"Wir müssen uns künftig auf stärkere Schwankungen einstellen". Immer mehr befristete Arbeitsstellen.
Kreis Calw/Kreis Freudenstadt - Die Zahl der Arbeitslosen ist trotz des bisher milden Winters zum Jahresauftakt gestiegen. In den Landkreisen Calw und Freudenstadt waren im Januar 5899 Personen ohne Arbeitsplatz, 648 oder 12,3 Prozent mehr als im Dezember 2011. Vor einem Jahr waren noch 463 oder 7,3 Prozent mehr Männer und Frauen arbeitslos gemeldet.
Angesichts des vergleichsweise milden Winterwetters im Januar fiel der Anstieg gegenüber dem Vormonat zwar stärker aus als erwartet, dennoch ist die Entwicklung aus Sicht der Arbeitsagentur Nagold insgesamt positiv zu beurteilen. In früheren Jahren sind die Arbeitslosenzahlen im Januar häufig um über 1000 angestiegen.
Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, hat sich gegenüber Dezember um 0,4 Punkte auf 4,0 Prozent erhöht. Vor einem Jahr lag sie bei 4,3 Prozent.
Wie immer wirkten sich im Januar die jahreszeitlich üblichen Entlassungen in den saison- und witterungsabhängigen Wirtschaftszweigen aus. Ein wesentlicher Grund für den Anstieg war aber das Auslaufen von befristeten Arbeitsverträgen zum Jahresende 2011 sowie der Kündigungstermin zum Quartalsende im Angestelltenbereich. Insbesondere im Einzelhandel wurden viele befristet beschäftigte Saisonkräfte nach dem Weihnachtsgeschäft nicht weiterbeschäftigt.
"Wir müssen uns künftig auf größere Schwankungen einstellen, da immer mehr Arbeitnehmer eine befristete Stelle annehmen", weiß Ulrich Viertl, Leiter der Agentur für Arbeit Nagold. "Ich bin aber zuversichtlich, dass die nach wie vor gute Konjunktur im Frühjahr wieder zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führen wird."
Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat zum Jahresbeginn stark zugenommen. Betriebe und Verwaltungen meldeten dem Arbeitgeber-Service 671 Stellenangebote, 165 oder 32,6 Prozent mehr als im Vormonat und 194 oder 40,7 Prozent mehr als im Januar 2011.
"Die Unternehmen suchen mehr neue Mitarbeiter als vor einem Jahr. Ein Signal dafür, dass sie zuversichtlich in die Zukunft schauen", stellt Viertl fest.
In den einzelnen Geschäftsstellenbezirken fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit unterschiedlich stark aus. Die Veränderungsraten reichten von plus 0,3 Prozent in Bad Wildbad (4,7 Prozent), Calw (3,4 Prozent) und Horb (3,6 Prozent) bis plus 0,4 Prozent in Nagold (4,1 Prozent). In dem von der winterlichen Witterung am stärksten betroffenen Bereich der Geschäftsstelle Freudenstadt (4,4 Prozent) gab es sogar einen kräftigen Anstieg um 0,6 Prozent.