Thomas Eisseler blickte auf zahlreiche Projekte zurück. Foto: Gezener Foto: Schwarzwälder Bote

12. Stifterforum: Organisation zieht Bilanz und hat sich für die Zukunft noch viel vorgenommen

Beim 12. Stifterforum der Urschelstiftung blickte der Vorstand nicht nur zurück sondern auch auf die Zukunft. Martina Lehmann, Vorsitzende der Agentur für Arbeit, hielt einen Gastvortrag zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten.

Nagold. Mit mehr als zwölf Jahren habe die Urschelstifung schon "eine wahnsinnig lange Zeit" auf ihrem Buckel, stellte Thomas Eisseler, Sprecher des Vorstandes der Urschelstiftung, gleich zu Beginn seiner Rede fest. Besonders stolz zeigte sich Eisseler über Veranstaltungen, die das Zusammenleben der Menschen förderten. Dazu gehöre beispielsweise das Boule-Turnier. Das sehr gut besuchte Burgfest sei eine weitere "ganz fantastische Geschichte" gewesen. "Um 12.30 Uhr waren die Würste schon ausgegangen", erinnerte sich Eisseler. Die musikalische Darbietung von 22 jungen Nachwuchskünstlern bei dem Konzert "Sommermusik im Oberen Nagoldtal" im Bürgerzentrum war für Eisseler "ein Genuss".

Unter dem Motto "Nagold bewegt und bewegt sich für eine gute Sache" habe im September der sechste Urschel-Spendenlauf stattgefunden, an dem "fast 100 Läufer" teilgenommen hätten. Der Spendenlauf sei "von Anja Lohr und ihrem Team toll organisiert worden". Der Erlös floss in das Akku-Pro-Projekt. Bei Akku-Pro lernen Schüler des OHG gemeinsam mit jüngeren Schülern aus der Zellerschule und der Burgschule gemeinsam.

Neben den zahlreichen organisierten Veranstaltungen ging Eisseler auch auf einige der insgesamt 34 Projekte, die 2019 von der Urschelstiftungen moderiert, gefördert und in sonstiger Weise unterstützt wurden, ein. Eines dieser Projekte betreffe den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum in der Stadt. Dass die Errichtung zweier "Hoffnungshäuser" im Baugebiet Hasenbrunnen geplant sei, davon hält Eisseler große Stücke. Das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft unter einem Dach, trage zur Integration in alle Richtungen bei.

2019 war auch ein Jahr personeller Neuausrichtungen

Für 2020 will man sich bei der Urschelstiftung aber auch "etwas Neues auf die Fahne schreiben". So wolle man in diesem Jahr verstärkt das Thema Umwelt in Angriff nehmen und mit dem Projekt "Urschelstiftung goes green" den ökologischen Schwerpunkt forcieren. Mit dem Umweltprojekt wolle man sich – in enger Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Jugendgemeinderat der Stadt Nagold – insbesondere Gedanken um Alternativen zu Verpackungen und zur Müllvermeidung machen, erklärte Eisseler. Als geplante Aktionstage stünden der 16. und der 17. Oktober im Raum.

2019 sei auch ein Jahr personeller Neuausrichtungen gewesen, sagte Eisseler. So seien er und Werner Baumeister zu Sprechern des Vorstandes berufen worden, während Ilselore Wiedmann und Ulrich Mansfeld aus dem Vorstand verabschiedet worden seien. Aus Protokollen des Ausschusses für Kultur, Umwelt und Soziales (Kusa) gehe hervor, dass Ilselore Wiedmann bereits 1999 die Idee einer Urschelstiftung hervorgebracht habe. Sie sei nicht nur deshalb als "Spiritus rector" anzusehen, sagte Eisseler. Wiedmann sei aber "nicht nur Visionärin, sondern auch Macherin" gewesen und habe gemeinsam mit Ulrich Mansfeld wesentlich dazu beigetragen, dass die Urschelstiftung in den vergangenen zwölf Jahren "immer mehr ins Zentrum der Stadt" gerückt sei.

Über die finanzielle Situation der Urschelstiftung referrierte dann der stellvertretende Sprecher der Urschelstiftung, Werner Baumeister. Im vergangenen Jahr habe die Urschelstiftung insgesamt gut 50 000 Euro eingenommen, davon rund 24 000 Euro allein aus Spenden. "Ohne diese Spenden hätten wir unsere Projekte und Aktionen 2019 nicht betreiben können", sagte Baumeister.

Ihr Erfolgskonzept lautete "Mut zum Risiko"

Ein absolutes Novum stelle die für die Urschelstiftung hinterlassene Erbschaft Helga Wizemanns dar. Das Erbe in Höhe von 450 000 Euro sei "einmalig", bemerkte Baumeister. Das Geld solle in einem separaten Stiftungsfond verwaltet und mit den Erträgen aus dem Kapital "sauber umgegangen" werden. Auf Wunsch der Verstorbenen – dies sei per Testament auch so geregelt – solle das Geld für die Altenhilfe verwendet werden.

Anschließend hielt Agentur-Chefin Martina Lehmann einen Gastvortrag zu den Erfolgen und Herausforderungen der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Ende 2015 seien etwa eine Million Schutzsuchende aus dem Nahen Osten und aus Afrika nach Deutschland gekommen. Die Gesetzeslage zur damaligen Zeit sei "alles andere als eine Willkommenskultur" gewesen, sagte Lehmann. Ihr Erfolgskonzept lautete daher "Mut zum Risiko".

Sie habe ihr Mitarbeiter dazu angewiesen, die Gesetze positiv anzuwenden, so dass sie den betroffenen Menschen nutzten, anstatt ihnen das Leben noch schwieriger zu machen. Auf diese Weise sei der Eingliederung von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt im regionalen Vergleich "überdurchschnittlich gelungen".