Mit einem bunt gefächerten Kandidaten-Mix ziehen die Grünen in den Kommunalwahlkampf. Foto: Geideck

Ökopartei tritt bei Gemeinderatswahl mit kompletter Liste an. Mitglieder aus jeder Altersklasse.

Nagold - Die Nagolder Grünen haben den Anfang gemacht und ihre Kandidaten für die Kommunalwahl nominiert. Zum ersten Mal seit 1999 tritt der Ortsverein wieder mit einer kompletten Liste an. Ein deutliches Signal: Mit 26 Kandidaten ziehen die Grünen in den Nagolder Kommunalwahlkampf und könnten damit theoretisch alle Plätze im Gemeinderat besetzen. Das Ziel setzen sie freilich etwas tiefer an: "Wir wollen den dritten Sitz und damit Fraktionsstärke erreichen", sagt Annegreth Fezer-Brenner, Sprecherin des Ortsvereins. Aktuell gehören mit Brigitte Loyal und Bernd Gorenflo lediglich zwei Grüne dem Gemeinderat an. Sie bilden mit der FDP eine gemeinsame Fraktion.

Interessant: Obwohl der Nagolder Ableger der Ökopartei nur elf Mitglieder hat, konnte er fast dreimal so viele Mitstreiter für seine Liste gewinnen. Schwierig sei das laut Fezer-Brenner nicht gewesen: "Wir sind auf erstaunlich viel Zustimmung gestoßen." Die Partei habe – wie die jüngere Vergangenheit etwa bei Stuttgart 21 immer wieder gezeigt habe – zahlreiche Sympathisanten, nur würden viele auf eine Mitgliedschaft verzichten.

Nicht nur deshalb ist die Liste der Nagolder Grünen bunt gemischt. Bewusst habe man darauf geachtet, dass sich Männer und Frauen möglichst die Waage halten. Auch die Altersstruktur ist sehr breit gefächert: Mit Adelheid Brenner schickt man auf der einen Seite eine 75-Jährige ins Rennen, baut andererseits aber ebenso auf Nachwuchskräfte wie Samuel Brenner (24) und Silke Ebinger (20). Jüngster Kandidat ist mit 19 Jahren der stellvertretende Jugendgemeinderatsvorsitzende und Schülersprecher Tilman Schlögl.

Strom- und Gasnetz sollen wieder in die Hände der Kommune

Angeführt wird die Liste von den beiden Stadträten Brigitte Loyal und Bernd Gorenflo. Es folgen (in dieser Reihenfolge) Charlotte Michel-Biegel, Wolfgang Biegel, Renate Schlögl, Thomas Ebinger, Rose Hauenstein, Günter Vollmer, Martina Bitzer, Georg Mitschke, Annegreth Fezer-Brenner, Thomas Kienzle, Miriam Link, Tilman Schlögl, Silke Ebinger, Samuel Brenner, Thomas Stadtlander, Karl Weiss, Christa Mutz-Müller, Hans Link, Ulrike Schmelzle, Wolfgang Plattner, Gerlinde Unger, Heinz-Eckhard Schwarz, Adelheid Brenner und Wolfgang Sickler.

Inhaltlich wollen die Nagolder Grünen unter anderem auf den Klimaschutz und die Energiewende mit der Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes setzen. Das Thema Bildung werde ebenfalls eine große Rolle spielen. "Uns ist wichtig, dass man die Gemeinschaftsschulen nicht völlig ausschließt", wünscht sich Loyal eine weniger ideologisch geprägte Herangehensweise an dieses Thema.

Beim Verkehr wollen sich die Grünen für den S-Bahn-Anschluss und einen Schnellbus als Übergangslösung einsetzen sowie Abstellflächen für E-Bikes anbieten und Car-Sharing unterstützen. Die Qualität der Kleinkindbetreuung soll weiterentwickelt und möglichst wohnortnah angeboten werden. In den Teilorten möchte man die Nahversorgung verbessern. "Darunter leidet sonst die Attraktivität der Wohnstandort", sagt Loyal. Die jüngst beschlossene Änderung der Friedhofssatzung, wodurch in Nagold keine Grabsteine mehr aus Kinderarbeit aufgestellt werden dürfen, wollen die Grünen unter dem Aspekt der "fairen Beschaffung" auch auf andere kommunale Bereiche ausdehnen.