Bis 2019 muss das Calwer S-Bahn-Projekt Richtung Renningen gebaut und abgerechnet sein. Foto: Fritsch

Landkreis stellt neueste Entwicklungen bei Regionalverbandsversammlung vor.

Nagold - Es tut sich was bei der S-Bahn. Der Landkreis stellte gestern die neuesten Entwicklungen bei den Projekten für Calw und Nagold der Verbandsversammlung des Regionalverbands Nordschwarzwald vor. Dort bekamen die Vorhaben Rückenwind – trotz vergangener Irritationen.Während sich die Planungen für die Anbindung von Nagold an das Stuttgarter S-Bahn-Netz über Hochdorf und Eutingen nach Herrenberg noch im Anfangsstadium befinden, drängt in Sachen Hermann-Hesse-Bahn die Zeit.

Bis 2019 muss die Strecke von Calw über Weil der Stadt nach Renningen gebaut und abgerechnet sein, um in den Genuss von Bundeszuschüssen zu kommen. 60 Prozent wären das, zu denen noch einmal 20 Prozent Landeszuschüsse für das 80-Millionen-Projekt hinzukommen. Die politische Unterstützung für die Hesse-Bahn sei sowohl in Stuttgart wie in Berlin vorhanden, berichtete Michael Stierle, Nahverkehrsexperte im Landratsamt, der Verbandsversammlung des Regionalverband Nordschwarzwald gestern in Nagold.

"Befreiungsschlag für die Region"

Jetzt gelte es den Planungsprozess entscheidend voranzubringen. Im Falle der Hesse-Bahn stehe man unmittelbar vor der letzten Hürde, der Standardisierten Bewertung. Die werde derzeit mit dem Landes- und Bundesverkehrsministerium abgestimmt. Darüber hinaus ist das Projekt in die Kategorie C des GVFG-Bundesprogramms aufgenommen worden. Inzwischen habe man auch erste Gespräche über das nötige Planfeststellungsverfahren mit dem zuständigen Regierungspräsidium geführt. Und das liegt – obwohl die Strecke in Richtung Stuttgart geht – in Karlsruhe.

Wie Stierle berichtete, geht es bei den praktischen Planungen derzeit vor allem um das einzige neue Bauwerk, einen Tunnel zwischen Ostelsheim und Schafhausen. Der würde die Dauer der Fahrt um vier Minuten verkürzen, was den Einsatz von nur zwei statt drei der teuren Fahrzeuge ermögliche. Eine Umfahrung des dortigen Berges sei nicht wesentlich günstiger zu haben, so Stierle.

Derzeit geht man von einer Fahrtdauer der vorzugsweise elektrisch betriebenen Züge zwischen Calw und Renningen von 22 beziehungsweise 24 Minuten aus. Bis Stuttgart würde man eine Stunde brauchen. Die Fahrplananbindung an die S 6 Richtung Stuttgart und die S 60 Richtung Böblingen/Sindelfingen sei weit gediehen, einzig bei der Anbindung an die Kulturbahn im Nagoldtal gebe es noch Verbesserungspotenzial.

Insgesamt rechnet man im Landratsamt mit 2800 Fahrgästen täglich zwischen Calw und Renningen, 100 zusätzlichen auf der S 6 und 570 auf der S 60.

Im Fall der Anbindung von Nagold an die S1 in Herrenberg wolle man größtenteils auf vorhandenen Bauwerken von Nagold über Hochdorf, Eutingen und Bondorf nach Herrenberg fahren, berichtete der Experte aus Calw. Baulich werde man die Strecke Nagold-Hochdorf elektrifizieren müssen. Der größte Brocken werde auf Baumaßnahmen im Bahnhof Eutingen entfallen.

Es soll zusätzliche Gleise und Brücke geben

Die Rede ist von zusätzlichen Gleisen sowie einer Brücke über die vorhandene Strecke für die Intercitys Richtung Süden. In diesem Zusammenhang betonte Stierle den festen Willen des Landkreises Calw, durch seine Pläne das Angebot im Kreis Freudenstadt nicht verschlechtern zu wollen. Vergangenes Jahr hatte Freudenstadts Landrat Klaus Michael Rückert die S-Bahn-Pläne aus Calw aus eben jener Furcht hinaus kritisiert, dass der Kreis Freudenstadt dadurch Zugverbindungen verlieren könnte.

Diese Irritationen sind inzwischen Geschichte, und auch Freudenstadts OB Julian Osswald, der ebenfalls im Regionalparlament sitzt, bestätigte gestern in Bezug auf die Pläne: "Der Landkreis Freudenstadt hat damit kein Problem."

Noch deutlicher hinter die Vorhaben, besonders hinter die Hesse-Bahn stellten sich andere Regionalräte, so auch der ehemalige Calwer Landrat Hans-Werner Köblitz, der den Anschluss als "enormen Befreiungsschlag" für die Region bezeichnete und bei der Region Nordschwarzwald Solidarität und eine "vorbehaltlose Unterstützung" des Vorhabens anmahnte.

Während Nagolds OB Jürgen Großmann auf das große Ziel, mehr Menschen auf die Schiene zu bringen, hinwies, brachte Johannes Schwarz von den Grünen in Erinnerung, dass der Kreis Calw immer noch der einzige Kreis der Metropolregion Stuttgart sei, der noch keine direkte Bahnverbindung in die Landeshauptstadt habe. Auch CDU-Fraktionschef Günter Bächle aus Mühlacker signalisierte den Willen, diese Projekte zu unterstützen und fragte schlicht: "Was können wir für Sie tun?"