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Nagold Großes Polit-Theater

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Wenn der große Mime spricht, richten sich alle Augen auf ihn (von links): Grünen-Urgestein Rezzo Schlauch, der Tübinger Zeithistoriker Reinhold Weber und Nagolds CDU-Stadtrat Helmut Raaf. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder-Bote

Rezzo Schlauch – der Name stand in der Politik immer schon für ganz großes politisches Theater. "Lustvolle Politik", wie er selbst es bei der Vorstellung seines neuen Buchs "Keine Angst vor der Macht" in der Nagolder Buchhandlung Zaiser nannte.

Von Axel H. Kunert

Nagold. Verfasst hat der prominente Grünen-Politiker das Buch zusammen mit dem Tübinger Zeithistoriker Reinhold Weber. Kennengelernt haben die beiden sich vor knapp zwei Jahren, als sie wie jetzt nebeneinander auf einem Podium in der Stuttgarter Landesbibliothek saßen – und 300 aufmerksame Zuhörer "mucksmäuschenstill" ihren Ausführungen lauschten. Hier in Nagold waren es nicht ganz so viele, vielleicht 70 oder 80 Neugierige, die dem Polit-Mimen und dem nüchternen Wissenschaftler lauschten. Aber diese eigenwillige Spannung zwischen diesen beiden so grundverschiedenen Persönlichkeiten, die sich nach wie vor voller Respekt nur mit "Sie" anreden und die Stichworte gegenseitig gekonnt zuspielen, funktionierte auch hier.

Auch diesmal hätte man manchmal die sprichwörtliche Nadel zu Boden fallen hören können, so fasziniert folgte das Auditorium den beiden Rednern. Die sich zudem noch das Nagolder Handels-Urgestein und CDU-Gemeinderat Helmut Raaf mit aufs Podium geholt hatten, den mit Rezzo Schlauch über Parteigrenzen hinweg seit dessen legendärer Weinrede 2005 eine besondere Freundschaft verbindet. Und seltsamer Weise: Die beiden duzen sich.

Das eigentliche Thema des vorgestellten Buchs: 35 Jahre die Partei Die Grünen im Südwesten. Und man merkte Rezzo Schlauch an, dass er es sichtlich genießt, nach seinem bewussten Rückzug aus der Politik 2005 – damals war er Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium – so etwas wie einen altersweisen Status in seiner Partei und der Öffentlichkeit zu besitzen.

Herrlich "lustvoll" vorgetragene Anekdoten

Auch wenn sein Nagolder Auftritt anfangs etwas darunter litt, dass seine Tournee zur Vorstellung des Buches schon eine Weile dauert. Und er leichte rhetorische Routine in seinen trotzdem herrlich "lustvoll" vorgetragenen Anekdoten erkennen ließ. Breitbeinig sitzt er da hinter dem Podiums-Tisch. Meist mit dem leicht spöttischen Gesichtsausdruck, der mit den Jahren die tiefen Lachfalten in sein Gesicht gezeichnet hat. Und hat er das Wort, beginnt sein ganzer Körper zu arbeiten. Die Arme gestikulieren wild. Und was er sagt, folgt stets den drei Akten der Dramaturgie: Allgemeine Einleitung. Dann die spannende, eigentliche Handlung. Und schließlich die überraschende Schlusspointe. Befreites Lachen im Publikum. Und ein sichtlich zufriedener Rezzo Schlauch.

Die Geschichte der Grünen im Ländle: Auch sie lebte immer von dieser großen Polit-Theatralik. Aktions-Kunst als politisches Happening: Schlauch erzählt von den Riesenblöcken Subventionsbutter, die die Grünen einst auf Wochenmärkten verteilt haben – "wir Buttern, wir Schmieren nicht." Drei Tage dauerte der Marsch zum Verfassungsgericht in Karlsruhe, um dort eine am Stecken vor sich hergetragene Verfassungsbeschwerde nach historischem Vorbild abzugeben.

Ja, die Bühne liebt Rezzo Schlauch

Und einen Landrat aus Biberach und Atom-Enthusiast brachte "der Rezzo" einst zum Schweigen, wie er schelmisch erzählt, als er vor großem Publikum eines Dorfgasthofs von "einem Fingerzeig Gottes" sprach, dass ausgerechnet Oberschwaben am meisten radioaktiven Fallout aus Tschernobyl abbekam – trotz der vielen Kirchleins und Bildstöcke dort. Und der große Mime lässt mit seinen rudernden Armen vor seinem breiten Stiernacken die Szenerie von damals lebendig werden. Ja, die Bühne liebt Rezzo Schlauch.

Zur Besonderheit dieses Abends gehört, dass es ausgerechnet CDU-Mann Helmut Raaf oblag, das hohe Loblied auf den derzeitigen "Ober-Grünen", Landesvater Wilfried Kretschmann, vorzutragen. Immerhin befindet der sich als erster und einziger grüner Ministerpräsident aktuell im Wahlkampf. Drei schwarze Ministerpräsidenten hat Kretschmann als Landtagsabgeordneter überlebt. Dazu unzählige politische Überflieger aus der eigenen Partei, die lieber ihr Heil in der Bundespolitik suchten – wie ja auch Rezzo Schlauch. Aber die tiefe Verwurzelung der Grünen im Südwesten in der Kommunalpolitik, die auch Kretschmann lebe, wie Raaf sich bei einem Besuch in dessen Heimatort selbst überzeugen konnte, habe hier die Grünen zu einer im besten Sinne bürgerlichen Partei gemacht. Mit breitem Rückhalt in der Bevölkerung. Auch wenn er selbst, so Raaf, im Nagolder Gemeinderat als CDU-Mitglied den ein oder anderen grünen Kollegen "in mancher langen Nachsitzung mit viel Rotwein niederringen" musste, um für Nagold notwendige Entscheidungen durchzusetzen. "Ja, aber sowas funktioniert immer sehr gut", stimmt ein weiterhin herrlich lustvoller Rezzo Schlauch zu.

 
 

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