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Nagold Freies Internet in der Innenstadt

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Die Stadt Nagold plant die Innenstadt mit einem für die Nutzer kostenfreien Internet-Zugang per WLAN zu versorgen. Foto: Fritsch

Nagold - Man muss nicht immer der Vorreiter sein. Doch ganz verschlafen sollte eine Stadt gewisse Entwicklungen auch nicht. Und so nimmt Nagold einen erneuten Anlauf, die Innenstadt mit freiem WLAN zu versorgen.

Das Thema ist vielschichtig und kann deshalb auch höchst kontrovers diskutiert werden. Eine Strahlungsdebatte kann man dabei genauso führen wie eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit. Ist es also wirklich die Aufgabe einer Kommune ihre Innenstadt mit einem für die Nutzer kostenfreien Internet-Zugang per WLAN zu versorgen?

Geht es nach den Mitgliedern des Technischen Ausschusses wird diese Frage klar mit "Ja" beantwortet. Nur drei Enthaltungen gab es für die WLAN-Pläne der Stadtverwaltung. Sieben Ausschussmitglieder stimmten dafür. Und somit ist die WLAN-Versorgung der Innenstadt dem Gemeinderat zur Zustimmung empfohlen.

Rafael Beier vom Nagolder Bauamt stellte den Ausschussmitgliedern den städtischen Plan vor. Der sieht vor, dass im Bereich der Marktstraße, des Vorstadtplatzes, des Burgplatzes, am ZOB, auf dem Longwyplatz, in der Turmstraße und der Hirschstraße freies WLAN angeboten werden kann. Und weitere Bereiche könnten folgen. Vor allem der Badepark und womöglich auch der Gerichtsplatz sind mögliche Erweiterungen.

Richtfunksender auf dem Schlossberg

Technisch seien Erweiterungen des Netzes eh kein Problem, informierte Rafael Beier in der Sitzung. Vorgesehen ist die Installation eines Richtfunksenders auf dem Schlossberg – den Sender darf man sich als etwa 30 auf 40 Zentimeter großen Kasten vorstellen. Vom Schlossberg aus werden verschiedene Zugangspunkte in der Innenstadt zentral angepeilt. Über Router und Repeater wird ein Netz für die Innenstadt aufgebaut. Zentraler Punkt ist das Rathaus, da dort die Infrastruktur genutzt werden kann.

Als Anbieter will die Stadt Nagold das Unternehmen Hotsplots wählen, das bereits die Stadtbibliothek mit WLAN versorgt. Die Stadt würde als Standortinhaber eine eigene Internetverbindung zur Verfügung stellen. Die monatlichen Kosten würden bei rund 200 Euro liegen, die Kosten für die Hadware und die Installation bei gut 40 000 Euro. Vorgesehen ist die Innenstadt mit einer Bandbreite von 100 bis 200 Mbit/s zu versorgen. Denkbar wären technisch bis zu 400 Mbit/s. Auch die Datenmenge (Traffic) kann beschränkt werden. Zum Start in Nagold ist eine Grenze von 100 MB pro Tag und Nutzer angedacht.

Vor allem wegen der Strahlensicherheit gab es im Ausschuss kritische Töne, auch wenn Rafael Beier betonte, dass mit dem gewählten System und dem engmaschigen Netz die Strahlung vergleichsweise gering gehalten werde. Die hochwertigen Router mit ihren kleinen eingebauten Antennen arbeiteten zielgerichtet und passten ihre Leistung dem Bedarf an. Sie würden wesentlich weniger streuen als zum Beispiel private Router daheim. In der nächsten Debattenrunde will die Stadtverwaltung dennoch Fachleute zu dem Thema Strahlenschutz einladen.

Städtische Intranet-Seite denkbar

Vor allem im Hinblick auf die zu entwickelnde Nagold-App hält Nagolds OB Jürgen Großmann das freie WLAN für wichtig. So ist denkbar, dass zum Beispiel eine städtische Intranet-Seite mit den wichtigsten Informationen zur Stadt eingerichtet wird –­ die Palette könnte von der Parkplatzsuche bis zum Veranstaltungskalender reichen, auch die Einbeziehung des örtlichen Handels und der Gastronomie ist denkbar.

"Wir entwickeln im Moment eine virtuelle Stadt. Wir müssen uns dringend mit dem Thema beschäftigen", mahnte auch FWV-Rätin Siegrid Plaschke an. Und Wolfgang Schäfer (CDU) machte deutlich, dass freies WLAN zur Standardausrüstung gehöre – "Wer das nicht macht, darf sich Hintertupfingen nennen." Auch Jürgen Gutekunst (FDP) warb für eine Lösung aus einem Guss – mit Cityverein und Werbering inklusive. Und Helmut Raaf (CDU) mahnte seine Kollegen: "Bedenkenträgerei und Verschleppungen bringen gar nichts." Die Veränderungen im IT-Bereich seien "viel schneller und brutaler als wir es uns immer vorstellen".

"Man muss vorsichtig damit umgehen", sagte dagegen Hochdorfs Ortsvorsteher Bruno Schmid. Es gebe strahlensensible Menschen. Und Rainer Schmid (SPD) bremste eher: "Man muss das alles nochmal ganz genau angucken." Er selbst aber sei skeptisch. Thomas Ebinger (Grüne) konnte den Vorteil nicht ganz entdecken. Vor allem wegen der gesundheitlichen Aspekte habe er große Bedenken.

Stadtoberhaupt Großmann verdeutlichte, dass seine Generation vielleicht kein freies WLAN benötige. Doch die Generation der 20-Jährigen sehe kein Fernsehen mehr, sondern sei nur im Netz unterwegs. "Das gehört dazu wie Wasser oder Strom." Von einer freundlichen Stadt würden junge Menschen auch freies WLAN erwarten.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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