Das Tor hilft bei der Datierung des Bildes.Foto: Buckenmaier Foto: Schwarzwälder Bote

Otto Dünkelsbühler: Rose Riehm berichtet von abendlichem Spaziergangs-Ritual

Nagold. Unsere Berichterstattung über die kleine Odyssee eines Gemäldes von Otto Dünkelsbühler, das heute im Nagolder Rathaus hängt, hat auch bei manchen Lesern Erinnerungen an ihre Kindheit und an ihre Begegnungen mit dem Maler geweckt, der von 1938 bis zu seinem Tod 1977 in Nagold lebte. Wie zum Beispiel bei Rose Riehm aus Bad Liebenzell, die sich noch gut daran erinnern kann, wie das Ehepaar Otto und Elisbeth Dünkelsbühler ihr abendliches Ritual, einen Spaziergang durch den Stadtpark unternahmen. Für die kleine Rose (geborene Waidelich, Jahrgang 1952) und die Nachbarskinder war dieser Ausflug des Künstlerpaares mit einem besonderen Spiel verbunden.

Rose Riehm hat es heute noch vor Augen, wie sie mit anderen Kindern auf der Langestraße spielte und man sich schließlich abends auf den Mauern der Zellerschule traf, um von dort aus Wetten abzugeben auf eine besondere Eigentümlichkeit des Malers Otto Dünkelsbühler.

"Wir hatten große Freude daran"

Besagter Spaziergang lief nämlich nach den Erinnerungen von Rose Riehm immer gleich ab: "Das Ehepaar ging stets ein paar Schritte gemeinsam, dann löste sich der Künstler von seiner Frau, um mit forschem Schritt vorauszueilen, um nach geraumer Zeit wieder umzudrehen und zu seiner Frau zurückzukehren. Dann gingen sie wieder ein Stück gemeinsam, dann ging er wieder voraus."

Das kindliche Spiel bestand nun daraus, mit einem Fingerzeig, verbunden mit einem laut artikulierten "Jetzt", zu erraten, wann er sich löste oder wann er wieder umdrehte: "Wir hatten große Freude daran, wenn wir den Zeitpunkt gemeinsam trafen. Wir wussten, dass das Künstlerehepaar, so nannten wir sie, irgendwann zurückkommen würde, die Zeit dazwischen vertrieben wir uns mit Mauerspringen oder Verstecken. Wenn das Ehepaar wieder bei der ehemaligen Landwirtschaftsschule ankam, setzten wir uns wieder auf die Mauer und warteten, bis sie wieder in die Langestaße einbogen. Wohlgemerkt, wir machten uns nicht über die beiden lustig, wir hatten nur Freude an diesem abendlichen Ritual – und unsere Trefferquote wurde immer besser."

Rose Riehm kann bei der Klärung eines noch ungelösten Rätsels helfen, das sich um das besagte Bild von Otto Dünkelsbühler, eine Stadtansicht vom Kleb aus gesehen, rankt. Unklar ist nämlich bis heute, wann genau dieses Bild entstand: vor oder nach dem Krieg? Ein wichtiges Indiz für die Zeit seiner Entstehung ist ein weißes Fußballtor, das auf dem Gemälde zu erkennen ist. Sie war noch klein, erklärt Rose Riehm gegenüber unserer Zeitung, als ihr Vater rüber ins Kleb zum Kicken ging. Das muss also in den Fünfziger Jahren gewesen sein. Die Tore seien wahrscheinlich kurz vor dem Bau der Konzertmuschel entfernt worden, die es auch nicht mehr gibt.

Erinnerungen wie diese sollen eines Tages in einer Monografie stehen, also einem umfassenden Buch über das Leben und Schaffen von Otto Dünkelsbühler, das die Stadt Nagold in Auftrag geben will. Voraussetzung dafür sei, so OB Jürgen Großmann gegenüber unserer Zeitung, dass auch die Tagebücher, die der Maler führte und heute in Familienbesitz sind, der Stadt und damit der Öffentlichkeit zugänglich sind.

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