Hans-Joachim Fuchtel informierte sich bei Martina Lehmann von der Arbeitsagentur (Symbolfoto). Foto: Seeger/dpa

Hans-Joachim Fuchtel informiert sich bei Arbeitsagentur. Auch Sanktionen sind Thema.

Nagold - Ein arbeitsloser Mann bekommt von der Arbeitsagentur eine Arbeitsstelle vermittelt, doch nach kurzer Zeit wirft er aus nicht nachvollziehbaren Gründen alles wieder hin. In diesem Moment muss er mit strengen Sanktionen der Arbeitsagentur rechnen. Und die sind für jeden gleich – egal ob Schwabe oder Flüchtling.

Immer wieder wird der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel mit Fällen wie dem geschilderten konfrontiert – vornehmlich wenn es dabei um Flüchtlinge geht. Unter anderem aus diesem Grund besuchte der Abgeordnete jetzt Martina Lehmann, die Chefin der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, um zu erfahren wie die Arbeitsagentur in seinem Wahlkreis mit solchen Fällen verfährt. Und Lehmann machte bei Fuchtels Besuch deutlich, dass man auf der einen Seite viel für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt tue, auf der anderen Seite auch sanktioniere, wenn ein Flüchtling die Bemühungen torpediere, indem er einen Job oder eine Ausbildung ohne nachvollziehbaren Grund vorzeitig beende. Die Sanktionen bestehen zunächst aus einer Kürzung der Lohnersatzleistungen um 30 Prozent. Nach Angaben von Ortwin Arnold, Chef des Jobcenters Kreis Calw, kann der Wert bis zu 60 Prozent ansteigen, dann arbeite man zusätzlich mit Lebensmittelgutscheinen. Das seien im Übrigen keine leeren Drohungen, betont Lehmann. "Es wird so gemacht", sagt sie. "Und dabei werden im Übrigen auch keine Unterschiede zwischen Flüchtlingen und Deutschen gemacht."

Was das Ziel der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt angeht, zeigte sich Lehmann beim Besuch von Fuchtel sehr zufrieden. Man habe mehr als 1000 von ihnen in Arbeit gebracht, zehn Prozent davon in eine Ausbildung.

Natürlich war auch der Fachkräftemangel Thema beim Besuch des ehemaligen Staatssekretärs im Bundesarbeitsministerium in der Arbeitsagentur Nagold. Dort konnte ihm Martina Lehmann berichten, dass man in der Agentur mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuche, Menschen ohne Ausbildungsabschluss einen solchen zu verschaffen. Und da habe man in Nagold durchaus etwas vorzuweisen. "Keine andere Agentur in Baden-Württemberg ist auf diesem Gebiet erfolgreicher als wir", so Lehmann.

Beim Thema Fachkräftemangel dürfe man sich nicht nur auf Flüchtlinge und zielgerichtete Einwanderung verlassen, mahnte sie. Man müsse auch die vor Ort vorhandenen Potenziale nutzen. Als ein Beispiel nannte Lehmann dabei die Frauen, die oft in Teilzeitjobs arbeiteten. Würden die ihre Stundenquote erhöhen, könnte man dadurch mehrere tausend Facharbeiter in der Region gewinnen.

Etwas weniger problembeladen ist dagegen der Ausbildungssektor. Da stehen derzeit 1900 offene Stellen rund 1300 Bewerbern gegenüber. "Die Chancen für die Jugendlichen waren nie besser", so Lehmann.

Diese Konstellation bringt es allerdings mit sich, dass viele Jugendliche viele Bewerbungen am Laufen haben, bei einer Zusage für einen Platz aber die anderen Bewerbungen nicht zurückziehen. Das bringe so manchen Arbeitgeber in die Bredouille, weil der erst kurz vor Toreschluss erfahre, dass sein Ausbildungsplatz nun doch nicht besetzt wird, berichtete Fuchtel, der mahnte: "Jugendliche sollten bei einer Entscheidung für eine Stelle die anderen Bewerbungen zeitnah zurückziehen", so der Staatssekretär.

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