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Nagold "Die Schüler für diese wilde Welt fit machen"

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Ulrich Hamann ist der neue Schulleiter am Otto-Hahn-Gymnasium Nagold. Foto: Hofmann Foto: Schwarzwälder Bote

18 Jahre war Walter Kinkelin Chef am Otto-Hahn-Gymnasium. Dieser Tage ging er in den Ruhestand. Wer die Nachfolge antritt, das wurde kaum diskutiert. Das lag wohl auch daran, dass sich mit Ulrich Hamann sozusagen der "natürliche Nachfolger" um den Posten beworben hatte. Mit Erfolg. Dieser Tage wurde er zum Schulleiter berufen.

Nagold. Von wegen, der Prophet im eigenen Land gilt nichts. Uli Hamann tritt den Gegenbeweis an. In Nagold ist er bereits bestens bekannt, nicht nur als stellvertretender Schulleiter des OHGs, auch als Gemeinderat, als Abteilungsleiter der VfL-Fußballer, als engagiertes Gemeindemitglied der evangelischen Kirche und, und, und.

Da liegt es auf der Hand, dass der Schulträger – also die Stadt Nagold – ein klares Votum für Hamann als Kinkelin-Nachfolger gefällt haben dürfte. Und ähnliches gilt wohl auch für das Oberschulamt Karlsruhe, das Hamann in seinem Bewerbungsverfahren offensichtlich auch überzeugen konnte – andernfalls wäre er erst gar nicht dem Nagolder Gemeinderat als Kandidat für den Schulleiterposten vorgeschlagen worden.

Letztlich hat sich das Ganze dann aber doch in die Länge gezogen. Beworben hatte sich Uli Hamann bereits vor einem Jahr auf die ausgeschriebene Stelle, und das Bewerbungsverfahren war eigentlich auch bereits im Februar dieses Jahres abgeschlossen. Die endgültige schriftliche Zusage mit der Ernennung zum Schulleiter zum 1. August dieses Jahres erreichte ihn dann aber erst am 30. Juli. Gerade noch rechtzeitig, um von einem fließenden Übergang sprechen zu können.

Den wird es natürlich eh geben. Schließlich hat sich Hamann nicht als Schulleiter am OHG beworben, um plötzlich alles anders zu machen. Im Gegenteil, viele eingeschlagene Wege will er konsequent weitergehen. Schließlich war er ja auch in den Jahren zuvor schon mitverantwortlich für viele Entscheidungen und Entwicklungen am Nagolder Gymnasium.

Kurz zur Vita: Im Jahr 1968 ist Uli Hamann in Hannover auf die Welt gekommen. Seine Lehrerkarriere ist nahezu komplett von der Zeit am OHG geprägt. 1997 kam er als Referendar an die Nagolder Schule. Danach war er für ein Jahr Klassenlehrer einer VKL-Klasse in Böblingen, um dann bereits ab 1999 wieder als Mathe- und Reli-Lehrer am OHG zu arbeiten. Hamann übernahm schnell Verantwortung, setzte Akzente, und stieg bereits 2007 zum stellvertretenden Schulleiter auf.

Nach 13 Jahren als Stellvertreter sieht Hamann die Zeit gekommen, um etwas anderes zu machen. Hätte es mit dem Schulleiterposten in Nagold nicht geklappt, er hätte sich wohl früher oder später um eine andere Schulleiterstelle in der Region beworben.

Doch so weit musste es nicht kommen. Die Bewerbung um den Schulleiterposten am OHG war für Hamanns Karriere jedenfalls nur konsequent. "Wir fühlen uns in Nagold wohl", erzählt er. Im OHG, da stecke viel Herzblut von ihm drin. "Wenn man lange in der zweiten Reihe steht, dann will man irgendwann mal auch zeigen, dass man auch ganz vorne stehen kann", sagt Hamann. Und natürlich, das Kollegium, die gesamte Schulgemeinschaft – am OHG gibt es beste Voraussetzungen. Auch für ihn persönlich. Hamann wird geschätzt, nicht nur im Kollegenkreis, auch bei Eltern und Schülern.

"Das ist schon meine Traumstelle", erzählt er. "Eine spannende Stelle." Vor allem die Breite am OHG fasziniere ihn, die will er unbedingt erhalten. Gerade auch, weil das OHG eine ländliche Schule ist, gelte es möglichst viele Schwerpunkte abzudecken, um somit auch den ganz unterschiedlichen Begabungen der Schüler gerecht zu werden. Der Musikbereich, die Theater-AGs, die Jugend-Forscht-Aktivitäten, Schulversuche wie die Tablettklasse, Digi-Mint-Plus-Angebote mit dem Jugendforschungszentrum oder auch Zusatz-Angebote im Sprachenbereich – das OHG ist für ein allgemeinbildendes Gymnasium extrem breit aufgestellt. Und extrem aktiv.

"Die Schüler für diese wilde Welt fit machen", das ist eines von Hamanns Anliegen. Dabei ist ihm nicht erst durch Corona klar geworden, in welch schnelllebigen Zeiten wir leben. Gerade auch die Entwicklungen im Bildungsbereich sind zum Teil rasant – oder sollten es zumindest sein. Lösungen zu finden – als Mathelehrer sei ihm das wichtig. "Es gibt für alles eine Lösung", sagt der Mathematiker Hamann gerne. Und wenn es die dann doch einmal nicht gibt? Dann kommt der Reli-Lehrer Hamann. Und der sagt, dass es eben doch nicht für alles eine Lösung gibt. Hamann: "An der Schule wirst Du mitunter mit Problemen konfrontiert, die kannst Du als Schule nicht lösen."

Beim Thema Kommunikation will der neue OHG-Chef Akzente setzen. Mehr effektive Gespräche mit Workshopcharakter – damit will er dem immer größer werdenden Zeitmangel begegnen. Von "dynamischeren Kommunikationswegen", spricht Hamann.

Dann ist da noch das Bildungs-Dauerthema Chancengleichheit. "Da müssen wir immer dran bleiben."

Und wichtig ist dem Schulchef auch, die Schule mehr mit der Stadtgesellschaft zu verknüpfen. Mit der Musikschule und dem Jugendforschungszentrum ist das schon gut gelungen. Doch Hamann schweben weitere Beispiele vor Augen: die Stadtbibliothek, die Sportvereine und ganz wichtig auch die Wirtschaft. Mehr "Berührungen mit der Gesellschaft" – das biete sich am OHG an. Auch, weil immer mehr Lehrer mittlerweile nach Nagold ziehen. Und das bietet sich natürlich auch für Uli Hamann persönlich an. Ehrenamtlich ist er in dieser Stadt nämlich bereits stark engagiert – in der Komunalpolitik als FWV-Stadtrat, beim VfL Nagold als zweiter Vorsitzender und als Abteilungsleiter der Fußballer. Und seit vielen Jahren auch in verschiedenen Funktionen der evangelischen Gemeinde. Ob sich all diese Ehrenämter auch mit seinem neuen Job als Schulleiter und damit Chef von 110 Lehrern unter einen Hut bringen lassen?

Da ist auch Hamann skeptisch. "Ich muss wohl ehrenamtlich etwas abbauen", sagt er nachdenklich. Denn klar sei, dass er mit ganzer Kraft für die Schule da sein wolle. Wahrscheinlich werde er im sportlichen Bereich kürzer treten. Bei den Fußballern. Aber auch, wie sich der Schulleiterposten auf Dauer mit dem Gemeinderatsmandat vertrage, müsse sich noch zeigen. "Ich muss Abstriche machen", erkennt Mathelehrer Hamann. Und der Religionspädagoge in ihm fügt hinzu: "Auch ich bin eben endlich in meinen Ressourcen."

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