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Nagold Eine Beschleunigung der Digitalisierung

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So leer wie in den Schulferien liegt er da – der Schulhof der Christiane-Herzog-Realschule.Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Der Unterricht entfällt zwar – weitergelernt wird trotzdem. Ob mithilfe von Lernpaketen, schuleigenen Messengern, Videochats oder Clouds: Die Nagolder Bildungseinrichtungen beweisen Kreativität beim Meistern der derzeitigen Lage. Das ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch eine Chance für die Zukunft zu lernen, so der Eindruck der meisten Lehrer und Dozenten.

Nagold. "Wenn der Coronavirus etwas Gutes hat, dann dass die Digitalisierung an den Schulen extrem beschleunigt wird", ist sich Andreas Kuhn, Rektor der Christiane-Herzog-Realschule, sicher. Seit einigen Tagen gibt es dort eine zur Datenschutzgrundverordnung konforme, digitale Cloud, auf die jede Klasse Zugriff hat. Dort lassen sich die Klassen wiederum in einzelne Fächer unterteilen.

Befüllt wird die Cloud von den Lehrern. "Das sind Arbeitsblätter und Aufgaben, die da gegeben werden, aber auch Links, die die Schüler abrufen können", erklärt Kuhn. Auch Lernvideos, wie etwa von dem YouTube-Kanal "Simple Club" oder "Learnattack", stehen den Schülern derzeit zur Verfügung.

Gehandhabt wird der digitale Unterricht von allen Lehrern anders, eins jedoch ist bei allen gleich: Tests, Klassenarbeiten und Präsentationen wird es vorerst keine geben. Anders ist das am Otto-Hahn-Gymnasium – dort finden auch Präsentationen online im Videochat statt. Wichtig ist das vor allem für die Abiturienten, wie Wirtschaftslehrer Ralf Bieg betont. Man probiere zwar gerade noch viel aus, allerdings gelinge es ganz gut den Unterricht in Präsenzphasen und selbständige, analoge Arbeitsphasen zu unterteilen. Der Unterricht unterscheide sich von dem im Klassenzimmer merklich nur dadurch, dass die Kommunikationssituation eine andere sei, so Bieg.

Der Rest jedoch bleibt wie gehabt. Auch die Arbeit der Schüler in Gruppen wird beispielsweise beibehalten – und das ebenso wie an der Realschule über eine Cloud wie der stellvertretende Schulleiter Ulrich Hamann erklärt. Zusätzlich gibt es einen Messenger. Wichtig: Nur der Lehrer kann eine Gruppe anlegen und mit Unterrichtsmaterialien, Erklärvideos und Aufgaben befüllen. Zusätzlich dazu verwenden manche Lehrer, wie Bieg, die Videochat-Option.

Einen Messenger soll es auch an der Christiane-Herzog-Realschule bald geben. Der befindet sich allerdings gerade noch in der Entwicklungsphase. Und auch das Gymnasium tüftelt weiterhin an den möglichen Optionen zum Heimunterricht. "Man muss ein System finden, um mehr in den Dialog zu kommen, sodass es nicht nur eine One-Way-Kommunikation gibt", bemerkt Hamann. Das bestehende Angebot komme bisher allerdings bei Schülern und Eltern sehr gut an und werde fleißig genutzt. Probleme macht dabei nicht die Technik, sondern viel banalere Dinge: "Ein großes Thema ist gerade das Drucken, weil das Papier auch in vielen Läden knapp wird und in manchen Familien nur ein PC zur Verfügung steht, sodass die Kinder nicht alles online machen können", sagt der stellvertretende Schulleiter des OHG.

Dass die Voraussetzungen für den Online-Unterricht teilweise noch nicht gegeben sind, das ist auch der Eindruck von Ulrich Schubert, Schulleiter der Zellerschule. Man könne eben auch nicht davon ausgehen, dass jede Familie über einen PC, einen Laptop und einen Drucker verfügt. Schwierig wird es auch, wenn die Kinder noch so jung sind, dass sie sich mit dem Internet und allem, was dazu gehört, kaum auskennen. Bei den höheren Klassen der Zellerschule könne man zwar auch mit Clouds arbeiten, bei den Grundschülern werde es allerdings schwierig.

Wie also können sie während der Coronakrise weiter unterrichtet werden? "Die Grundschullehrer haben Lernpakete geschnürt. Manche tatsächlich physisch, andere haben sie per E-Mail verschickt", so Schubert. Passend dazu wurden Lernpläne ausgegeben, die den Schülern eine Struktur an die Hand geben. Auch Lernhefte seien derzeit eine gute Lösung, die Schüler selbstständig arbeiten zu lassen. Natürlich sei man gerade bei den Grundschülern jedoch enorm auf die Unterstützung der Eltern angewiesen.

"Die Rückmeldung der Eltern ist ganz unterschiedlich von ›wir wissen nicht, wie wir das bewältigen sollen‹ bis zu ›das ist gut zu bewältigen‹", teilt Schubert mit. Das hänge auch von dem Lernfortschritt des jeweiligen Kindes ab. Allerdings stehe man im engen Austausch mit den Eltern, auch dank eines Newsletters, den manche Lehrer regelmäßig verschicken, um die Eltern über weitere Lernmethoden auf dem Laufenden zu halten. Auch die Lehrer der Lembergschule haben ihren Grundschulkindern für die Zeit bis zu den Osterferien Lernpakete geschnürt. Jede Woche gibt es den neuen Lernplan für die kommende Woche per Mail.

Über E-Mails wird auch hier der Kontakt zu den Eltern gepflegt. Wie schwierig es sein kann, neben der Arbeit das Kind zu unterrichten, weiß auch Petra Brauer, Schulleiterin der Lembergschule und selbst Mutter einer siebenjährigen Tochter. "Je kleiner die Kinder sind, desto mehr sind sie auf die Eltern angewiesen", so Brauers Erfahrung. Man hoffe jedoch, dass die Unterschiede in den Lernfortschritten der Kinder nach der Zeit im heimischen Klassenzimmer nicht noch größer werden.

Gleich mehrere Optionen zum digitalen Unterricht gibt es bei der Industrie und Handelskammer. Auch dort können die Lehrveranstaltungen vorerst nicht mehr stattfinden – zumindest nicht analog. Im virtuellen Klassenzimmer allerdings haben die Dozenten die Möglichkeit, ihren Unterricht fortzuführen, sogar ein Whiteboard und Video-Optionen stehen ihnen zur Verfügung, erklärt Carl Christian Hirsch, Leiter der Nagolder Geschäftsstelle. Lernmappen gibt es auch: Bestehend aus eigenen Lernvideos und Skripten, auf die die Teilnehmer zugreifen können. Dennoch müssen einzelne Lehrgangstermine in den Juni und Juli geschoben werden, um dort als Präsenzunterricht stattfinden zu können.

Auch am Berufsschulzentrum wird der Unterricht digital fortgesetzt: An der Rolf-Benz-Schule werden die Schüler über eine schuleigene Cloud mit Arbeitsmaterial und Anweisungen, mit Erklär-Videos und Lösungen versorgt. Eine Chat-Funktion ermöglicht klassen- oder kursweise den direkten Austausch über Unterrichtsinhalte. Und auch Kontrolle ist im digitalen Unterricht möglich: So können die Schüler ihre Arbeiten an den betreffenden Lehrer senden und korrigiert zurückerhalten.

Die Annemarie-Lindner-Schule setzt auf Microsoft Teams, ein Programm, das Gruppenchats, Online-Meetings und Teamarbeit ermöglicht. "Vor der Schulschließung waren auf unserer Office365-Plattform auf sechs Kanälen 33 Teilnehmer aktiv. Inzwischen sind auf 402 Kanälen 435 aktive Teilnehmer", berichtet die Schulleiterin Ilona-Maria Cwik-Lorz. Die Einrichtung der Zugänge und die Zuordnung zu den jeweiligen Klassen-Teams sei ein Kraftakt gewesen, der nur dank der engagierten Lehrkräfte und Netzberater Jörn Schaal und Heinz Krettek möglich gewesen sei.

Die 24 Berufsschulklassen der kaufmännischen Schule werden über geteilte Ordner in Microsoft OneDrive mit Arbeitsmaterial versorgt und betreut. Wohlwissend, dass viele Auszubildenden gerade jetzt in ihren Betrieben dringend benötigt werden, um teils systemrelevante Zweige aufrecht zu erhalten. Die 16 Vollzeitklassen werden über Microsoft Teams betreut und haben einen festen digitalen Stundenplan, wo sie Aufgaben bearbeiten, teilen und in Videokonferenzen mit den Lehrkräften den Unterrichtsstoff erarbeiten. Ebenfalls werden Arbeitsaufträge eingesammelt und mit Feedback korrigiert ausgetauscht.

Die Digitalisierung ist also sowohl bei Schulen als auch bei anderen Bildungseinrichtungen in Nagold auf dem Vormarsch. Die Hoffnung: Die Krise nutzen zu können, um für die Zukunft daraus zu lernen und vor allem, um vorbereitet zu sein.

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