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Nagold Belege sorgen für Diskussionen

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Dass Kunden am Käsestand von Melanie Seiffer und Rosi Wachtfeitl auf einen Kassenbon bestehen, ist die Ausnahme. Foto: Schwarzwälder Bote

Nagold - Der Kassenzettel am Käsestand wächst und wächst, doch wozu eigentlich? Seit Anfang des Jahres ist das Drucken des Beleges nun Pflicht. Die Meinungen zu dieser Gesetzeslage gehen allerdings auseinander. Das zeigt sich auch auf dem Nagolder Wochenmarkt.

Oft verhöhnt und doch unumgänglich – seit dem 1. Januar müssen Verkäufer, die ein elektronisches Kassensystem nutzen, den Kassenzettel drucken und ihn ihren Kunden zumindest anbieten, und das gilt auch auf dem Wochenmarkt.

Für manche Stände ist die neue Regelung jedoch keine Umstellung: Die Kasse war schon da, und die Belege wurden ohnehin immer gedruckt, das zumindest ist die Erfahrung von Nikolaus Mikeler der einen Obst- und Gemüsestand auf dem Nagolder Wochenmarkt betreibt. Der Vorteil des Dauer-Drucks? "Für unsere Kunden ist das übersichtlicher. So haben sie auch einen Nachweis, dass sie wirklich nur zahlen, was sie gekauft haben", betont Mikeler.

Um die Umwelt und die Gesundheit seiner Mitarbeiter zu schützen, nutzt er bereits eine Kassenrolle ohne Phenole. Ganz umweltverträglich sei auch diese nicht, aber immerhin besser als die normalen Kassenzettel.

Nach Mikelers Erfahrung wären die Kunden mit diesem System auch zufrieden. Hin und wieder wird der Beleg aber auch abgelehnt.

Zusätzlicher Müll überflüssig

Beispielsweise von Johannes Spyrka. Er lehnt die Kassenzettel nicht nur auf dem Wochenmarkt ab, sondern hält sie generell bei kleineren Einkäufen, vor allem aber bei Lebensmitteln für überflüssig. "Das ist nur unnötiger Müll, denn wenn wir ehrlich sind, heftet keiner diese Zettel ab. Die werden in den Geldbeutel gesteckt und dann irgendwann, wenn nicht direkt, weggeschmissen", drückt er sein Unverständnis für die neue Regelung aus.

Vor allem, wenn man allgemein versuche, auf zusätzlichen Müll zu verzichten, sei so ein Rückschritt frustrierend. "Das ist genauso unverständlich wie Einweg-Plastiktüten zu verbieten, aber die Plastikverpackung um das Gemüse herum nicht", findet Spyrka.

Für Reinhold Hackner, der gerade beim Obst- und Gemüsestand von Nikolaus Mikeler eingekauft hat, stellt die Bürokratisierung einen weiteren Kritikpunkt dar. "Es passt nicht zur heutigen Zeit und Gesellschaft, die Bürokratie auf solche Art und Weise auszuweiten", meint Hackner.

Nicht nur auf dem Wochenmarkt, auch in der Gastronomie kenne er viele Leute, gerade auch Gastronomen, die über den Aufwand, den die Bürokratie mit sich bringe, schimpften. Bei all den Sorgen und Problemen, die das Land hätte, eine Kassenbonpflicht einzuführen, sei für Hackner nicht nachvollziehbar und wirke realitätsfern.

Mehrheit der Kunden nimmt keinen Bon

"Etwa 98 Prozent der Kunden verzichten darauf, einen Kassenbon entgegenzunehmen", unterstreicht Melanie Seiffer Hackners Ablehnung der Belege. Gemeinsam mit Rosi Wachtfeitl verkauft sie Spezialitäten am Käsestand des Nagolder Wochenmarktes. "Die wenigsten führen ein Haushaltsbuch", fügt Rosi Wachtfeitl hinzu. Ein Kunde, der gerade an diesem Käsestand steht, stellt sich als Ausnahme heraus und nimmt den Kassenbon entgegen: "Die neue Kassenbonpflicht ist richtig und notwendig", sagt er. Um gegen Steuerbetrug vorzugehen, sei die Verschärfung des Kassengesetzes 2020 ein Schritt in die richtige Richtung. "Steuern sind der Preis für die Zivilisation", fügt er hinzu.

Aber von einer Regelung wie etwa in Italien, wo der Kunde dazu verpflichtet ist, den Kassenzettel mitzunehmen, hält er nichts. Die Verantwortung dürfe seiner Meinung nach nicht auf den Kunden übetragen werden.

Die neue Regelung betrifft jedoch nicht alle – Betreiber offener Kassen spart sie aus. Zu viele Zusatzkosten würde es verursachen, auch kleine Stände zur elektronischen Kasse zu verpflichten.

"Ich führe nach jedem Verkauf von Hand Kassenbuch, und wenn ab und an mal jemand einen Beleg will, schreibe ich eine Quittung", erklärt eine Verkäuferin wie der Stand der Familie Ziegler die Bürokratie handhabt. Wie oft das im Jahr vorkomme, lasse sich allerdings an einer Hand abzählen.

Die Kassenbonpflicht ist Teil der neuen Kassensicherungsordnung und gilt seit dem 1. Januar 2020. Mit der Kassenbonpflicht möchte das Bundesfinanzministerium Steuerbetrug an der Kasse verhindern. Die Ladenkassen sollen durch eine technische Sicherheitseinrichtung fälschungssicher werden. Für die Umstellung der Ladenkassen gewährt das Finanzministerium allen Einzelhändlern, die eine elektronische Kasse besitzen, eine Frist bis Ende September. Der Einzelhandel fürchtet große Probleme.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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