Die Konversion der Eisbergkaserne ist abgeschlossen. In die einstigen Kasernenbauten sind mittelständische Unternehmen eingezogen. Foto: INGpark Quelle: Unbekannt

Nagold - Nicht wenige unkten, eine Vermarktung der alten Kasernen-Gebäude sei schlicht unmöglich. Doch die Kritiker sind verstummt. Der Erfolg ist offensichtlich: Der INGpark Nagold-Gäu hat sich gut entwickelt

Nagold - Das Vorhaben galt als schwierig. Nicht wenige unkten, eine Vermarktung der alten Kasernen-Gebäude sei schlicht unmöglich. Doch die Kritiker sind verstummt. Der Erfolg ist offensichtlich: Der INGpark Nagold-Gäu hat sich gut entwickelt.

Es verwundert nicht, dass Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann und seine Gesprächspartner in bester Laune sind. Ein offizieller Akt steht an. Die Konversion des Kasernenareals Eisberg ist offiziell abgeschlossen. Der Bund hat alle Grundstücke an den Mann gebracht: 20 Investoren kauften insgesamt 28 Objekte – und das in einer rekordverdächtigen Zeit.

Bund vermeldet "ausverkauft"

Großmann tut sich an diesem Morgen besonders leicht mit dem Lob. Verbal klopft er allen Beteiligten kräftig auf die Schulter: Hagen Breitling als INGpark-Geschäftsführer ist da zum Beispiel von Seiten der Stadt zu nennen, Markus Kästle und Astrid Dülfer von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehören ebenso genannt. "Wir kennen uns schon gut aus, wissen ganz genau, wo’s zum Notariat geht", sagt Kästel. Er ist der Leiter des Bundes-Verkaufsteams. Und er weiß, dass er und seine Kollegin dort in Zukunft nicht mehr wie selbstverständlich ein- und ausgehen werden. Der Bund vermeldet "ausverkauft" – eine Tatsache, die vor 15 Jahren, als die Schließung der Kaserne beschlossen wurde, kaum jemand für möglich gehalten hatte.

"Das ist kein Eigenlob", sagt Jürgen Großmann. "Ich war schließlich nicht daran beteiligt." Doch von Altensteig aus habe er das Projekt sehr wohl beobachtet. "Eine einmalige Erfolgsgeschichte", bescheinigt Großmann der Konversion. Ein "Musterbeispiel für die ganze Bundesrepublik".

Hinter diesem Erfolg steckt ein Sammelsurium ungewöhnlicher Partnerschaften. Die Vermarktung der Immobilien wurde offensiv von der Nagolder Wirtschaftsförderung und dem INGpark unterstützt. "Da hatten wir einen gewaltigen Partner an unserer Seite", zeigt sich Markus Kästel als Leiter des Verkaufsteams begeistert. Der INGpark steht aber auch noch für eine ganz andere Partnerschaft: Die Gemeinden einer ganzen Region haben sich in das Konstrukt des interkommunalen Gewerbegebietes eingebracht. Nicht nur Kreisgrenzen, ja sogar Regional-Grenzen wurden überwunden.

Näher an die Region Stuttgart

Was das für Nagold bedeutet? Man rückt dorthin, wo man eigentlich schon immer sein wollte: näher an die Region Stuttgart. Der INGpark werde auch von der Region Stuttgart wahrgenommen, freut sich Geschäftsführer Hagen Breitling. Bestes Beispiel ist der jüngste Besuch der bundesweit wichtigsten Immobilienmesse in München: Dort wurde der Industriepark auf der Gäu-Höhe unter dem Dach der Region Stuttgart vermarktet. "Man hat uns für würdig befunden...", sagt der OB und lächelt. Seitdem vermarktet Nagold seine Industrieflächen nicht mehr nur in Richtung Nordschwarzwald. Die Region Stuttgart ist im Kommen.

Keine Frage, es ist beachtlich, was sich dort oben alles entwickelt hat. Die AWG war der erste gewichtige Anker. Zahlreiche Unternehmen merkten, dass die Konversionsflächen ihren Reiz haben. Der jetzige INGpark präsentiert sich denn auch wie ein wirklicher Park. Das liegt daran, dass die keineswegs schlechte Infrastruktur und auch der erst Ende der 80er- Jahre sanierte Gebäudebestand übernommen wurden. Man entschied sich gegen einen Abriss. Und siehe da: Es sprach sich unter den Unternehmen herum, dass die Kasernengebäude gut nutzbar sind.

"Wir haben heute da oben weit mehr als 200 Arbeitsplätze", erzählt Wirtschaftsförderer Hagen Breitling. Mehr als 20 Unternehmen haben aus dem Kasernenareal eine blühende Industrielandschaft gemacht – etliche von ihnen stammen aus der Region Stuttgart. Das Besondere: die Breite der Unternehmen. Vom Produzenten von Kunststoffteilen bis hin zum Schulungszentrum – alle kommen sie gut mit den erworbenen Kasernenbauten klar. "Hier von einem Branchenmix zu sprechen, ist eigentlich schon untertrieben", so Breitling.

Einziger Wermutstropfen: Diese Entwicklungen auf dem Eisberg sind von außen nur zum Teil zu verfolgen. Sie finden hinter verschlossenen Türen statt. Doch auch die wird man bald öffnen: Am 25. und 26. September steht nämlich erstmals die "INGpark Open" an.

Von Heiko Hofmann

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