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Nagold Corona-Verdacht setzt Notfall-Maschinerie in Gang

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Der Corona-Virus hat 100 Menschenleben gefordert. Foto: "Center for Disease Control"

Nagold - Es war eine reine Vorsichtsmaßnahme, die einen 24-jährigen Mann mit Husten in die Notaufnahme der Nagolder Kreiskliniken gehen ließ. Allein: Die Angaben, wo seine jüngste Dienstreise hin führte, setzte die komplette Maschinerie in Gang, die in diesen Tagen hierzulande bei Corona-Verdachtsfällen anläuft. Der junge Nagolder kam eben aus China.

Es war just an demselben Tag, als der in dem Riesenreich grassierende Corona-Erreger auch Baden-Württemberg erreicht hatte. In der Uniklinik Heidelberg war am Dienstag vergangener Woche ein Patient mit entsprechenden Symptomen aufgetaucht, bei dem es einen "begründeten Verdacht" auf eine Ansteckung gab.

Mit Grippesymptomen ins Krankenhaus 

Auch der junge Mann aus Nagold hatte an diesem Tag keine Ruhe. Er war eben von einer Dienstreise von der Ostküste Chinas rund um die Millionenmetropole Schanghai zurückgekehrt – mit Anzeichen für einen grippalen Effekt.

Vor dem medialen Hype um den Corona-Virus hätte er sich vermutlich einfach ins Bett gelegt und seine Grippe auskuriert. So aber machte er sich – auch um seine Arbeitskollegen zu beruhigen – in die Notaufnahme des Nagolder Krankenhauses auf, um sich checken zu lassen.

Dort nahm man die Sache – "China-sensibilisiert", wie es Ingo Matheus, Pressesprecher des Klinikverbundes Südwest nennt – ernst, auch wenn der junge Mann bei seiner Reise in die Volksrepublik fast 700 Kilometer Luftlinie von det Provinz Hubei entfernt war, wo der Corona-Virus besonders heftig grassiert und zuletzt weitere 56 Tote forderte.

In der Nagolder Klinik tat man das, was man auch bei klassischen Grippe-Infizierten oder mit dem Krankenhauskeim MRSA angesteckten Patienten macht: Der 24-Jährige kam in ein Isolationszimmer. Die Klinikmitarbeiter betraten dieses Einzelzimmer nur mit entsprechender Schutzkleidung: Einwegkittel, Mundschutz, Schutzbrille.

Patient hat Husten, aber kein Fieber

Der junge Patient hatte Husten, aber kein Fieber und es ging ihm gut. Mit diesen Symptomen und auch aufgrund seiner "Reise-Anamnese" stufte man ihn nicht als Verdachtsfall, sondern als "Fall in Abklärung" ein.

Eine Laborprobe ging, um sicher zu gehen, umgehend an das Speziallabor in Stuttgart, das eben erst eingerichtet worden war. Tage zuvor mussten die Proben noch nach Berlin geschickt werden.

Derweil lief nach Informationen unserer Zeitung der Notfallplan auch im Calwer Landratsamt an, um für alle Fälle gewappnet zu sein – gleich, ob die eingereichte Laborprobe positiv oder negativ ausfallen sollte. Ein kleiner Stab mit den Verantwortlichen aus dem Gesundheitsamt und der Pressestelle wurde eingerichtet, die das weitere Vorgehen mit Landrat Helmut Riegger abstimmten. Auch wenn es sich offiziell nur um einen "Fall in Abklärung" und nicht um einen Verdachtsfall handelte, wurde – entgegen der sonstigen Gepflogenheiten – das Landesgesundheitsamt davon telefonisch in Kenntnis gesetzt. Den Menschen, die zuletzt mit dem 24-Jährigen in engerem Kontakt standen, wurde von Amts wegen nahe gelegt, zu Hause zu bleiben.

Anderthalb Tage später kam die Entwarnung: Der Labortest war negativ. Der 24-Jährige konnte die Klinik wohlauf verlassen. Die Quarantäne-Empfehlungen wurden aufgehoben.

Für die Kreiskliniken ist ein solcher Fall indes Alltag. Dutzende Influenza- oder MRSA-Patienten liegen derzeit in den Häusern des Klinikverbundes Südwest, sagt Pressesprecher Matheus: "Das ist unser täglich Brot."

Aber er verweist auch auf die Relationen: Auf der einen Seite stünden in Deutschland bislang zehn Corona-Fallzahlen, auf der anderen Seite 20.000 bis 25.000 Menschen, die jedes Jahr hierzulande an der Grippe sterben. Man dürfe die in China grassierende Pandemie nicht verharmlosen, meint der Pressesprecher des Klinikverbundes, fordert angesichts des medialen Hypes aber auch "das nötige Augenmaß".

Empfohlene Schutzmaßnahmen beugen auch gegen Influenza vor

Eine positive Begleiterscheinung habe die Aufregung um den Corona-Virus allemal: Die empfohlenen Schutzmaßnahmen gegen den Erreger – von der Händehygiene bis hin zur Husten- und Nies-Etikette – würden auch der Influenza vorbeugen. Matheus warnt vor falscher Panikmache: "Für die Kliniken ist eher der Umgang mit beunruhigten Patienten ein Problem als strukturelle Herausforderungen mit den Isolationszimmern."

Wenn bei ihnen Grippesymptome auftauchen, sollten sich vom Corona-Thema besonders sensibilisierte Personen deshalb zuerst telefonisch bei ihrem Hausarzt oder bei der Kassenärztlichen Vereinigung melden, die alles weitere in die Wege leiten. Damit würde verhindert, dass sich – bei einem positiven Labortest – womöglich weitere Menschen im Bus, in den Wartezimmern der Ärzte oder in der Notaufnahmen der Kliniken anstecken.

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

Heiko Hofmann

Fax: 07452 837333

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