Foto: Foto: Schwarzwälder Bote

Ralf Fuhrländer arbeitet als Leiter des Stadtplanungsamts am Erscheinungsbild der Stadt mit

"Was hat sich in den vergangenen 20 Jahren städtebaulich in Nagold verändert?" Ralf Fuhrländer lacht laut. "Um das alles aufzuzählen würde unser Spaziergang nicht reichen", meint der Leiter des Stadtplanungsamts von Nagold. Und los geht’s auf die Klebrunde.

 

Nagold. Als der 58-Jährige vor 20 Jahren von Frankfurt nach Nagold zog und prompt als Stadtplaner für die Neugestaltung der Innenstadt zuständig war, sah die Stadt in großen Teilen anders aus. Der gebürtige Hesse wirkte in den letzten Grundzügen der Planung bei der Innenstadtumfahrung und dem Bau der Tunnel mit. "Die Voraussetzungen als ich nach Nagold gekommen bin, waren für einen Stadtplaner ideal."

Als große Aufgaben seiner mittlerweile 20-jährigen Laufbahn bei der Verwaltung sieht der Architekt und Stadtplaner den sukzessiven Umbau der Innenstadt mit dem Gerichtsplatz, dem Busbahnhof, der Marktstraße und dem Vorstadtplatz. "Das Sahnetüpfelchen war dann die Landesgartenschau", stellt er fest. "So was ist für einen Stadtplaner ideal. Was man mit dem Motiv Gartenschau alles für eine Stadt bewegen kann ist immens."

An einem warmen Morgen wie diesem werden die Spuren, die die Landesgartenschau 2012 auch im Kleb hinterlassen hat, deutlich: Grün so weit das Auge reicht, die Brücke über die Nagold verbindet die historische Innenstadt mit dem Park, Kinder klettern auf dem Spielplatz, überall sind Sitzgelegenheiten, das Erscheinungsbild ist gepflegt.

Fuhrländer hat sich Ende der 90er-Jahre bewusst dazu entschieden, mit seiner Familie weg von der Großstadt Frankfurt nach Nagold zu ziehen. "Ich finde es super entspannt in Nagold zu wohnen", meint der 58-Jährige, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern sowie zwei Hunden in der Zwischenzeit ein Eigenheim bezogen hat. "Meine Familie und ich fühlen uns hier wohl."

Als er sich damals für den Umzug nach Süddeutschland entschlossen hatte, machten seine damaligen Kollegen Witze über seine neue Heimat Schwaben mit all ihren Klischees. "Das habe ich aber ganz anders erfahren", lautet Fuhrländers Resümee nach zwei Jahrzehnten in Württemberg. "Allerdings muss ich sagen, dass die Schwaben schon wissen, was sie wollen." Beispielsweise bei Grundstücken müsse man sehr hart verhandeln.

Gesunder Mix von Alt und Moderne

Etwas belächelt wurde damals auch, dass er als Stadtplaner in eine Kleinstadt ging, doch diese Entscheidung traf Fuhrländer ganz bewusst. Zum einen könne man durch die Größe der Verwaltung Projekte mit weniger Hürden realisieren. "Und in Nagold ist das Schöne, dass man über längere Zeit etwas bewegen kann, es gefällt mir, Teil eines Prozesses zu sein und dann das Ergebnis zu sehen", stellt der Architekt und Stadtplaner fest. "Hier kann man viel bewegen."

In den vergangenen 20 Jahren legte die Stadt baulich ein Tempo vor, bei dem die Meinungen auseinandergehen. Wenn Auswärtige nach Nagold kommen, seien sie von der Entwicklung erstaunt, erzählt Fuhrländer. "Viele Nagolder tun sich damit teilweise schwer, mit der Geschwindigkeit, aber auch mit dem neuen Baustil", stellt er fest. "Einige hängen eben an dem alten Bild von ihrer Stadt und das ist auch in Ordnung." Deswegen legen Fuhrländer und seine sechs Mitarbeiter Wert auf einen gesunden Mix von Alt und Moderne. Besonders liegt ihm dabei die Innenstadt am Herzen. "Die Innenstadt ist das Wohnzimmer von Nagold."

In Ortsteilen gibt es viel anzupacken

Doch die Aufgaben eines Stadtplaners beschränken sich nicht nur auf die Innenstadt. "In den Ortsteilen gibt es auch viel anzupacken", findet Fuhrländer. "Die Dörfer dürfen nicht zu reinen Wohnorten verkommen und müssen lebendig bleiben mit einem starken Ortskern."

Als Stadtplaner hat Fuhrländer in Nagold schon einige Projekte auf den Weg gebracht. Doch gibt es eine Sache, die er in den kommenden Jahren gerne noch verwirklichen möchte? "Das Areal der ehemaligen Calwer Decken in Iselshausen beschäftigt mich schon einige Jahre. Das könnte ein ideales Wohngebiet werden", sinniert er, jedoch sei das Gebiet nicht im Besitz der Stadt. "Dort könnte man schon schön wohnen. Vielleicht bekommen wir das noch hin."

Ansonsten sieht der 58-Jährige die Digitalisierung von Infrastruktur als eine der großen Aufgaben, die es nicht nur in Nagold anzupacken gilt. Der Wohnungsbau sei ebenfalls eine große Herausforderung. Erfreulich sei, dass mittlerweile mehr Menschen nach Nagold ziehen als weg. "Den großen Kampf um die jungen Familien gibt es überall", meint Fuhrländer "und denen müssen wir auch was bieten."