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Nagold Ehepaar haucht Bahnhof wieder Leben ein

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Foto: zweib Architektur

Nagold - Das Sprichwort "Totgesagte leben länger" gilt wohl auch für den neuen alten Nagolder Bahnhof, der bis 2017 von der Deutschen Bahn betrieben wurde. Das Ehepaar Fleckenstein kaufte das Gebäude und leitete eine umfangreiche Sanierung ein. Die Denkmalstiftung förderte das Projekt auch aus Mitteln der Lotterie Glücksspirale.

"Wenn du etwas machst, dann richtig und mit Leidenschaft", so lautet das Lebensmotto von Heike Fleckenstein. Um diesem Anspruch bei der Sanierung des Nagolder Bahnhofs gerecht zu werden, mussten Heike und Reinhold Fleckenstein nicht nur viel Geld in die Hand nehmen, sondern auch die richtigen Partner für die Planungen und Sanierungsmaßnahmen finden. Und dies sei dem Investoren-Paar auch "ohne Frage" gelungen, meinte Heike Fleckenstein bei einem Besichtigungsrundgang durch das historische Gebäude.

So sei die Zusammenarbeit mit dem Architektenpaar Julia und Roman Benz und dem langjährig berufserfahrenen Architekten Horst Walz, der dem Benz-Paar stets in beratender Funktion zur Seite stand, "zu 100 Prozent die richtige Entscheidung" gewesen, betonte Heike Fleckenstein rückblickend auf die Investitionen und Baumaßnahmen der jüngsten Vergangenheit.

Bahn nutzt Gebäude von 1872 bis 2017

Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude an der Nagoldtalbahn war von 1872 bis 2017 von der Deutschen Bahn als Schalter- und Empfangsgebäude genutzt worden. Das Fundament des Gebäudes sei im 19. Jahrhundert zwar schon "sehr solide" gebaut, in den Jahren danach – insbesondere in den vergangenen paar Jahrzehnten – nur noch "hier und da geflickt" worden, erklärte Architekt Roman Benz. Dementsprechend gab es viel zu tun. Mit Hochdruck arbeiteten alle Beteiligten daran, das Gebäude aus der Vergangenheit in die Zukunft zu führen. Insgesamt seien 23 Firmen auf der Baustelle tätig gewesen. "Zu Hochzeiten der Baustelle arbeiteten hier bis zu 15 Firmen auf relativ engem Raum. Auf der Baustelle waren zeitweise so viele Handwerker, dass sogar die Wendeplatte gesperrt werden musste", erläuterte Roman Benz.

Die Sanierung des Gebäudes stellte sich als ein Balanceakt zwischen der Aufrechterhaltung der historischen Architektur und der Erneuerung mit Blick auf die Zukunft dar. Diesen Balanceakt zu meistern, sei nicht immer einfach gewesen.

So habe die Denkmalstiftung Baden-Württemberg zunächst Kritik vorgetragen, als es um die Errichtung einer Photovoltaikanlage ging, wie Rainer Prewo, der ehemalige Nagolder Oberbürgermeister und jetzige Vorsitzende der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, anmerkte. Eine weitere Herausforderung stellte die Erneuerung der Schindelfassade im oberen Geschoss dar. Dabei mussten rund 120 000 Holzschindeln ersetzt werden, um die historische Optik zu erhalten. Im Erdgeschoss wurde kürzlich die Gaststätte Tommis Steakhouse, Bahnhof 1872 eröffnet, um das historische Gebäude "mit Leben zu füllen", so Heike Fleckenstein. Ein neuer Fahrstuhl und die Instandsetzung des Treppenhauses runden die Arbeiten an dem alten Bahnhofsgebäude ab.

Prewo: Sanierung ist "rundum sehr gelungen"

"Heute kommt auch mehr vom Denkmal zum Vorschein als es zu den Endzeiten der Deutschen Bahn der Fall war", meinte Rainer Prewo. So sei während der Umbauten und Restaurierungsarbeiten beispielsweise im Innenbereich des Gebäudes eine alte Eisensäule wieder zum Vorschein gekommen. Über das private Engagement der Fleckensteins freue man sich in der Denkmalstiftung sehr. Aus Sicht der Denkmalstiftung sei die Bahnhofssanierung "rundum sehr gelungen", erklärte Prewo und gratulierte den Investoren Heike und Reinhold Fleckenstein zur erfolgreichen Umsetzung der Baumaßnahmen.

Die drei Räume im Obergeschoss des Gebäudes werden in drei Büroeinheiten aufgeteilt. Einer dieser drei Räume ist als künftiges Büro für die Privatstiftung von Heike und Reinhold Fleckenstein geplant. Bislang habe das Ehepaar die Stiftung von zu Hause aus organisiert. "Selbst wir beide sind nicht für die Ewigkeit", bemerkte Reinhold Fleckenstein. "Unsere Stiftung soll aber für die Ewigkeit erhalten bleiben", postulierte er. "Wir hatten daher die Idee, für unsere Stiftung ein Domizil in diesem historischen Gebäude zu schaffen. Dies dürfte uns auch einigermaßen gelungen sein", sagte er.

Die Stiftung des Investoren-Ehepaars hilft mit, dass Grundbedürfnisse von benachteiligten Kindern und Jugendlichen befriedigt werden können. So startete das Nagolder Unternehmerpaar etwa im Oktober diesen Jahres das Projekt "Frühstück für Dich" an der Lembergschule, bei dem die Schüler zweimal jede Woche ein kostenloses Frühstück vor Unterrichtsbeginn bekommen. Die Privatstiftung der Fleckensteins setzt sich im regionalen Bereich aber auch für die Musikschule, für Sportvereine, für die Kunstschule, oder auch für Jugend forscht ein. Überregional unterstützt sie Unicef, Ärzte ohne Grenzen, SOS-Kinderdorf, Misereor und Ein Herz für Kinder.

Dass der historische Bahnhof von Nagold mit der umfassenden Sanierung zu neuem Leben erweckt werden konnte, sei den Investoren Heike und Reinhold Fleckenstein zu verdanken, so der ehrenamtliche Geschäftsführer der baden-württembergischen Denkmalstiftung, Peter Rothemund. Es sei "ein ausgesprochener Glücksfall" gewesen, dass sich Heike und Reinhold Fleckenstein dazu bereit erklärt hätten, "das Gebäude für die Zukunft vorzubereiten", meinte Rothemund. Andernfalls hätte "wohl oder übel" die Stadt für die Sanierung des alten Bahnhofs Geld ausgeben müssen. "Mit großem persönlichem Engagement und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege" hätten die Fleckensteins "ein Baudenkmal für moderne und zeitgemäße Nutzungsmöglichkeiten" umgestaltet, meinte Rothemund.

Erhebliche Mittel aus der Lotterie Glücksspirale

Zur Unterstützung des Bauprojekts fördert die baden-württembergische Denkmalstiftung die Arbeiten mit einem großzügigen Betrag, den die Denkmalstiftung "aus Datenschutzgründen" nicht öffentlich nennen darf. Neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital erhält die baden-württembergische Denkmalstiftung auch erhebliche Mittel aus der Lotterie Glücksspirale. So fließen jährlich etwa 28 Millionen Euro aus Lotteriemitteln in den Denkmalschutz, wobei der wesentliche Anteil in Höhe von etwa 25 Millionen Euro aus dem Wettmittelfonds stammt, den das Land aus den Erlösen der staatlichen Lotterie bildet.

"Das Geld aus der GlücksSpirale macht es der Denkmalstiftung Baden-Württemberg möglich, wertvolle Kulturdenkmale zu erhalten", sagte Lotto-Direktor Norbert Müller beim Besuch in Nagold. Denkmalschutz sei wichtig, weil er "Orte zum Feiern, Erleben und zur Besinnung" und damit auch die Identität der Stadt bewahre. Lotto Baden-Württemberg leiste insoweit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag dazu, dass "die Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft" geschlagen werde, so der Lotto-Direktor.

Heike und Reinhold Fleckenstein bedankten sich schließlich bei allen Beteiligten, insbesondere auch für die unermüdliche Unterstützung der Handwerker, und waren davon überzeugt, dass es bei dem gesamten Bauprojekt nur einen wahren Gewinner gebe, "nämlich die Stadt Nagold".

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