Der Minister zu Besuch im Jugendforschungszentrum in Nagold Foto: Kunert

Minister besucht Forscher in Nagold. "Jungbrunnen" entfaltet seine Kraft für Kanon der fördernden "alten Männer".

Nagold -  "Rainer, grüß dich!" Wenn ein Minister wie Andreas Stoch, zuständig für Bildung und Jugend in Baden-Württemberg, mit diesen Worten einen Antrittsbesuch im Jugendforschungszentrum (JFZ) beginnt, ist klar: Man ist unter Freunden.

Gemeint war übrigens Parteifreund Rainer Prewo, der nicht locker ließ, den hohen Gast gleich zum Start der nagelneuen Jugendforschungseinrichtung hierher nach Nagold zu holen. Und der prominente Spitzenpolitiker aus Stuttgart, beziehungsweisen aus Heidenheim, wo Stoch seinen Heimatwahlkreis hat, ließ sich schnell anstecken von dem Stolz und der Freunde der vielen Akteure über dieses absolute "Leuchtturmprojekt" (Zitat OHG-Direktor Walter Kinkelin) für die berufliche Vorqualifizierung, die das neue JFZ bereits wenige Wochen nach offizieller Inbetriebnahme weit über die Region hinaus darstelle. Wobei die Begeisterung der durchweg älteren bis alten Herren – JFZ-Leiter Professor Helmut Günther wird nächstes Jahr immerhin stolze, aber extrem fitte 80 Jahre alt – im Gönner-Kanon des JFZ vor allem auch dadurch deutlich wurde, dass sie gerne für sich von einem "Jungbrunnen" sprachen, den ein Besuch der Einrichtung für sie jedes Mal bedeute. Und in dem, da griff der Minister dieses nette Bild gerne auf, nun auch er gerne unbedingt einmal eintauchen wollte.

Und Stoch – selbst gelernter Jurist; also eigentlich weit weg von allem Technischen, Physikalischen, Chemischen und Biologischen, wie es am JFZ gelehrt und in konkreten Projekten von den Jugendlichen ausprobiert werden kann – brannte offensichtlich geradezu darauf, endlich nach den offiziellen Begrüßungen, den Grußworten und vielen Würdigungen selbst die Jugendlichen zu treffen und sich ihre aktuellen Arbeiten vorstellen zu lassen. Wobei, das sei ausdrücklich angemerkt, von allen Rednern auf JFZ-Seite noch einmal besonders die Leistungen von Dietrich Aldinger (auch schon deutlich jenseits der 70) herausgehoben wurden, dem ersten Vorsitzenden des Trägervereins des JFZ, der mit seinem Engagement den Weg maßgeblich bereitet hatte für den aktuellen und so eindrucksvollen Neubau.

Und der "Jungbrunnen" entfaltete sofort beim Rundgang kraftvoll seine Wirkung. Beispiel Maxi und Luis, die gleich als erstes ihre Entwicklung dem Minister vorstellen durften: Eine einfache Vorrichtung, mit der auch kleine Menschen Dinge von hohen Schränken herab oder wieder hinauf wuchten können. Simpel in der Ausführung, hoch praktikabel. Eigentlich direkt praxistauglich, wie der Minister mit nun selbst leuchtenden Kinderaugen fand.

"Sie werden nachher sehr viel Spaß hier haben"

Man fragt sich, warum niemand zuvor auf diese geniale Idee kam. Weil eben nur das Ländle das Land der Tüftler und Erfinder ist. Nicht ohne Grund hatte zuvor Edgar Leckel von der Firma Keysight für die Sponsoren des JFZ darauf hingewiesen: "Wo wir sind, ist vorne!" Und er muss es wissen, hat sein Unternehmen doch seinen Sitz eigentlich weit weg im fernen Kalifornien – und überblickt von dort die gesamte Welt der großen und kleinen Forschergeister. Und engagiert sich daher gerne ausgerechnet hier in Nagold in der Jugendforschungsförderung.

Leckel hatte auch an den Minister gewandt gesagt: "Sie werden nachher sehr viel Spaß hier haben." Und sollte damit Recht behalten. Julia und Karolin, die zur Süßstoff-Synthese forschen, konnten dem Minister genauso ein begeistertes wie, ob der Leistungen, fassungsloses Kopfschütteln entlocken, wie die beiden Jungs, die im konkreten Unternehmensauftrag eine Apparatur entwickelt haben, mit der sie zu kühlenden, unterschiedlich großen Metallwerkstücken jeweils angepasst dosiertes kaltes Wasser zuführen. Bisher wird einfach immer die maximale Kaltwassermenge zur Kühlung eingesetzt. Nun werden die beiden Nagolder Forscher dazu beitragen, dass in einem echten Unternehmensprozess mit ihrer Tüftelei Wasser und Energie, also wertvolle Ressourcen, eingespart werden. Wem soll da noch um den Nachwuchs hierzulande bange sein, fragte sich nicht nur der Minister.