In Sachen Wohnraumbedarf will Nagold nicht nachlassen / Pläne für die Erweiterung des Wohngebiets
Nach einer Untersuchung des Prognos-Instituts ziehen mehr Menschen nach Nagold und Umgebung, als in andere Städte im Nordschwarzwald. Die Nagolder Stadtverwaltung sieht daher Handlungsbedarf.
Nagold. Die Lage scheint klar zu sein. In Nagold gibt es laut Oberbürgermeister Jürgen Großmann "keinen Nachlass" was Interessenten am Wohnraum angeht. Viele Auswärtige, die Nagold auch berufsbedingt verlassen hätten, würde es nach und nach "zurück in die Heimat" ziehen, erklärt der OB. Dabei handele es sich um alle Altersklassen und verschiedenste gesellschaftliche Gruppen.
Auf der über vier Hektar großen Freifläche im Iselshauser Tal entsteht bereits das neue Stadtquartier "Hasenbrunnen". Aktuell ist man hier gerade mit der Vermarktung und mit ersten Vergaben beschäftigt. Auch im Stadtteil Emmingen ist mit "Obere Kirchenäcker" ein Erweiterungsgebiet geplant.
Ein weiteres Bestandsgebiet, der "Obere Steinberg", wird ebenfalls ausgeweitet. Großmann und Ralf Fuhrländer, Leiter des Stadtplanungsamtes, erörterten die Zukunft dieses Baugebiets in einem Pressegespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Das Baugebiet "Oberer Steinberg" ist im Jahre 1992 entstanden, erzählt Fuhrländer. "Das war damals eine höchst umstrittene Entscheidung", sagt der OB. Rückblickend sei es jedoch ohne Zweifel die richtige Entscheidung gewesen. Denn das Baugebiet "hat Nagold in der Folge davor gerettet, dass wir unter 20 000 Einwohner fallen", unterstreicht Großmann. "Das wäre eine Katastrophe gewesen", fügt er an. Denn erst ab einer Einwohnerzahl von 20 000 wird eine Stadt als "kleine Mittelstadt" angesehen. Mit dem Wohngebiet "Oberer Steinberg" konnte man Auswanderungswellen aus dem Osten bedienen und den Eigenbedarf decken, erklärt das Stadtoberhaupt.
850 Menschen wohnen auf Oberem Steinberg
Stand März dieses Jahres liegt die Einwohnerzahl im Oberen Steinberg laut Fuhrländer bei 850. Damit könne das in Nagold "am dichtesten besiedelte" Gebiet als eigener Stadtteil gesehen werden. Dieser sei nun "nahezu vollständig aufgesiedelt", fügt der Leiter des Stadtplanungsamtes an. Das Potenzial sei erschöpft. Zwar gebe es noch vereinzelt kleine Flächen. Diese seien jedoch im Privatbesitz.
Das Wohngebiet litt in der Vergangenheit darunter, dass es keinen guten Ruf hatte. "Hatte", betont Großmann hierbei. Denn die Arbeit des Bürgervereins und des Youz im Bürgerhaus Oberer Steinberg "habe sich sehr bewährt". Hinter Integrationsarbeit stecke generell ein großer Aufwand. Doch mittlerweile seien die gesellschaftlichen Gruppen zusammengewachsen, sagt der OB. "Das sind Themen von gestern", ist er sich sicher. Heute könne man sich an der Gegend erfreuen. "Viele junge Kinder und Familien" sind laut Großmann oft dort unterwegs.
Nun hat die Stadtverwaltung sich bereits Gedanken zu einer Vergrößerung des Gebietes "Oberer Steinberg II" gemacht. Die Zufahrtsstraße vom Vollmaringer Weg zum Bestandsgebiet "Oberer Steinberg" würde hierbei als Erschließungsstraße dienen. Spielflächen und Freizeiteinrichtungen müsse man mitbedenken, äußert sich der OB zur Infrastruktur. Das Gleiche gelte für eine Kinderbetreuung vor Ort und generell für die Nahversorgung. Großmann spielt auch darauf an, dass das gesamte Gebiet "Oberer Steinberg" ein Stadtteil werden könnte.
Bei der Erweiterung wolle die Stadt darauf achten, dass ein guter Mix besteht. Sowohl von den Gebäudetypen, wie auch von den Wohnverhältnissen. Somit sollen Geschosswohnungen und Einfamilienhäuser angeboten werden. Damit man eine möglichst große Bandbreite bedienen könne. Eine Mischung aus Eigentumsbildung und Mietwohnungen, aus Familien und Alleinstehenden. Wichtig sei weiterhin die Einbindung aller Generationen, erklärt der OB. Auch wird eine "lockere, lichtdurchflutete Bauweise" angestrebt, so Fuhrländer. Mit dem Baugebiet "Oberer Steinberg II" kann man mit der abschnittsweisen Erschließung nach und nach die Einwohnerzahl "locker verdoppeln", fügt er an.
"Das ist kein populäres Thema"
Unter dem Strich war die Erstellung des Baugebiets Oberer Steinberg "richtig und gut", fasst Großmann zusammen.
Auch erwähnt er bei der Erweiterung dieses Gebietes vorangegangene Bauprojekte in Nagold. Auf dem Lemberg und im Kernen stehen beispielsweise "massive Hochhäuser", stellt er fest. Würde man diese in Einfamilienhäuser umlegen, "dann wären wir am Ende". Die Stadt müsse nun künftig auch das Thema Hochhäuser stärker betrachten. "Uns geht die Fläche aus. Wir müssen mehr in die Höhe bauen", erklärt der OB. "Das ist kein populäres Thema", ist er sich dennoch bewusst. Auch in Sachen bezahlbarer Wohnraum komme die Stadt nicht um die Fragestellung herum. Ein bis zwei weitere Hochhäuser könne die Stadt "durchaus vertragen". Vielleicht auf dem "Oberen Steinberg".
Weitere avisierte Bauprojekte "Hochdorf Ost II" und "Vollmaringen Röte III und IV" sollen dann parallel zu "Oberer Steinberg II" laufen.