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Nagold Citydibs: Investoren ziehen früh den Stecker

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Der "Packrobot" im Iselshäuser Tal soll weiterhin als Universal-Packstation dienen. Foto: Fritsch

Nagold - Als "Eierlegende Wollmilchsau" ging "Citydibs" an den Start –­ gedacht als Mischung aus Nagold-App, Online-Shopping-Portal der Nagolder Einzelhändler und Universal-Packstation, an die Pakete aller Art geliefert werde können. Nur etwa fünf Monate nach dem Start wurde das ambitionierte Projekt nun wieder eingestellt.

Citydibs in Nagold sei ein Pilotprojekt gewesen. "Wir haben es fünf Monate laufen lassen und dann entschieden, es nicht fortzuführen", sagt Steffen Luippold, Geschäftsführer von Citydibs. Wobei, ganz freiwillig war die Entscheidung nicht: "Die nicht aus Nagold stammenden Investoren haben schneller entschieden. Das war plötzlich und hat mich überrascht", sagt Luippold, der nach eigener Aussage "die letzten zwölf Monate nichts anderes gemacht" hat.

Das Aus kam plötzlich

Auch wenn das Aus plötzlich kam und von allen Beteiligten –­ auch bei City-Verein und Werbering – bedauert wird, scheint klar zu sein, dass das Konzept früher oder später vor dem Aus gestanden hätte. "Wir hätten es in der Form nicht weiterführen können", sagt Luippold und Werbering-Chefin Siegrid Plaschke ergänzt: "Wir hätten mehr Zeit und nochmal 20 Händler gebraucht." Außerdem hätte man es auf Gastronomie und Stadtverwaltung ausdehnen müssen. "Wir hätten mindestens noch ein Jahr gebraucht, und es hätte viel Geld gekostet", so Plaschke weiter. Geld, das die Investoren offenbar nicht weiter zur Verfügung stellen wollten.

Derzeit seien viele Städte auf der Suche nach Lösungen. "Es gibt viele Pilotprojekte", sagt City-Managerin Anna Bierig. Eines davon war Citydibs. "Bisher hat sich keiner an ein so umfangreiches Projekt gewagt wie wir", fügt Steffen Luippold hinzu.

Genau das könnte ein Teil des Problems gewesen sein. Zu viele Baustellen auf einmal galt es zu bearbeiten. Das begann bereits mit dem eher holprigen Start. Anstatt der angepeilten 20 bis 25 Nagolder Händler, die ihre Waren künftig über diesen Online-Marktplatz anbieten sollten, beteiligten sich nur etwas mehr als zehn daran. Für die stellte sich dann die Pflege eines zusätzlichen Online-Shops, abseits ihrer eigentlichen EDV-Systeme als zusätzliche Hürde heraus. "Es war schwierig für die Händler, dieses Online-Thema zeitlich zu stemmen", sagt Klaus Drissner, der als City-Vereins-Vorsitzender und Einzelhändler gleich doppelt in das Projekt involviert war.

Zusätzlich sollte noch ein Nagolder Bonus-System aufgebaut werden, was sich als ebenfalls (zu) schwierig und aufwendig für die teilnehmenden Händler erwies, um es neben dem Alltagsgeschäft stemmen zu können. "Der Aufwand wurde von allen unterschätzt", sagt Klaus Drissner.

Außerdem mangelte es dem ambitionierten Projekt an interessierten Nutzern. Gerade einmal 700 App-Downloads und sogar nur 490 registrierte Nutzer verzeichneten die Macher in fünf Monaten –­ zu wenig, um wirkliche Erfolgsaussichten zu bieten.

Logistik funktioniert

Ein weiterer Teil des Projektes ist das Logistikangebot mit dem "Packrobot", der im Gewerbegebiet Iselshäuser Tal steht. Hier sollten die Pakete, die online bei den Händlern bestellt wurden, rund um die Uhr abgeholt werden können. Zusätzlich konnte er als Universal-Packstation für alle Paketdienstleister genutzt werden. "Dieser Logistik-Teil ist der Bereich, der funktioniert", sagt Luippold.

Vielleicht, so Luippold weiter, hätte man nicht versuchen sollen, alles auf einmal zu verwirklichen, sondern "nur mit einem Thema anfangen sollen". Bei Citydibs will man sich nun auf den funktionierenden Bereich der Logistik konzentrieren. Der Packroboter soll weiterhin als Lieferadresse für Pakete aller Zusteller dienen, auch die Nagolder Händler könnten bestellte Waren weiterhin dorthin liefern lassen.

Die Verantwortlichen von Werbering und City-Verein wollen sich weiter mit dem Thema Nagold-App befassen, dann aber losgelöst von Citydibs. Gegenseitige Schuldzuweisungen gebe es keine, sagt Plaschke. "Wir sehen es nicht als Crash. Bei einem Pilotprojekt muss man Erfahrungen sammeln", so die Werbering-Chefin weiter. Das sieht auch Steffen Luippold so. Auch wenn jetzt diese Entscheidung getroffen werden musste, ist er "froh, dass wir diesen Weg gegangen sind. Viele Städte und Händler haben nicht den Mut, so etwas zu wagen." Als "nicht gescheitert" sieht auch Klaus Drissner das Projekt Citydibs. Die Erfahrungen sollen für die neue Nagold-App genutzt werden. Mittlerweile laufen auch Gespräche mit der Stadtverwaltung, die sich bislang zugunsten von "Citydibs" mit einer eigenen App zurückgehalten hat. Ziel sei es auch jetzt, "nur eine App für alle" zu entwickeln, sagt Carmen Hensler, die Wirtschaftsbeauftragte der Stadt.

"Citydibs" ist Geschichte. Die Nagold-App wurde eingestellt und ist im App-Store der großen Smartphone-Betriebssysteme bereits nicht mehr verfügbar. Auch die Kunden wurden vom Anbieter über das Aus der App informiert. Bereits gesammelte Bonuspunkte können noch bis zum 3. Juni im Weinladen Nagold eingelöst werden.

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