wird: "Wir haben ein Krankenhaus besucht, vor dem die Leute Schlange standen. Innerhalb von einer halben Stunde haben wir drei Menschen sterben sehen." Auch das Gespräch mit Gefangenen hat ihn beeindruckt. 30 Leute leben dort auf engstem Raum in einem Zimmer mit nur zwölf Betten. Eine Mahlzeit gibt es pro Tag. "Einer hat zugegeben, dass er mehrere Menschen umgebracht hat, aber er sagte auch, dass einige ganz unschuldig einsitzen. Die Polizei ist korrupt. Wer bezahlt, kann seine Feinde in den Knast bringen."

Er war in Port au Prince und im Küstenort St. Marc, hat Essen in einigen der vielen Zeltstädte ausgeteilt, Slums angesehen und mit vielen Menschen geredet – die Kamera immer dabei. "Über die Fotos kommt man sehr schnell in Kontakt mit den Menschen. Die Kinder haben teilweise noch nie ein Bild von sich selbst gesehen." Er hat im Waisenhaus gearbeitet, hat Kinder kennengelernt, die vom Erdbeben so traumatisiert sind, dass sie nicht mehr im Gebäude schlafen können. Ihre Betten stehen unter freiem Himmel. "Dennoch haben die Menschen Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie sind sehr fleißig. Meist fehlt es eben an Bildung. Wenn sie beispielsweise gezeigt bekommen, wie sie ihre Häuser stabiler wieder aufbauen können, nehmen sie die Hinweise gerne an."

Weitere Informationen:

Jörn Burger hält am Freitag ab 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Hochdorf einen Bildervortrag über seine Reise. Der Eintritt ist frei. Weiteres bei: www.fruitofart.com.