Schauspieler Dominique Horwitz darf nicht auf die Einstellung des Verfahrens hoffen. Foto: Bernklau

Gericht lehnt Einstellung des Verfahrens ab. Mit 82 km/h geblitzt. Schauspieler erhebt Einspruch gegen Strafbefehl.

Nagold - Fortsetzung folgt: Auch nach dem vierten Verhandlungstag am Nagolder Amtsgericht hat der Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz seinen Einspruch gegen den Strafbefehl wegen überhöhter Geschwindigkeit im Straßenverkehr nicht zurückgenommen.

Wie berichtet, war der deutsch-französische Fernsehschauspieler ("Tatort", "Der große Bellheim") am 26. Februar mit seinem Auto von Calw nach Nagold unterwegs und wurde am Stadteingang auf Höhe des Rehazentrums Schaible geblitzt. Dort sind maximal 50 Stundenkilometer erlaubt. Horwitz war laut Messprotokoll mit 82 km/h unterwegs. Gegen den Strafbefehl hatte der 58-Jährige über seine Verteidigerin aus Wiesbaden Einspruch erhoben.

Ging es in den ersten beiden Prozesstagen um die Funktionstüchtigkeit der Anlage in der Calwer Straße 195, wurde zur dritten Verhandlungsrunde Rolf Ritter, Prokurist der Firma ERA aus Heilbronn geladen. Er informierte das Gericht, wie der Datensatz bei ihnen "aufbereitet" wird. Sollten die Messergebnisse vom Ordnungsamt Nagold mit denen des beauftragten Unternehmens übereinstimmen, erwarteten Prozessbeobachter, dass der Strafbefehl am vierten Verhandlungstag akzeptiert wird.

Weit gefehlt. Auf Bitten von Rechtsanwältin Sofia Karipidou wurde der Sachgebietsleiter erneut in den Zeugenstand gerufen. Raimund Lüke sagte aus, dass das Original des Datensatzes in Nagold bleibe und die Kopie zur Weiterverarbeitung an ERA geschickt werde. "Hat die Stadt nicht genügend Kapazität, dass sie personenbezogene Daten an eine Privatfirma herausgeben muss?", wunderte sich die Verteidigerin. Für sie ist Nagold damit nicht mehr Herr des Verfahrens.

Als die Juristin auf Nachfrage erfuhr, dass bei der Auswertung unterschiedliche Programme verwendet werden, hielt sie abweichende Messergebnisse für durchaus denkbar. Ein Sachverständiger sollte eingeschaltet werden. Ein genervter Richter machte deutlich, dass der Experte in seinem Gutachten nur die Korrektheit beider Messverfahren kontrollieren müsse – "Mehr nicht!"

Auch anderswo zu schnell unterwegs

Man könnte sich auch darauf verständigen, das Verfahren einzustellen, schlug die Anwältin unter Hinweis auf "diverse Ungereimtheiten" (Datenschutzverletzung, verschiedene Messverfahren, keine Schulung des Sachgebietsleiters) vor. Das lehnte der Amtsrichter ab – auch deshalb, weil Horwitz in der Zwischenzeit andernorts mehrfach die zulässige Geschwindigkeit überschritten haben soll. Deshalb kommt für Link "auch ein Fahrverbot in Betracht".

Als Sachverständiger wurde Diplom-Ingenieur Matthias Fischer von der DEKRA Reutlingen bestimmt. Seine Erkenntnisse kommen beim fünften Verhandlungstag am Dienstag, 29. Dezember, um 11 Uhr im Saal 5 des Nagolder Amtsgerichts zur Sprache.