Die albanische Gruppe Rinia zeigte schwungvolle Bewegungen bei ihrer Tanzeinlage. Foto: Geisel

Eröffnung: Neues Bürgerzentrum offiziell eingeweiht / Verantwortliche sind reihum zufrieden

Von Jacqueline Geisel

Von Leben und Lachen erfüllt war das frisch eröffnete Bürgerzentrum: Interessierte gingen ein und aus, Tanz und Kerzenziehen zogen die Blicke auf sich und die Verantwortlichen blickten auf die Entstehungsgeschichte des Pilotprojekts zurück.

Nagold. Bunte Luftballons, dutzende Infoflyer in allen Variationen und einige Vertreter der Organisationen, die die Räume des Nagolder Bürgerzentrums künftig nutzen werden – 20 an der Zahl plus das Kinderbüro – erwarteten am Samstagmorgen die Besucher.

In Form einer Hausmesse präsentierten sich Bürgerzentrum und Institutionen der breiten Öffentlichkeit. Einige Besucher und auch die Institutions-Vertreter untereinander tauschten sich aus und sprachen über aktuelle Projekte. Werner Baumeister, der beim Bau als Schnittstelle zwischen Urschelstiftung, Bauplanung und Nutzergruppen fungierte, zeigte sich zufrieden mit der Resonanz: "Der Raum ist gefüllt, es ist ein vielfältiges Angebot da."

Im Flurbereich hatten die Viertklässler der Lembergschule ihre Zelte aufgeschlagen. Die Jungimker mit eigenen Bienen auf der Schulwiese zogen Kerzen aus selbst gewonnenem Bienenwachs und verkauften selbst hergestellten Honig. Ein Teil des Erlöses geht an den Hilfsverein Netz und kommt so Kindern in Bangladesh zugute. Einen Teil behalten die Schüler für ihren Ausflug ins Schullandheim, wie Projektleiterin Rose Hauenstein, berichtete. Schwungvoll ging es beim Auftritt von "Rinia" zu, der Tanzgruppe des albanischen Kulturvereins. Dank schwarzer Kleidung und wehenden roten Tüchern kamen die rhythmischen Bewegungen der Tänzer besonders gut zur Geltung.

Mit rund 80 Gästen wurde die offizielle Eröffnung am Freitagabend gefeiert. "Man muss ja wirklich gerührt sein, wenn man die Menschenmenge sieht", freute sich Ulrich Mansfeld, Vorsitzender der Urschelstiftung, die Träger des Bürgerzentrums ist. Wann die ersten Ideen aufkamen und Form annahmen, berichteten Ilselore Wiedmann, Vorstandsmitglied bei der Urschelstiftung, und Eberhard Schwarz, Vorsitzender des Stadtseniorenrates. "Eigentlich geht alles zurück auf das Stadtmarketing, das 1994 entstand", erzählte Wiedmann. Im Arbeitskreis Bildung, Wohnen und Soziales sei 1997 erstmals die Idee einer Familienbegegnungsstätte aufgekommen. 2002 bis 2003 habe sich der Arbeitskreis mit dem Thema beschäftigt, es entstand der Arbeitstitel Bürgertreff. Nach und nach habe sich das Wort und der Gedanke des Bürgerzentrums herauskristallisiert. Die Recherche vergleichbarer Modelle konnte beginnen, parallel dazu die Standortsuche.

An diese Zeit erinnert sich auch Eberhard Schwarz noch gut. "Wir haben festgestellt, dass keiner solch ein Bürgerzentrum betreibt, wie wir es uns vorstellen", meinte er. und fügt an: "Es ist ein richtiges Pionierprojekt." Dem pflichtete Sozialdezernent Norbert Weiser vom Landratsamt Calw bei: "Das ist landesweit sicher eines der ersten Projekte, die so etwas vorhaben." Wolf Eisenmann, Vorsitzender von Leader Heckengäu, die das Bürgerzentrum finanziell unterstützten, äußerte sich ähnlich: "Solch eine Einrichtung findet man wirklich selten. Wir waren sehr, sehr glücklich, dass so ein Projekt auf unserem Tisch gelandet ist."

Im Sommer 2015 konnten die heutigen Räume im Burgcenter von der Stadt gekauft werden. So manche witzige Geschichte vom Umbau erzählten Florian Alber vom Baudezernat und Werner Baumeister. "Das hat top funktioniert", blickte Baumeister zurück. "Man sieht das Geschäft eigentlich gar nicht mehr", wie Alber mit einem Blick auf die modernen, funktional gestalteten Räume feststellte. Einige Steine habe man in den Weg geworfen bekommen, nichtsdestotrotz konnte der Zeitplan eingehalten werden. "Wir schlagen heute eine neue Seite für das Ehrenamt und den Bürgersinn in Nagold auf", brachte Oberbürgermeister Jürgen Großmann seine Freude zum Ausdruck.

"Ohne finanziellen Rückenwind wäre das nicht zu stemmen gewesen", hob Ulrich Mansfeld hervor. Einer von vielen Spendern war Gerda Rudolf, die dem Bürgerzentrum so viel Rückenwind, sogar einen "Rückenorkan oder -hurrikane", so Mansfeld, gab, dass der große, trennbare Raum des Bürgerzentrums nun den Namen "Gerda-Rudolf-Forum" trägt. Die Stiftungsratsvorsitzende freute sich sichtlich über diese Anerkennung.

Mit gekonntem, gefühlvollem Gesang und eigenen Arrangements moderner Musik begeisterten die "Ambitussen" Aileen und Mira Hofmann, Alissia Przybysz und Lina Hufschmidt vom Vokalensemble des Otto-Hahn-Gymnasiums.

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