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Nagold Geralds Leiche passt gut ins Bühnenbild

Von

Von Barbara Rennig

Nagold. Die Frage nach dem Verbleib des Brotmessers erübrigt sich, denn "es ist besetzt", genauer gesagt: "Es steckt in Gerald".

Doch während die Familienangehörigen scheinbar ungerührt ihren Tätigkeiten nachgehen, in bester Loriot’scher Manier ständig aneinander vorbeireden oder quasi-philosophische Worthülsen produzieren, wird die Hauptperson, um die sich die groteske Tragikkomödie rankt, im Bühnenvordergrund "mause-kacke-tot", geradezu zur Dekoration – und dem Zuschauer bleibt mancher Lacher im Halse stecken.

Andreas Schäfer, Mathe-und Deutschlehrer am OHG, hatte zum zweiten Mal zur Feder gegriffen und der Oberstufen-AG mit "Geralds Tod" ein Stück auf den Leib geschrieben und inszeniert, das das Ensemble mit ansteckender Spielfreude vor insgesamt 400 Zuschauern in drei Aufführungen umsetzte.

Familienvater Hofbauer, ein verklemmter Schwafler und als Theologe einer der "Anwälte Gottes", hat zusammen mit seiner betulichen Ehefrau den Sohn Gerald "nach Abwägen guter Gründe" kurz vor dessen 19. Geburtstag umgebracht, und sie sinnieren nun zwischen Theodizee und Bügelbrett darüber, ob man dem Modelleisenbahn-Fan das versprochene Motorrad später aufs Grab stellen sollte, während sich das kecke Töchterchen mit ihrem sexsüchtigen Lover gerade aus den Laken geschält hat und leichtbekleidet Marmeladebrote schmiert.

In den sieben Bildern des Stückes spielen sich auf der Vorbühne Nebenhandlungen ab, in denen der Tod Geralds beziehungsweise die ständig präsente Leiche nur Staffage zu sein scheinen. Und dennoch führen, von hinten durch die Brust ins Auge, die Szenen in aberwitzigen Kapriolen immer wieder auf das anfängliche Geschehen zurück.

Mit begeisternder Spiellust reizen die jungen Mimen ihre überzeichnet angelegten Charaktere aus und führen den Zuschauer zwischen Belustigung und Betroffenheit gekonnt immer wieder über makaberste Klippen der Handlung. Da scheinen Mutter Hofbauer Gewissensbisse an dem Mord zu plagen, aber sentimentale Regungen beim Staubwischen – in das sie auch den Leichnam einbezieht – sind bei Rap aus dem Walkman und ekstatischem Hüftenwackeln schnell vergessen. Aberwitzig auch, wie Töchterchen Beate auf dem Toten ihre Püppchen drapiert oder die fast leitmotivisch hustende Oma plötzlich wieder zu sprechen beginnt: "Der Robert hat einen geilen Arsch". So kann sie auch, als die Verwandtschaft bei Kaffee und Kuchen neben der Leiche über dies und jenes und wieder nichts Wesentliches aneinander vorbeiplaudert, ihre Augen nicht von Robert, einem kindischen Dummschwätzer, lassen.

Zu absurder Komik führt der dreifach besetzte Name Gerald, denn neben der Leiche gehören auch ein gleichnamiger Goldfisch zur Handlung und ein Nase popelndes Muttersöhnchen der Verwandtschaft. Auch in der Pause – gelungener Griff der Regie – bleiben die Mimen in ihren Rollen: Da zetert die Prostituierte im Foyer laut mit dem Polizisten (der gleichzeitig den Saalwächter gibt), die Nonnen verteilen fromme Grüße an die Zuschauer und der Bettler wartet auf Almosen.

Insgesamt ein von groteskem, geradezu schrillem Wortwitz und von einem hervorragendem Ensemble getragenes Stück, das die Zuschauer (hier und da wohl auch zum Nachdenken) ansteckte und das in der großartigen Gesamtleistung aller nach einem Rap im Showdown reichlichen Beifall einheimsen durfte.

 
 

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