Die Zellerschule in Nagold soll ab 2019 umfangreich saniert werden. Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Umbau: Sanierung der Zellerschule geht in die konkrete Entwurfsplanung

"Wir können uns ganz entspannt an das Thema ’ran wagen." Mit diesen Worten eröffnete OB Großmann den Tagesordnungspunkt "Sanierung Zellerschule" in der jüngsten TA-Sitzung. Doch so entspannt ist die Sache gar nicht: Spätestens bis Juni 2019 muss der Baubeginn erfolgen.

Nagold. Sonst sind bereits gewährte Zuschüsse für das Millionen-Projekt weg, wie Simone Mann vom beauftragten Projektsteuerungsbüro Drees & Sommer (Stuttgart) in ihrem Sachstandsbericht erläuterte. Aber man sei gut in der Zeit, habe die aktuellen Vorplanungen auch bereits mit der Gesamtlehrerkonferenz der Zellerschule abgestimmt, und hoffe zum neuen Jahr mit der eigentlichen Feinplanung und den notwendigen Genehmigungsverfahren beginnen zu können.

Bausubstanz stammt aus den Jahren 1951 und 1968

Trotzdem wirkt der Planungshorizont angesichts der Dimensionen dieses Projekts ehrgeizig: Die vorhandene Bausubstanz stammt aus den Jahren 1951 ("Altbau" – Nord- und Ostflügel) beziehungsweise 1968 ("Neubau" – Westflügel). So sei beispielsweise die komplette Haustechnik mit Heizung, Sanitär- und Elektroinstallationen seitdem nie erneuert worden. Laut dem Planer für diesen Bereich, Adrian Schaufert von der Nagolder Schnepf Planungsgruppe Energietechnik, dürfte der aktuelle Heizkessel "eigentlich schon nicht mehr betrieben" werden. Im Bereich Lichtschalter gebe es teilweise gar noch "historische" Drehschalter.

Ähnlich sehe es mit sämtlichen Flächen (Wände, Decken, Böden) aus, so die ausführende Architektin Anne Pfisterer (vom Büro Pbr Architekten, Stuttgart). Vor allem im Bereich Dämmung und Schallschutz gebe es massive Defizite. Besser sehe es allein bei den Fenstern der bestehenden Gebäude aus, die vor rund zehn Jahren erneuert worden seien und auch heute den aktuellen Anforderungen noch vollständig entsprächen. Auch beim Thema Brandschutz erwarte man im Zuge der Sanierung eher "geringe Herausforderungen", da sich durch die klar strukturierten Gebäudeflügel und den vorhandenen Treppenhäusern in den Gebäude-Ecken gut abgrenzbare Brandschutz-Bereiche definieren und erschließen ließen und auch Anforderungen nach zweiten Fluchtwegen gut darzustellen seien.

Allerdings: Die aktuell vorhandenen Gebäude- und Raumflächen mit exakt 5333 Quadratmetern Nutzfläche würde nicht ausreichen, um alle (künftigen) Anforderungen darin unterzubringen – auch wenn man es zumindest theoretisch und rechnerisch "mit Doppel- und Mehrfachbelegungen der Klassenräume" vielleicht doch hinbekommen könnte. Aber das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde habe einen "Mehrbedarf von 803 bis 1461 Quadratmeter" für den künftigen anspruchsvollen Lehrbetrieb als zweizügige Gemeinschaftsschule mit Klassen von 1 bis 10 bereits genehmigt – womit die Möglichkeit geschaffen wurde, über einen An- oder Ausbau der Gebäude der Zellerschule nachzudenken.

Vorstellbar wäre etwa ein zusätzliches Geschoss auf dem Westbau. Als bessere Alternative aber hätten die Planer (inklusive Stadtverwaltung und Lehrerkollegium) einen "schmalen Anbau vor der Nordfassade" (zur Lange Straße hin) über alle vorhandenen Geschosse identifiziert. Die dort zu erschließenden Räume würden an die bestehenden Flure direkt angeschlossen werden können, was die eleganteste Lösung darstelle – zumal in diesem Anbau auch der für die Barrierefreiheit notwendige neue Aufzug problemlos untergebracht werden könnte.

Mechanische Fensterlüftung soll manuelle ersetzen

Weitere, bereits angedachte Neuerungen für die Zellerschule: Die in den Kellerräumen untergebrachten Fachräume sollen durch ein Aufgraben der Böschungen vor den Fassaden mehr Licht (durch den dann möglichen Einbau größerer Fenster) erhalten. Und die bisherige "manuelle Fensterlüftung" der Klassenräume soll – so eine Empfehlung von Planer Scheufert – durch eine "dezentrale mechanische Lüftung" ersetzt werden, die eine gleichmäßige Frischluftzufuhr bei gleichzeitiger Wärmerückgewinnung aus der Abluft zuließe. Und letztlich: Auch der Außenbereich/Schulhof soll mit neuen (zeitgemäßen, "urbanen") Überdachungen eine Aufwertung erfahren.

Überschlägige Kostenschätzung derzeit für alles: 9,150 Millionen Euro für die Sanierung der vorhandenen Gebäude plus "2,5 bis drei Millionen Euro" (Zitat Ralf Fuhrländer, Leiter Stadtplanungsamt) für den angedachten Anbau. Allerdings können sich diese Summen in der eigentlichen Bauplanung, die erst eine abschließende Kostenschätzung zuließe, noch wesentlich verändern.

Oberbürgermeister Jürgen Großmann deutete zudem an, dass man die nun startende Sanierung der Zellerschule und das sich daran anschließende, noch größere Sanierungs-Projekt des Otto-Hahn-Gymnasiums seitens der Stadt für Überlegungen nutze, den Nagolder Schulcampus samt Stadthalle sowie die angrenzenden städtischen Gebäude "bis zum Rathaus hin" künftig über ein gemeinsames Nahwärmenetz zu versorgen. Das sei ein "Punkt, über den wir intern sehr ernsthaft diskutieren", so Großmann. Die Bedarfe ließen sich zu einem "sehr effektiven Energie-Zentrum bündeln", zumal die Lage der verschiedenen Gebäude inmitten der Altstadt prädestiniert für ein solches Projekt seien. "Das macht hier richtig Sinn."

Zum Entscheiden gab es diesmal im TA aber zu all diesen Punkten noch nichts. Projektsteuerfrau Simone Mann kündigte aber an, dass die abschließenden Entwürfe bis spätestens März kommenden Jahres dem Gremium zur Diskussion und Entscheidung vorgelegt werden sollen. Stichtag für alles ist dann der 10. Juni 2019: Bis zu diesem Datum müssen gemäß Bedingung des Regierungspräsidiums die eigentlichen Sanierungsarbeiten begonnen haben – sonst würden die bereits ergangenen Förderbescheide (über 1,974 Millionen Euro) für das Projekt zurückgerufen werden.