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Nagold Baustelle stellt große Herausforderung dar

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Die schon lange sanierungsbedürftige Weingartenstraße in Nagold wird in zwei Abschnitten ausgebaut. Foto: Kunert

Nagold - Wenn sich Baggerfahrer Benjamin Fink an seinen derzeitigen Arbeitsplatz setzt, zeigt sein Gesicht das breiteste Grinsen überhaupt. Sein 25-Tonnen-Ungetüm steht mitten auf der Weingartenstraße am Nagolder Galgenberg – heißt: Hoch über der Nagolder City. Vertikaler geht’s kaum.

"Wir haben hier am Hang auf zehn Metern Länge zehn Meter Steigung", erklärt Finks Bauleiter, Vasileios Prasatzis vom Haigerlocher Bauunternehmen Schneider. "Das ist schon krass!" In den vergangenen Wochen wurde dort, wo sonst eine Steige, Treppe den tieferliegenden Kreuzertalweg mit der Weingartenstraße verbindet, eine neue Wasserleitung samt daneben liegendem Abwasserkanal verlegt.

Arbeiter leben mit den "Unwägbarkeiten"

Schon an sich eine Herausforderung. Hier kam noch hinzu, dass die ursprünglich im Boden verlegten Rohre und Leitungen "nicht dort lagen, wo sie in den Plänen verzeichnet waren". Aber mit solchen "Unwägbarkeiten" müsse man immer rechnen, sagt Mark Rothfuß vom Nagolder Tiefbauamt. Um so mehr, als die ursprünglichen Leitungen hier "schon echte Museumsstücke" waren. Über 50, vielleicht 60 Jahre alt. Was auch erklärt, warum das am Ende wohl rund 1,5 Millionen Euro teure Projekt – inklusive der kompletten Erneuerung und Verbreiterung der Weingartenstraße – sich nicht länger aufschieben ließ. "Wir hatten öfter in diesem Bereich Wasserrohrbrüche", weil die Lage am Hang eben über die Jahrzehnte eine große Belastung für das historische Leitungsmaterial darstellte. "Geplant war es deshalb schon länger", so Rothfuß – fiel dann aber immer wieder mit Blick auf die jeweilige Haushaltssituation der Stadt Nagold dem Rotstift zum Opfer. Bis es irgendwann eben nicht mehr ging. "Es ist gut, dass wir das jetzt angehen konnten."

Dem kann sich Baggerfahrer Benjamin nur anschließen. Zum Start der Baustelle wurde die alte Asphaltdecke der Weingartenstraße abgefräst, als Schotter aufgebracht und mit einem Rüttler (der Marke "Schwabenpower") verdichtet – damit Benjamins Bagger mit den großen Raupenketten auch einen festen und sicheren Stand hier oben hat. Die ursprüngliche Straße war durch die Hanglage bereits teilweise abgerutscht, nicht nur deshalb für Lkw-Verkehr grundsätzlich gesperrt. Künftig wird die Trasse – die bisher zwischen 4,30 und 4,80 Meter breit war – auf eine einheitliche Breite von 4,75 Meter gebracht. Dazu kommen noch mal – neu – 1,25 Meter Fußweg, was den gesamten Straßenzug auf dann insgesamt sechs Meter Breite vergrößert. Was bedeutet: "Wir müssen die Straße talseitig auf 160 Metern mit einer neuen Stützmauer absichern." Wobei Mark Rothfuß auch auf die Laternen entlang der Weingartenstraße aufmerksam macht: "Auch die werden erneuert, und von talseits auf die Hangseite versetzt", wo künftig der neue Fußweg (in dem zudem noch Leerrohre für spätere Breitbandanschlüsse verlegt werden) verlaufen soll.

Exakt 600 Meter neue Wasserleitung wird es am Ende hier oben geben – Teil dann der Nagolder Ringleitung, die von den Hochbehältern auf Wolfs- und Eisberg gespeist wird. Kleiner "Fun-Fakt": "Ringleitung" bedeutet, dass das Wasser – bei entsprechenden Entnahmen und Druckverhältnissen – am Galgenberg und zur Weingartenstraße auch schon mal bergauf fließen kann; wie es halt gerade im Nagolder Leitungssystem am besten passt.

Und für die Statistiker: Insgesamt umfasst das Nagolder Wasserleitungsnetz aktuell 40,9 Kilometer Transport-Leitungen, 157 Kilometer Verteilungsleitungen und gut 152 Kilometer Hausanschlussleitungen. Unter denen sich, wie Michael Haas von den für die Wasserversorgung zuständigen Nagolder Stadtwerken erläutert, "noch einige weitere echte Herausforderungen" für künftige Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten verbergen. "Wir arbeiten hier halt so gut wie nie auf ebenen Gelände."

Aber wo bliebe dann auch der Spaß für Baggerfahrer wie Benjamin Fink? Er sei dem Beruf verfallen, seit er als Kind das erste mal in so einem "Spielzeug für echt große Jungs" Platz nehmen durfte. "Ich wusste sofort, das ist meins!" Klar hat er auch daheim ’nen Bagger am Sandkasten für seine Kids heute stehen. "Muss was mit den Genen zu tun haben..." Und Fink zeigt, dass er auch hier entlang der Weingartenstraße zwei weitere, kleine Bagger (mit Reifen – nicht Ketten – für Arbeiten von intakten Asphaltdecken aus) für spezielle Anwendungen platziert hat. Dazu eine ganze Palette an unterschiedlichsten "Löffeln", wie die verschiedenen Schaufeln für die jeweils unterschiedlichen Untergründe im Fachjargon genannt werden.

Aufgeteilt wurde die Baumaßnahme "Weingartenstraße" dabei in zwei Abschnitte: der erste geht von der Steige, die vom Kreuzertalweg hier hinauf führt – und nachher ebenfalls mit erneuert wird – , bis zu einer weiteren Steige, über die man von der Weingartenstraße hinauf zur Galgenbergstraße gelangt. "Wir versuchen dabei, die Beeinträchtigungen für die Anlieger auf ein Minimum zu reduzieren", so Mark Rothfuß. Fußläufig seien die Grundstücke immer erreichbar, auch die Rettungswege seien immer offen. "Und die Mülleimer bringen die Bauleute bei Bedarf dorthin, wo die Müllabfuhr sie erreichen kann." Parken könnten die Anlieger während der Bauphase – die noch voraussichtlich bis Sommer nächsten Jahres dauern werde – in umliegenden Straßen. Das habe "bisher sehr gut geklappt".

Der zweite Bauabschnitt betrifft dann den Bereich der Weingartenstraße, der von der Steige zur Galgenbergstraße in Richtung des Möbelhauses Architare führt.

Busse können die Straße künftig auch befahren

Wird alles einmal fertig sein – mit einem neuen, besonders haltbaren und frostsicheren Untergrund der erneuerten Straße, soll für die Weingartenstraße auch das grundsätzliche Durchfahrverbot für Lkw aufgehoben werden – weil, wie Rothfuß erläutert, "hier künftig eine dringend benötigte Ausweichstrecke für den Busverkehr entlang verlaufen" solle. "Das war auf diesem Straßenzug bisher nicht möglich."

Bis dahin hat Benjamin Fink noch reichlich Arbeit. Und Spaß. Dermaßen vertikal zu arbeiten, "das ist Können!" Sagt’s ohne falsche Bescheidenheit. Und wer ihm hier einen Moment zuschaut – an seinem wirklich spannenden Arbeitsplatz mit Blick auf die Burg Hohennagold – muss das einfach neidlos anerkennen.

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