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Nagold Gratis-Essen für Helden im Corona-Einsatz

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Essen darf in Zeiten von Corona nur abgeholt oder geliefert werden. Foto: CHAIWATPHOTOS/ Shutterstock

Nagold-Emmingen - In Deutschland gilt Kontaktverbot - was für das Gesundheitssystem eine Notwendigkeit ist, bleibt für die Wirtschaft ein Desaster. Damit brechen auch den letzten Gastronomiebetrieben die Einnahmen weg. Ein Restaurant in Emmingen bei Nagold hat eine clevere Lösung gefunden, von der ganz nebenbei auch noch andere Berufsgruppen profitieren. Was genau hinter der Idee steckt, erfahren Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Es ist Wochenende. In Zeiten der Corona-Krise wirken die Orte wie Geisterstädte. Nur im Restaurant Hochwasen gehen die Gäste ein und aus, um sich ihre Burger und Schnitzel abzuholen. Und nicht nur das - sie erscheinen allesamt in Uniform beziehungsweise Arbeitskleidung. Viele Feuerwehrleute und Rettungsdienstler sind darunter, außerdem Kaufhaus-Mitarbeiter, Krankenhaus- und Sicherheitspersonal aller Art.

Polizisten sieht Grivan Raoof, die mit ihrem Mann zusammen das Emminger Sportheim betreibt, noch keine auftauchen. Aber es ist für die Aktion auch das erste Wochenende, vielleicht kommen sie ja in der nächsten Woche?

21 Menüs am ersten Wochenende verschenkt

"Essen für Helden" hat Grivan Raoof die Aktion getauft. "Der örtliche Fertighausanbieter hat eine Summe gespendet, die für 21 Menüs gereicht hat", erklärt Raoof. "Und von Unternehmen an anderen Standorten haben wir auch schon Zusagen", freut sie sich.

Es war also nicht das letzte Mal, dass Essen gratis an die Helden des Corona-Alltags verteilt werden konnte. "Wir haben von Mittwoch bis Sonntag geöffnet und werden so lange weiter machen, wie Spenden da sind."

Wer spendet, sei egal: Es können Unternehmen oder auch Privatpersonen sein, die kleinere Summen zur Verfügung stellen. "Auch wenn es nur für ein oder zwei Essen reicht, zählt das."

Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage ließ Grivan und Maximilian Raoof kreativ werden. "Erst war die Anweisung für Restaurants, Mindestabstände zwischen den Tischen zu wahren und dann kam die Anordnung, dass ganz geschlossen werden muss", erinnert sich Grivan Raoof. "Das Einzige, was noch erlaubt ist, ist Essen zum Mitnehmen anbieten und ausliefern."

Der zweite Grund, der zu der Idee führte, war ihr Wunsch, den Helfern zu danken. "Es gibt viele Berufsgruppen, die weiterhin in der Öffentlichkeit arbeiten müssen, damit nicht alles zusammenbricht. Und wir können denen nichts zurück geben, außer indem wir eben danke sagen." Das wollte das Ehepaar ändern.

Win-Win-Situation für alle Beteiligten

"Die Unternehmen oder Personen, die helfen möchten, spenden eine Summe nach ihrer Wahl. Sie werden dann mit Dank auf der Homepage unseres Restaurants erwähnt", erklärt Raoof die Idee. "Das unterstützt zugleich uns und vielleicht auch bald andere Gastronomen, die sich an der Aktion beteiligen wollen, in der Krisensituation. Und die Helden des Alltags erfahren Dank und Wertschätzung, indem sie gratis etwas zu Essen bekommen. Das ist eine win-win-Situation für alle."

Der Start am Wochenende sei gut angekommen. Alles ist problemlos verlaufen. Wir haben die Aktion auf unserer Homepage angekündigt und die Mitarbeiter aus systemrelevanten, öffentlichen Diensten aufgefordert, in Uniform vorbei zu kommen. "Alle 21 Menüs wurden abgeholt", freut sich die Betreiberin. "Ein paar Feuerwehrleute haben uns sogar eine Flasche Desinfektionsmittel als Dankeschön vorbei gebracht. Und Desinfektionsmittel ist ja bekanntlich ein wertvolles Gut in diesen Zeiten", meint sie und lacht.

Sicherheitsvorkehrungen werden getroffen

Trotz der Freude am neuen Standbein, dürfen Sicherheitsvorkehrungen natürlich nicht vergessen werden. Zwei Personen sind täglich vor Ort, wenn geöffnet ist. Einer arbeitet in der Küche, der andere verteilt an die Gäste oder liefert aus. Bei den Lieferungen wird Abstand gehalten, so gut es geht. Das Päckchen wird an der Tür übergeben, das Geld sollte wenn möglich passend sein. Zurück im Auto desinfiziere der Lieferer sofort alles Nötige.

"Ich kann den Mitarbeitern eigentlich nur sagen: Wascht und desinfiziert euch die Hände, so oft es geht", meint Raoof. Aber in der Gastronomie herrschten ohnehin strenge Hygienevorschriften, sagt sie. Auch die Gäste seien sensibel geworden. „"Sie beugen sich nicht mehr über die Theke oder bleiben sogar an der Tür stehen. Die Tür ist bei uns auch offen, man muss sie also gar nicht anfassen, um herein zu kommen." Und mehr könne man nicht machen.

Alles Nötige hat sie von ihrem Vater gelernt, nicht nur, was den Betrieb angeht, sondern auch in Sachen Bürokratie. "Er kommt aus der Gastronomie und mein Mann und ich haben uns auch einen Gastronomiebetrieb gewünscht." 2017 pachteten sie das Sportheim in Emmingen. "Erst vor kurzem haben wir richtig losgelegt - und dann kam Corona", sagt Raoof.

Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten, weiß sie, und dank Kreativität und Unternehmergeist überstehen die Raoofs und alle betroffenen Gastro-Betriebe die Krise bis dahin hoffentlich gut.

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

Heiko Hofmann

Fax: 07452 837333

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