Die Parkplätze am Neuwiesenweg könnten nach Ansicht der Grünen an den Wochenenden geöffnet werden. Foto: Kunert

Vorhandene Kapazitäten besser erschließen: Gemeinderat zählt freie Parkplätze nördlich der Innenstadt.

Nagold - Braucht Nagold ein weiteres Parkhaus am nördlichen Innenstadtrand – wie es jüngst wieder Oberbürgermeister Jürgen Großmann in die öffentliche Diskussion einführte? Wenn es nach den Grünen in der Stadt ginge, wäre die Antwort klar: Nein, braucht’s nicht.

Und für die Erklärung, warum Nagold solch einen "städtebaulichen Anachronismus" wie ein weiteres schmuckloses Parkhaus in einer für die ökologische Innenstadtentwicklung extrem wertvollen Premium-Lage nicht braucht, hat sich Grünen-Gemeinderat Bernd Gorenflo richtig viel Arbeit gemacht: Seit Anfang März dieses Jahres hat er jeden Samstag die freien Parkplätze nördlich der Marktstraße gezählt. Und zwar genau zu der Zeit, wenn erfahrungsgemäß besonders viele Menschen mit dem Auto Nagold stürmen, um durch die dann komplett verkehrsberuhigte Innenstadt-Fußgängerzone zu flanieren oder den Wochenmarkt zu besuchen – also so zwischen 11 und 12 Uhr mittags.

Dabei nahm Gorenflo besonders die vorhandenen Dauerparkplätze am Neuwiesenweg, Ecke Lange Straße sowie die Tiefgarage des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) unter die Lupe. Seine Erkenntnis: An so gut wie jedem Wochenende gibt es dort Dutzende nicht genutzte Stellplätze, die man mit etwas organisatorischem Aufwand in die allgemeine Parkplatzbewirtschaftung gerade zu den bekannten Spitzenzeiten aufnehmen könnte.

Beispiel Parkplätze Neuwiesenweg: Hier hat die Stadt bisher für die dortigen 73 Stellplätze Dauermietverträge abgeschlossen. Allerdings, so die Beobachtung von Gorenflo, dürften diese Mieter alle oder zumindest überwiegend Pendler sein, die ihre Stellflächen am Neuwiesenweg am Wochenende offensichtlich selbst nicht oder kaum nutzten. "Hier könnte man dem Beispiel von anderen Parkplatz-Standorten in Nagold folgen und diese Flächen zumindest am Wochenende für die allgemeine Nutzung freigeben."

Für die OHG-Tiefgarage ermittelte Gorenflo im Mittel weitere 65 freie Plätze, die bisher an Wochenenden nicht für die Nutzung durch die Allgemeinheit offenstünden. Und sollten diese zwei Parkplatz-Areale immer noch nicht reichen, um in Stoß- und Spitzenzeiten den Bedarf an Parkflächen nördlich der Innenstadt zu decken, gäbe es ja auch noch die circa 70 neu errichteten Parkplätze bei der Firma Graf an der Calwer Straße (beim Stadion). Von dort gebe es ja bereits mit dem Innenstadtbus (Linie 500) so etwas wie einen Parkplatz-Shuttle, der Parker von dort problem- und reibungslos in die Innenstadt und zurückbringen könnte.

Insgesamt, so sind sich die Grünen in Nagold sicher, würde man so locker genauso viele zusätzliche P-Plätze für Innenstadtbesucher gewinnen, als wenn man ein mehrstöckiges Parkhaus errichten würde. "Lieber sollten wir den Platz anstatt für ein Parkhaus für etwas nutzen, das die Aufenthalts- und Erlebnisqualität in der Nagolder Innenstadt wirklich aufwerten würde."

Ein weiterer Aspekt, warum die Grünen in der Stadt nachdrücklich dafür plädieren, lieber vorhandene Parkplatz-Kapazitäten besser zu erschließen – zum Beispiel mit einem erweiterten, intelligenten Parkleit-System, das neben den bereits genannten Parkplatz-Flächen in Norden der Stadt auch die Parkplatz-Kapazitäten am Bahnhof, bei der Agentur für Arbeit und auf dem neugeschaffenen Parkplatz Calwer / Ecke Lange Straße für die Autofahrer mit erschließen könnte – sei die Haushaltssituation der Stadt. Aus Sicht der Grünen-Fraktion im Nagolder Gemeinderat um die Fraktionsvorsitzende Brigitte Loyal sei eine solche Millionen-Investition in ein neues Parkhaus in einer Zeit, wo man eigentlich städtische Schulden abbauen wolle, mehr als kontraproduktiv.

Die Grünen-Fraktion werde nun in den kommenden Tagen die Ergebnisse ihrer Parkplatz-Erhebung und ihre daraus gezogenen Schlussfolgerungen in Schriftform an die anderen Fraktionen im Nagolder Gemeinderat weiterreichen und dann zu einer der nächsten Sitzungen des Gremiums auch einen entsprechenden Entschließungsantrag einbringen. Wobei die Grünen darauf hoffen, dass die Räte der anderen Fraktionen, als auch die örtliche Kaufmannschaft, den Widerspruch erkennen, der in der Idee stecke, ausgerechnet dort neuen Parkraum in Form eines Parkhauses zu schaffen, wo die Menschen genau deshalb in Scharen hinströmten, weil es dort genau ohne Auto-Verkehr eine bereits heute unerreicht hohe Aufenthalts- und Erlebnisqualität gibt.

"In diesem Sinne wäre es genau das absolut falsche Signal für eine künftige, strategische Innenstadtentwicklung, ausgerechnet innerhalb des Innenstadtringes ein neues Parkhaus errichten zu wollen", so Brigitte Loyal abschließend.