Das hatte 1989 kaum einer geglaubt: 25 Jahre hatte die Fraktionsgemeinschaft von FDP und Grünen im Nagolder Gemeinderat Bestand – jetzt trennt man sich im Guten. Die Akteure (von links): Bernd Gorenflo, Thomas Ebinger, Bärbel Reichert-Fehrenbach, Jürgen Gutekunst, Brigitte Loyal, Ulrich Mansfeld, Hans-Karl Joß und Renate Schlögel. Foto: Priestersbach

FDP/Grüne-Fraktion im Nagolder Gemeinderat entstand vor 25 Jahren als Vernunftehe und löst sich nun auf.

Nagold - 1989 war es keine Liebesheirat, sondern eher eine Vernunftehe – die Fraktionsgemeinschaft von FDP und Grünen im Nagolder Gemeinderat. Auch damals nahm Nagold damit eine Vorreiterrolle ein, denn diese ungewöhnliche kommunalpolitische Konstellation hatte vor 25 Jahren absoluten Seltenheitswert.

In diesem Jahr wird nun eigentlich Silberhochzeit in der Fraktionsgemeinschaft gefeiert, doch die neue Konstellation im Nagolder Stadtparlament hat dazu geführt, dass FDP und Grüne nach einem Vierteljahrhundert künftig wieder getrennte Wege gehen. Beide Parteien verfügen nach den Kommunalwahlen im Mai über drei Sitze im Gemeinderat und haben somit jeweils einen Anspruch auf den Fraktionsstatus.

"Die Trennung ist nicht emotional, sondern rational begründet", erklärt deshalb auch FDP-Rat Ulrich Mansfeld, der 1989 zusammen mit seinem Parteifreund Hans-Karl Joß und Grünen-Stadträtin Renate Schlögl für den kommunalpolitischen Coup gesorgt hatte. Die Initiative ging seinerzeit von Hans-Karl Joß aus, der nicht mehr länger Einzelkämpfer sein wollte und damals nach der Wahl von Ulrich Mansfeld feststellte: "Auch zu zweit wäre jeder ein Einzelkämpfer gewesen." Bereits seit 1984 hatten die Grünen einen Vertreter im Gemeinderat, und nach der Wahl von Renate Schlögl wurde 1989 die Gelegenheit beim Schopf gepackt: Im damaligen Gasthaus "Köhlerei" wurde der Beschluss gefasst, eine Fraktionsgemeinschaft einzugehen, um mit stimmberechtigten Vertretern in den Ausschüssen vertreten zu sein.

Wie Joß damals erklärte, hatte dieser Schritt nichts mit dem Streben nach mehr Machtfülle zu tun. Eher damit, "dass die Fronten geklärt sind, dass es nicht immer die gegenseitigen kleinen Nadelstiche gibt".

Allerdings gab es in den Anfängen durchaus Zweifel im Nagolder Rat, ob die FDP/Grüne-Fraktion überhaupt Bestand haben werde, die sich im Nachhinein indes als unbegründet erwiesen. Denn trotz aller ideeller Unterschiede, die es natürlich gab, fanden die Mitglieder "nicht nur fachlich, sondern auch persönlich und emotional zusammen", wie es Ulrich Mansfeld in seiner Rückschau beschreibt.

Dabei ist er überzeugt, dass die Stadtpolitik ohne die Fraktionsgemeinschaft nicht so viel anders gelaufen wäre – aber "wir waren das Salz in der Suppe und haben uns erfolgreiche gegen den reaktionären Mainstream durchgesetzt".

Und immerhin konnte mit der sozial-liberalen Prägung der Fraktion einiges mitbewegt werden, so Mansfeld. Für ihn bedeutet die Trennung jetzt auch nicht zwangsläufig, dass man künftig nicht mehr fraktionsübergreifend zusammenarbeitet.

Von der gegenseitigen Toleranz der vergangenen Jahre spricht ebenso Brigitte Loyal, und besonders erfreulich ist für die grüne Stadträtin, "dass es nur ganz wenige strittige Diskussionen und keinen Fraktionszwang gab". Von einer guten Gemeinschaft erzählt FDP-Rat Jürgen Gutekunst, und deshalb gab es vor fünf Jahren auch keinen Grund, die Fraktion aufzukündigen, als die FDP bereits über drei Sitze verfügte und eigenständig Fraktionsstatus gehabt hätte.

"Es ist immer angenehm, wenn man es mit toleranten Menschen zu hat", meint Bernd Gorenflo (Grüne) und fügt hinzu: "Jeder konnte seine Meinung sagen. So macht Kommunalpolitik Spaß."

An die Anfänge der Fraktionsgemeinschaft erinnert sich auch Renate Schlögl noch gerne. Die frühere Grünen-Stadträtin erfuhr 1994 mitten in der Legislaturperiode ein "spätes Mutterglück" und brachte ihren Bub zwei Mal mit in die Sitzung – was dem Nachwuchs aber hörbar nicht zusagte.

Jetzt, 20 Jahre später, sitzt Tilman Schlögl im Nagolder Jugendgemeinderat und hatte als grüner Kandidat auch für einen Sitz im Gemeinderat kandidiert.