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Nagold Der Metropolexpress dauert noch

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Der Metropolexpress (MEX), der Nagold umstiegsfrei mit Stuttgart und dem dortigen Flughafen verbinden wird, kommt. Allerdings frühestens wohl in elf Jahren. Das rechnete Bahn- und Nahverkehrsexperte Ulrich Grosse jetzt Gästen einer Info-Veranstaltung der SPD vor.

Nagold. Knapp drei Dutzend Neugierige wollten sich von Grosse quasi "aus erster Hand" erklären lassen, was der aktuelle Planungsstand in Sachen MEX ist. Eigentlich war die Veranstaltung für die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs geplant, denn Daniel Steinrode, stellvertretender SPD-Ortsverbandsvorsitzender und Sprecher der SPD-Fraktion im Nagolder Gemeinderat, verband die Einladung Grosses gleich mit einem ganzen Bündel von politischen Forderungen – so die unbedingt gleichzeitige Anbindung der Nagolder Teilorte an die kommende, neue Zugverbindung.

Doch der aus Nagold stammende Grosse ist, wie er selbst eindrucksvoll erläuterte, ein extrem begehrter Planungs-Experte in Sachen Bahn; auch das jetzt favorisierte MEX-Konzept, mit dem Nagold mit einer sogenannten "Flügelung" an die Verbindung Freudenstadt-Stuttgart angeschlossenen werden soll, stammt von ihm.

MEX wird auch in Hochdorf halten

So war erst jetzt – nach der Wahl – Zeit für diese Veranstaltung, was dem extrem informativen Abend aber auch gut tat: weniger Wahlkampf, mehr Fakten. Und die hatten es auch für jene "in sich", die das Thema Metropolexpress bereits seit Jahren verfolgen.

Eine der neuen Erkenntnisse dabei: mit dem MEX nach Nagold wird es "auf jeden Fall" eine Reaktivierung des Haltepunkts im Nagolder Teilort Gündringen geben (müssen). Denn hier zweigt von der Strecke nach Freudenstadt der Schienenstrang nach Nagold ab. Auch in Hochdorf wird der MEX halten – denn hier wird er "getrennt" und "vereinigt" werden: Der vordere Zugteil fährt weiter nach Nagold, der hintere nach Freudenstadt (die "Flügelung"). Oder – in die andere Fahrtrichtung: Hier werden beide Zugteile aus Freudenstadt und Nagold für die Weiterfahrt nach Böblingen, Stuttgart-Flughafen und Stuttgart-Hauptbahnhof zu einem Zug zusammengehängt.

Aber ob – wie Gündringen und Hochdorf – auch weitere Nagolder Teilorte vom MEX "bedient" werden, zum Beispiel Emmingen, das ja auch direkt an der Schiene (bisher der Kulturbahn) liegt, bleibt offen.

Eigentlicher "Knackpunkt" aber bei der Umsetzung des MEX: Das "Nadelöhr" Stuttgart-Flughafen, über das künftig die Trasse der Gäubahn, die auch der MEX in weiten Teilen nutzen wird, führen soll. Dort muss dafür ein dritter Bahnsteig gebaut werden – verbunden mit den notwendigen Gleisarbeiten. Gegen die sich insgesamt diverse Rechtsstreitigkeiten ankündigen – mit zeitlich ungewissem Ausgang. "Eigentlich" könnte Ende 2025 die neue Strecke fertig sein. Aber wenn der Rechtsstreit durch alle Instanzen geht, könne man locker noch mal mindestens fünf Jahre drauf rechnen. Die Bahn selber, so Grosse, gebe derzeit keine zeitliche Schätzung ab, wann die neue Trasse tatsächlich für den MEX (und die Gäubahn) zur Verfügung stehen könnte.

Spannende Information am Rande: Laut Grosse hat der Bund für den Ausbau der Gäubahn (in der Achse Stuttgart-Zürich) mittlerweile stolze 550 Millionen Euro bereit gestellt, um einen umfassenden Ausbau zu finanzieren.

Panorama-Strecke wird Rad-Schnellweg

Nach den jüngsten Schwierigkeiten dort nach einer Totalsperrung, soll die Gäubahn-Achse eine fixe Ausweich- und Entlastungsstrecke für die Rheintalbahn werden – wovon auch die hiesige Region durch auch insgesamt bessere Bahn-Anbindungen profitieren werde. Und auch das war für die Zuhörer von Grosse ein spannender Exkurs, der mit dem Aus- und Umbau der Gäubahn zusammenhängt: Die bisher von der Gäubahn bei der Einfahrt nach Stuttgart-Hauptbahnhof genutzte, sogenannte "Panorama-Strecke" soll nach der Freigabe der neuen Trasse über den Flughafen in einen "Rad-Schnellweg" umgewandelt werden. Mehr noch: Die Bereiche links und rechts dieser Trasse will die Stadt Stuttgart dann in ein "komplett autofreies" Modell-Stadtviertel umwandeln, das nur noch mit dem Rad und ÖPNV ("autonom fahrende Busse") angefahren werden dürfte. "Und das in der automobilen Hauptstadt!", zeigte Grosse damit auch den insgesamt dramatischen Kulturwandel in Sachen Verkehrsplanung und Urbanität auf.

Was auch mit dem MEX-Ausbau für Nagold verbunden sein wird: die bestehende – und extrem erfolgreiche – Schnellbus-Verbindung Altensteig-Herrenberg, die bisher für die schnellstmögliche Anbindung der Region in Richtung Stuttgart sorgt, wird mit Start des MEX eingestellt werden, beziehungsweise in eine Linie mit "Feinerschließungsfunktion" (also deutlich mehr angefahrenen Haltestellen) umgewandelt. Parallel sollen auch Zubringer-Busverbindungen entstehen, die etwa den Großraum Haiterbach an (den neuen Bahn-Haltepunkt) Gündringen anschließen.

Und noch eine "Extra"-Info von Grosse zur bestehenden Kulturbahn: Mit dem Fahrplanwechsel im kommenden Dezember wird diese eine komplett neue "Ausrichtung" ihrer Fahrzeiten erhalten. Bisher sind die Ankünfte der Kulturbahn in Pforzheim auf den dort startenden Stadtverkehr in Richtung Karlsruhe (Durlach) ausgerichtet.

Künftig werden die Ankunftzeiten in Pforzheim auf Anschlüsse der Fernbahn-Verbindungen in Richtung Karlsruhe-Hauptbahnhof abgestimmt sein – was für eine insgesamt bessere Anbindung des Nordschwarzwalds an den Fernbahn-Verkehr mit deutlich verringerten Umstiegszeiten sorgen werde.

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