Von insgesamt 65 Schülern befinden sich derzeit acht in NotbetreuungFotos: Burgschule Foto: Schwarzwälder Bote

Burgschule: Bildungseinrichtung hat Abläufe nach ersten Erfahrungen verfeinert / Auch Bewegung ist wichtig

Die Burgschule Nagold hat aus den Erfahrungen des vergangenen Lockdowns einige Lehren gezogen. In monatelanger Vorbereitung haben die Lehrkräfte an der Gestaltung des Fernunterrichts gefeilt.

Nagold. Wenn die 17 Lehrer der Burgschule sich auf den Weg machen, um die Arbeitsmaterialien zu den Schülern nach Hause zu bringen, packen sie nicht nur die üblichen Mathe- oder Deutschaufgaben in den Kofferraum. Materialien zum Basteln und Weben werden ebenso verteilt und auf manche Schüler wartet sogar eine Gitarre.

"Wir haben eine Gitarren AG und die Schülerinnen und Schüler müssen ja auch im Fernunterricht weiter üben können", erzählt Ariane Schnell. Sie ist zusammen mit Sandro Breitling kommissarische Schulleiterin. Einige Schüler haben zu Weihnachten eine Gitarre geschenkt bekommen. An drei Schüler hat die Förderschule Gitarren geliehen. "Jetzt können sie zu Hause fleißig weiter klimpern", sagt Schnell und lacht.

Ab der vierten Klassenstufe haben die Schüler Online-Unterricht per Videokonferenz. Neben dem täglichen Unterricht gemäß dem Stundenplan gibt es eben auch Gitarrenkurse oder Angebote wie Sport, Tanzen und Yoga.

Die Schüler zum Bewegen zu animieren, sei besonders wichtig, da sie im Fernunterricht noch mehr vor dem Bildschirm sitzen würden. Übungen helfen bei der motorischen Entwicklung und verhindern, dass sich der Bewegungsmangel auf das Gemüt niederschlägt, sagt Schnell. Der Sportlehrer macht die Übungen vor, die Schüler machen sie zu Hause nach und kommen ins Schwitzen.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei der Fernunterricht in derzeitigen Lockdown ein riesiger Fortschritt. Damals gab es nur Lernpakete, mit denen der Unterrichtsstoff geübt und wiederholt wurde. Kontakt hielten die Lehrer per Telefon.

Aus diesen Erfahrungen hat die Schule Lehren gezogen und sich frühzeitig für eine mögliche Wiedereinführung des Fernunterrichts vorbereitet. Monatlich gab es schulinterne Fortbildungen für die Lehrkräfte. Der Umgang mit der Software wurde geübt, an der Unterrichtsgestaltung gefeilt. Zu Beginn des laufenden Schuljahres wurden die Schüler auf den Fernunterricht vorbereitet, erklärt Breitling.

Technisch sei man ebenfalls gewappnet. Bereits 2016 hat die Schule unter dem damaligen Rektor Paul Miller Tablets angeschafft, die sich jetzt als besonders wertvoll erweisen und als Leihgeräte an Schüler vergeben wurden, so Schnell.

Entsprechend mache man dieses Mal bessere Erfahrungen. Die Kommunikation sei einfacher, der Kontakt enger und der Unterricht dadurch intensiver. Neue Lerninhalte können dieses Mal auch vermittelt werden, so Breitling.

Durch die Videokonferenzen kann nun von Angesicht zu Angesicht kommuniziert werden.

Hierbei bietet sich die Möglichkeit mit einzelnen Schülern während des Unterrichts persönliche Gespräche unter vier Augen zu führen, ohne dass andere Schüler anwesend sind. "Das ist besonders für schüchtere Schüler von Vorteil", sagt Schnell. Die Einzelgespräche sind für die individuelle Lernförderung von wesentlicher Bedeutung.

Beim Online-Unterricht an der Bergschule wechseln sich digitale und analoge Lernphasen ab. Zwischen den Videokonferenzen arbeiten die Kinder an ihren Lernpaketen. Die Dauer der Videokonferenzen und die Größe der Arbeitsgruppen hängt vom Thema ab.

Für die Klassenstufen eins bis drei gibt es keinen Onlineunterricht. Einerseits kommen Kinder in diesem Alter noch nicht so gut mit der Technik zurecht, andererseits müssen sie erst noch die Feinmotorik für das Schreiben lernen, erklärt Schnell. "Für diese Jahrgänge macht Online-Unterricht daher noch wenig Sinn."

Von insgesamt 65 Schülern befinden sich derzeit acht in Notbetreuung.

Der Fernunterricht im zweiten Lockdown ist auch für die Lehrkräfte ein Lernprozess, bei dem sie allerdings immer weitere kreative Ideen zur Unterrichtsgestaltung entwickeln. Dennoch, auch an der Burgschule hoffe man darauf, bald wieder mit dem Präsenzunterricht anfangen zu können, sagt Schnell.