Dorothee Müller, Ulrich Mansfeld und Joachim Ploghöft (von links) freuen sich auf die Ausstellungseröffnung am Sonntag. Foto: Geisel Foto: Schwarzwälder Bote

Ausstellung: Egon Köchers künstlerisches Schaffen ist ab Sonntag im Nagolder Bürgerzentrum zu sehen

Nagold. Aquarelle, Zeichnungen, Ölbilder, Realistisches und Surreales: Das ganze Spektrum von Egon Köchers künstlerischem Schaffen kann diesen Monat in drei Nagolder Einrichtungen bestaunt werden. Die erste Ausstellung öffnet am Sonntag.

Im Nagolder Bürgerzentrum, im Obergeschoss des Burgcenters, wird die Auftaktveranstaltung an diesem Sonntag ab 11 Uhr stattfinden. Damit wird das erste Drittel einer spannenden, abwechslungsreichen und faszinierenden Ausstellung, auf die Beine gestellt von der Urschelstiftung, für die Öffentlichkeit freigegeben.

Musikalische Begleitung

Nagolds Ex-Oberbürgermeister Rainer Prewo und Kurator Joachim Ploghöft werden einiges zum Künstler und seinem Schaffen mitteilen. Durch das Programm führen wird Ulrich Mansfeld, Vorsitzender der Urschelstiftung. Josua Schwab wird die Veranstaltung musikalisch begleiten. Anschließend gibt es einen Sektempfang und die Gelegenheit, die Kunstwerke zu bestaunen.

Die zweite Eröffnung folgt am 8. Juni ab 19 Uhr in den Räumlichkeiten der VHS Oberes Nagoldtal in der Bahnhofstraße. Im Mindersbacher Bürgerhaus findet sich das letzte Drittel der insgesamt mehr als 100 Werke. Am 10. Juni, um 14 Uhr, wird die dortige Ausstellung eröffnet. Alle drei Schauen dauern bis 20. Juni und können zu den Öffnungszeiten der Einrichtungen besichtigt werden.

"Kunst – Natur – Heimat" ist das Motto. "Dafür hat er auch gebrannt", erzählt Dorothee Müller, Fachbereichsleiterin der Volkshochschule, über den Künstler. Mit der Heimat sei er sehr verbunden gewesen. Das spiegelt sich auch in vielen seiner Werke wider.

Egon Köcher war von Beruf Tierarzt. Seine künstlerischen Fähigkeiten hat er sich autodidaktisch angeeignet. Im Lauf der Jahre experimentierte er mit vielen Stilen, wie man an den Bildern erkennen kann. Köcher wurde 1912 in Weil der Stadt geboren, seine Kindheit verbrachte er in Nagold, die Schulzeit in Stuttgart.

Nach seinem Studium der Biologie und Tiermedizin in München kehrte er in die Region zurück. Von 1945 bis 1953 praktizierte er als Tierarzt in Wildberg. Eine prägende Zeit für den Veterinär, wie Müller berichtet, denn dort habe er mit vielen Tieren gelebt. Von 1953 bis 1977 war Köcher Stadttierarzt in Nagold, wo er 1993 verstarb.

Ein Großteil seiner Werke steht der Stadt seit 2013 als Dauerleihgabe zur Verfügung. Die Urschelstiftung dürfe auf diesen Fundus zurückgreifen, so Mansfeld, um die Erinnerung an Egon Köcher wachzuhalten. Die Bürgerstiftung sei bestrebt, sich nicht nur sozial und im Bildungsbereich zu engagieren, sondern auch die Kultur in Nagold zu fördern.

Egon Köchers künstlerische Arbeiten stammen aus vielen verschiedenen Jahrzehnten, zeigen mal Tiere, mal Menschen, mal Pflanzen, mal Nagold als Motiv. Auch stiltechnisch schien Köcher gerne mal neue Wege zu beschreiten und sich auszuprobieren.

Die Wände des Bürgerzentrums zieren unter anderem Köchers realistische Zeichnungen seltener, regionaler Pflanzen. Die Darstellungen muten wissenschaftlich an und sind so detailgetreu, dass sie auf den ersten Blick fast wie getrocknete und gepresste Exemplare wirken. "Sie sind in ihrer Exaktheit wie ein Herbarium", beschreibt Ulrich Mansfeld. Außerdem finden sich hier Bilder von Nagold, in Öl sowie in Aquarell.

Düsterere Seite

In der VHS wird eine düsterere Seite des Hobbykünstlers gezeigt. Seine Bleistift- und Tuschezeichnungen werfen ein detailliertes, grauschattiertes Bild auf harte Arbeit, Missstände und Müll. Auch einige surreale, fast schon gruselige Werke sind hier zu sehen.

In Mindersbach steht ­Köchers Engagement für den Naturschutz und seine Verbindung zum dortigen Naturschutzgebiet "Mindersbacher Täle" im Fokus. Pflanzen- und Tierzeichnungen sowie Bilder von Landschaften aus der Region werden hier gezeigt. "Auf den Spuren Egon Köchers" bewegen sich Besucher der geführten Wanderungen am 10. und 17. Juni, jeweils um 15.30 Uhr, sowie am 20. Juni um 18 Uhr.