Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Nagold Haus Waldeck gerüstet für Asylbewerber

Von
Handwerker führen noch die Abschlussarbeiten im Haus Waldeck aus. In wenigen Tagen können in dem einstigen Heim der Bruderhaus Diakonie die ersten Asylbewerber einziehen. Foto: Fritsch

Nagold - Noch ist es nicht bezugsfertig, das zukünftige Asylbewerberheim in der Herrenberger Straße. In der ehemaligen Bruderhaus Diakonie wird derzeit saniert, umgebaut und nachgebessert. Während sich das Haus Waldeck bis zum Stichtag 18. Dezember rüstet, sind an anderer Stelle die Vorbereitungen längst ausgereift.

Der Asylbewerberdienst des Landkreises Calw ist mit seinem Betreuungskonzept für Nagold gut aufgestellt. Ein Sozialer Dienst mit drei Mitarbeitern wird sich mehrmals in der Woche um die Bedürfnisse der Neuankömmlinge kümmern. Ebenfalls vor Ort sind zwei Hausmeister in Vollzeit samt Hausmeisterhelfer. Ehemalige Asylbewerber, die im Kreis sesshaft geworden sind, stehen ihnen als Dolmetscher zur Seite.

"Im Vergleich zu anderen Landkreisen stehen wir gut da, vor allem personell", sagt Ralf Bühler vom Asylbewerberdienst des Landratsamtes. Auch verfügt der Kreis insgesamt über sechs Domizile: Zwei in Bad Wildbad, drei in Calw und das Haus Waldeck in Nagold. Außerdem komme ihnen die langjährige Erfahrung zu Gute.

Bei den erwarteten Aufgaben ein ganz entscheidender Pluspunkt. Denn: Seit zwei Jahren steigen die Asylbewerberzahlen beharrlich. Die Landesaufnahmestelle (LASt) des Regierungspräsidiums Karlsruhe weist Asylbewerbern nach einem bestimmten Schlüssel den Landkreisen zu. Von 2005 bis 2011 lag dabei die Zahl der Asylbewerber im Landkreis relativ konstant bei rund 150 Personen, Ende 2012 waren es 270, aktuell sind es 330 Menschen. Stand heute wird mit einer monatlichen Aufnahmequote von 30 Personen gerechnet. "Unter dem Zuweisungsdruck ist es schwierig, den Menschen gerecht zu werden", sagt Ralf Bühler. "Oft haben wir es auch innerhalb einer Nationalität mit inhomogenen Gruppen zu tun", erklärt Bühler. Ein gewisses Fingerspitzengefühl, gepaart mit kulturellem Vorwissen sei ohnehin angebracht, um religiöse Konfliktparteien zu trennen, so Bühler weiter.

Der Löwenanteil der Asylbewerber, die Nagold erwartet, stammt übrigens aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien und aus Nordafrika. Auch Sinti und Roma zählen zum Gros der Flüchtlinge. Dass die wachsende Zahl an Asylbewerbern etwas mit den Kriegsflüchtlingen aus Syrien zu tun hat, ist ein Irrglaube. In Nagold machen diese sogenannten Kontingentflüchtlinge nur einen geringen Teil aus.

Aber: Nicht nur die zuständigen Behörden setzen sich für ein reibungsloses Start ein, sondern auch Bürger der Stadt Nagold unterstützen tatkräftig. Der in einem Flugblatt ausgedrückte Unmut einiger Anwohner beim Bekanntwerden der Pläne soll unter einer Begegnungskultur verbleichen. In den Mittelpunkt gerückt ist etwas anderes: "Was können wir tun, um die Asylbewerber schnellstmöglich in die Gesellschaft zu integrieren?" Der Arbeitskreis Asyl hat sich dieser Frage angenommen und besteht mittlerweile aus 40 Mitgliedern quer durch die Institutionen. Wachrütteln, aktivieren, neue Menschen für die Sache ins Boot holen, all das ist ihnen jetzt schon gelungen.

Der Kinderschutzbund und das Jugendhaus Youz bereiten vielfältige Freizeitaktivitäten vor, um insbesondere jungen Ankömmlingen Treffpunkte zu bieten. Gerd Hufschmied und Helga Mühleisen, beide im AK Asyl, möchten Orte schaffen, in denen sich Bürger und Asylbewerber begegnen.

Geplant sind Sportangebote unter dem Motto "Sport ist cool" zusammen mit dem VfL Nagold und wöchentliche Termine zum Fußball und Volleyball spielen. Ein Kinderchor, ein Kleiderladen, Einladungen in die Nagolder Vesperkirche – die Liste der Angebote ist lang. "Den jungen Menschen müssen Möglichkeiten gezeigt werden, sich zu beschäftigen", sagt Jugendhaus-Chef Gerd Hufschmidt. Es sei wichtig, dass sie raus in die Stadt gehen. "Unsicherheit gibt es immer auf beiden Seiten", erzählt Helga Mühleisen. Sie habe aber die Erfahrung gemacht, dass die Vorbehalte schnell weichen, sobald sich die Menschen kennenlernen. "Asylbewerber werden dann nicht mehr als Störenfriede wahrgenommen, sondern als Nachbarn", so Mühleisen. Im Nebengebäude des Hauses Waldeck sind bereits eine Familie aus Dagestan und eine aus Afghanistan angekommen. Sechs Kinder hat der Kernenkindergarten bereits aufgenommen, die Solidarität ist dort groß.

Eine organisatorische Baustelle bleibt aber noch: die Sprachförderung. Denn Sprachkurse werden erst nach einem erfolgreichen Asylverfahren finanziert. Damit diese wichtige Brücke der Integration dennoch gebaut werden kann, verhandelt der Arbeitskreis derzeit mit der Volkshochschule. Klar, mit Deutschkenntnissen kann sich die Begegnungskultur einfach besser entfalten.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.